Hochkonjunktur des Misstrauens

Jetzt also die Panama Papers.

Wieder eine skandalöse Enthüllung, wieder ein Beweis, dass man niemandem trauen soll.

Wenn ich darüber nachdenke, stelle ich fest: ich störe mich nicht in erster Linie an den aufgedeckten kriminellen Machenschaften. Der Mensch ist ein leicht verführbares Wesen mit zweifelhaft moralischem Kompass; zu viel Geld und zu viel Macht verderben den Charakter, soweit nichts Neues.

Weitaus schlimmer ist der Effekt, dass durch jede solche (wichtige und richtige) Enthüllung unser Misstrauen gegenüber Menschen und Institutionen genährt und vergrössert wird.

Dazu beigetragen haben in den letzten Jahren gefälschte Doktorarbeiten, Dopingskandale, gekaufte Sportveranstaltungen, astronomische Boni, Wikileaks, präsidiale Lügen und und und.

Wir stumpfen ab, glauben überall von Gaunern umgeben zu sein. Das zeigt sich in der Dauerkritik an Staat und Politik, der Abschaffung von Institutionen oder am Begriff Lügenpresse. Wer differenziert und ans Gute „all der anderen“ glaubt, wird immer wieder aufs Neue enttäuscht.

Am Ende traut keiner mehr niemandem. Eine denkbar schlechte Grundlage für unsere Gesellschaft.

Es lohnt sich anzukämpfen gegen den Missbrauch – unbedingt. Aber mindestens so sehr gegen die Hochkonjunktur des Misstrauens.


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