https://www.flickr.com/photos/pjaquet/9261436378/ CC BY 2.0

“Hier privat unterwegs”

Wer auf Social Media seinen Arbeitgeber angibt, ist de facto nie privat unterwegs

Iwona Laub
Jul 26, 2015 · 3 min read

Es hat sich im Jahr 2015 rumgesprochen, dass man als Arbeitnehmer auch ziemliche Schwierigkeiten bekommen kann, wenn man in sozialen Netzwerken, Foren oder Blogs mal eine Meinung loslässt, die dem Arbeitgeber nicht so gut gefällt. Da wäre der jüngste Fall eines Lehrlings, der von Porsche gekündigt wurde, weil er auf Facebook einen hetzerischen Kommentar zur Flüchtlingsdebatte losgelassen hat.

Rund um diesen Vorfall gab es zahlreiche Meinungen. So gab es jene, die meinen, ein 17-Jähriger wüsste es nicht besser und der Arbeitgeber sollte ihn sich einfach zur Brust nehmen anstatt ihn des Unternehmens zu verweisen. Ich sehe das anders und erachte es nicht als Aufgabe des Arbeitgebers, den Arbeitnehmer in Sachen Moral und Anstand oder politische Meinung zu erziehen. Die anderen wiederum finden die Konsequenz, die der Konzern daraus gezogen hat, angemessen.

Wie auch immer man zu dem Vorfall stehen mag, für mich gibt es an der Sache mehrere Punkte, die es zu beachten gilt und die meines Erachtens eine große Rolle spielen und auch in Zukunft spielen werden.

  • Ohne Social Media Guidelines wird das nichts.
    Wir wissen nicht, ob Porsche eine Social Media Guidelines für seine MitarbeiterInnen hat. Vielleicht gibt es diese Guidelines für hochrangige MitarbeiterInnen, die zu den “kleinen” im Unternehmen noch nicht vorgedrungen sind. In vielen dieser Guidelines gilt: Wer den Arbeitgeber in sozialen Netzwerken angibt, macht sich automatisch zur Repräsentationsfigur und muss dementsprechend agieren und reagieren. Das ist vielen vielleicht gar nicht klar, denn auf Facebook gibt man schnell mal etwas an, weil man ständig nach solchen Angaben gefragt wird. Diese Bewusstseinsbildung muss in Unternehmen klar kommuniziert werden. Wer solche Postings loslässt, verstößt gegen die Guidelines und somit gegen die Linie des Unternehmens, was disziplinarische Folgen hat. Dann gibt es im Nachhinein auch keinerlei Missverständnisse.
  • Schulen müssen Bewusstsein schaffen.
    Leider leben wir in einem Land, das Bildung nicht als oberste Priorität hat und auch keinerlei Bestrebungen zeigt, Medienkompetenz zu vermitteln. Zur Medienkompetenz gehört einfach auch die Bewusstseinsschaffung, was in diesem Internet passiert und passieren kann. Es muss schon von jungem Alter an aufgezeigt werden, dass jedes geschriebene Wort im Internet niemals privat ist und immer an die Öffentlichkeit gelangen kann — mit teilweise drastischen Konsequenzen.
  • Privat gibt es nicht
    Besonders auf Twitter passiert es oft, dass Menschen ihren Arbeitgeber angeben und dann schreiben: “bin privat hier”. Was heißt das? Ich weiß, dass viele es machen, damit sie nicht als Customer Care herhalten müssen, aber bei vielen anderen ist es absolut unverständlich. Dass die betroffene Person “ihre Meinung” und nicht die des Arbeitgebers widergibt, sollte doch selbstverständlich sein, sofern es sich um keinen offiziellen Firmenaccount handelt. Deshalb gilt auch hier: Wer auf Twitter “nur privat” da ist, kann ebenso Schwierigkeiten mit seinem Arbeitgeber bekommen, vielleicht sogar ohne Angabe desselben. Denn ich bin sicher, dass besonders in Personalabteilungen hin und wieder geschaut wird, was die Leute online so machen — von Bewerbern ganz zu schweigen.

Besuchen Sie meinen neuesten Blogpost:

Iwona Laub

Written by

Food practitioner. Lifelong writer. Certified troublemaker. Future teen idol. Wine lover.

Welcome to a place where words matter. On Medium, smart voices and original ideas take center stage - with no ads in sight. Watch
Follow all the topics you care about, and we’ll deliver the best stories for you to your homepage and inbox. Explore
Get unlimited access to the best stories on Medium — and support writers while you’re at it. Just $5/month. Upgrade