Heterautonomy: Der bessere Begriff für Work-Life-Balance

In den vergangenen zehn Jahren entwickelte sich die Begriffsschöpfung „Work-Life-Balance” zu einem geflügelten Wort. Jedoch: Viele Menschen kritisieren den Begriff, da er davon ausgeht, dass es sich bei der Arbeit um etwas Ausgleichsbedürftiges handele. Arbeit kann aber auch Spaß machen und sich mit den eigenen Lebenszielen decken. Schnell kommt man in Diskussionen darüber, was Arbeit eigentlich ist: Ist Arbeit das, wofür ich von einer dritten Person Geld bekomme? Ist Arbeit das, was nötig ist, damit ich überlebe? Ist Autowaschen Arbeit?

Die Kritik ist nachvollziehbar, führt aber selten zu mehr als darauf aufbauenden Konzepten: Work-Life-Blending und Work-Life-Hacking sind zwei Beispiele. Der Begriff Work-Life-Balance beschreibt einfach nicht das, als was es laut verschiedenen Definitionen verstanden werden möchte. Jeder Mensch hat ein anderes Verständnis von Arbeit und Leben. Daraus folgen nicht nur theoretische Probleme.

Viele Unternehmen versuchen, den Teil „Work” angenehmer zu gestalten, indem sie Firmenfitness, Kinderbetreuung, Obstkörbe und Kicker bereitstellen. Es existieren unzählige Dienstleister, die Unternehmen dabei helfen: Gesundheitsberater, Yogatrainer, Feel-Good-Manager und sogar Employer-Branding-Agenturen. Das ist in vielen Fällen sinnlos ausgegebenes Geld, da es die Annahme untermauert, dass Work per se unangenehm sei.

Ich möchte einen präziseren Begriff in die Diskussion bringen.

Heterautonomy — Die Balance zwischen Fremd- und Selbstbestimmung

Der Begriff Heterautonomy löst obiges Dilemma.

heteronomy (engl.): Fremdbestimmung
autonomy (engl.): Selbstbestimmtheit

Statt Work und Life als unklare und ausgleichswürdige Pole zu verstehen, setzt der Begriff der Heterautonomy fremdbestimmte und selbstbestimmte Arbeit in den Mittelpunkt der Unterscheidung.

Fremdbestimmte Arbeit ist alles, was nicht selbstbestimmt ist. Und selbstbestimmt ist jede freiwillige Arbeit, die einem sinnvoll erscheint.

Durch Heterautonomy verschiebt sich die Betrachtung fundamental. Man kann selbstbestimmt oder fremdbestimmt arbeiten — aber auch selbstbestimmt oder fremdbestimmt im Privaten agieren. Diese Betrachtung lässt Schattierungen zu. Statt alles was Arbeit (oder Privatleben) ist über einen Kamm zu scheren, differenziert Heterautonomy zwischen subjektiv guter und weniger guter Arbeit.

Natürlich lässt sich auch bei Heterautonomy trefflich diskutieren, was Fremd- und Selbstbestimmtheit bedeutet. Die Ausgangslage ist jedoch realitätsnäher als beim Begriff Work-Life-Balance. Jeder Mensch muss für sich reflektieren, ob seine Heterautonomy zufriedenstellend ist. Unternehmen geben dann kein Geld für Obstkörbe und Co. aus, bei denen es sich derzeit nur um Antworten auf das Konzept Work-Life-Balance handelt, statt auf Probleme im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden. Die gut gemeinten aber wirkungslosen Bekümmerungen sollten Platz machen. Wofür? Das muss im Dialog entstehen. Und dann kann es auch Obstkörbe, Kitas und Kicker geben, ohne dass es ein verzweifelter Versuch ist, den Mitarbeitenden die Arbeit irgendwie aushaltbar zu machen.

Was sind Ihre Gedanken dazu?


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