In einem Startup arbeiten? Nicht mein Ding.

Wie es dennoch dazu kam, und worum es wirklich in diesen sagenumworbenen Unternehmen geht

Du befolgst gerne Regeln und klammerst dich an strikte Vorgänge? Lass die Finger von einem Startup. Hier wirst du nicht glücklich.
Doch wenn du dich weiterentwickeln möchtest, beruflich und persönlich, wird ein Startup vielleicht genau das Richtige für dich sein.

Ich hatte nie vor, in einem Startup zu arbeiten.

Als ich vor drei Jahren nach Finnland gezogen bin, wusste ich nicht, was ich machen will, oder wo ich arbeiten möchte, aber Teil eines Startups zu werden, war nicht gerade weit oben auf meiner Prioritätenliste.

Ich stand kurz vor Beendigung meines Studiums und konnte den „typischen“ Lebenslauf der Generation Praktikum vorweisen: verschiedene Praktika und Traineeships in Großkonzernen.

Ehrlich gesagt, wusste ich überhaupt nichts über die Startup-Szene. Aber ich bin froh, dass ich diese Wissenslücke inzwischen auffüllen konnte. Denn die letzten Jahre waren erfüllt mit Spaß und Herausforderungen.

Worauf kommt es an, um Teil eines erfolgreichen Startups zu sein?

Dazu gibt es leider kein Geheimrezept.

Oder… wenn ich genau darüber nachdenke, gibt es das vielleicht doch!

Doch um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, schauen wir uns zuerst diese 5 Zeichen an, die dir zeigen, dass du bereit für die Startup-Szene bist.

1. Du hast Ideen. Und du hast keine Angst sie wahr werden zu lassen.

Du willst Dinge erschaffen. Du willst dich und deine Umwelt verändern. Du möchtest deine Ideen weiterentwickeln. Kennst du dieses prickelnde Gefühl, wenn eine Idee aufkommt und du fühlst, dass dein ganzer Körper, dein gesamtes Selbst damit durchströmt wird?

Ich kenne dieses Gefühl. Und ich liebe es.

In einem Startup ist es viel wahrscheinlicher, dass deine brillanten Ideen ernst genommen werden. Denn in der Regel seid ihr nur ein paar wenige Leute, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen können.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es in Startups meist gar keine, oder nur sehr niedrige Hierarchien gibt, d.b. du kannst oft sofort loslegen und an deinen Ideen arbeiten, ohne das ‚OK‘ von mehreren Managementschichten abwarten zu müssen.

Aber, es ist nicht alles wie ein schöner Spaziergang im Park.

Während du an deinen Träumen und Projekten bastelst, musst du auch dazu bereit sein, verschiedene Aufgaben zu übernehmen.

Flexibilität ist der Schlüssel zum Erfolg für jedes Startup.

Zu Beginn deiner Startup-Reise wird es weder eine Marketingabteilung, noch ein Kundenservicecenter geben — heute machst du den Kundensupport, und morgen bist du der professionelle Marketer, der einen Deal pitcht.

Das Gute daran ist, dass, während du deine Ideen realisierst, du auch deine eigenen Prozesse aufbauen kannst. Das ist für mich der wichtigste Aspekt in meinem Job: Die Freiheit, wann und wie ich meine Arbeit erledigen möchte.

2. Du weißt was deine Leidenschaft entfacht. Und du lebst es aus.

Ich mache Marketing für ein Rechnungs- und Buchhaltungsprogramm. Ich blogge auch über Entrepreneurship und andere relevante Themen für Selbständige in unserem Blog.

Ich weiß schon, du denkst dir bestimmt gerade: „Rechnung und Buchhaltung? Wie langweilig ist das denn“?

Du hast Recht. Es gibt Momente, in denen es richtig langweilig wird.

(Noch ein Artikel über die Steuererklärung…muss das echt sein?!)

Aber! Ich liebe es zu schreiben, zu texten und mich begeistert Marketing. Deshalb finde ich einen Weg, um ein mehr oder weniger langweiliges Thema interessanter für mich zu machen.

Jedes Thema kann in etwas Aufregendes verwandelt werden, wenn du die Freiheit hast, es selbst zu definieren.

Wenn ich ein ödes Thema interessanter machen kann, dann kannst du das auch. Oder besser noch: Mach es auf eine Art und Weise, so dass du anfängst das Thema zu lieben.

Dein Engagement für das große Ganze sollte größer sein, als deine Abneigung gegen die kleinen ‚unangenehmen‘ Schritte, die dich dort hinbringen.

Sei selbständig, sei engagiert und sei bereit Neues zu lernen. Genau hier beginnt deine Reise. Niemand sagt dir, was du tun oder wie du etwas machen sollst — mache es so, dass du dich wohl mit dem Thema fühlst.

3. Du machst Fehler. Und du stehst dazu.

Du hast Versagensängste? Die hat jeder.

Sobald du anfängst an etwas Großartigem zu arbeiten, wird unvermeidbar auch Angst dabei sein. Und dafür braucht man sich nicht zu schämen.

In meinen fortwährenden Bestrebungen, besseres Marketing zu machen, bin ich bereits viele Male auf den ‚Heiligen Gral‘ der Kundenakquisition gestoßen. Zumindest dachte ich das.

Ich habe wieder diese Ideen-Sensation gespürt (ja, genau die, die ich vorher beschrieben habe) und dachte mir:

„Was für eine Idee! Das ist bahnbrechend!“

Ja, später als ich dann merkte, dass meine bahnbrechende Idee nicht funktionieren würde, hat es etwas gebrochen: Und zwar mein Ego.

Unzählige Stunden und eine ganze Portion Energie einfach so aus dem Fenster geschmissen. Und für was? Damit ich es das nächste Mal besser machen kann.

Die Wahrheit ist, niemand weiß, was richtig und was falsch ist.

Du sammelst sehr viel praktische Erfahrung und du bist verantwortlich für deine Arbeit: Du machst etwas Großartiges, der Erfolg gehört dir. Du verbaust es, du stehst zu deinen Fehlern, lernst daraus und machst weiter.

4. Du stillst deinen Wissensdurst. Jeden. einzelnen. Tag.

Wir alle wissen: Das Leben ist ein unaufhörlicher Lernprozess. Egal was du tust, oder auch nicht tust, du lernst jeden Tag etwas Neues dazu.

Wovon ich jedoch spreche ist bewusstes, aktives Lernen; ein Verlangen nach Wissen, eine Sehnsucht nach Inspiration und Veränderung — genau das ist es, was den Startup-Spirit ausmacht.

Schauen wir uns doch mal zwei Beispiele an: So werden Probleme in einem Konzern bzw. in einem Startup gelöst:

Corporate Charlie weiß nicht, wie er eine Aufgabe bewältigen soll.
Er wird jemanden im Unternehmen finden, der das Problem für ihn löst. Denn immerhin arbeiten hier so viele Leute — jemand weiß bestimmt, wie man es machen soll.
Das Problem ist aus der Welt und Corporate Charlie hat gelernt… Nichts!
Wobei, er weiß jetzt, dass wenn er Probleme hat, diese einfach an jemand anderen zu delegieren.

Startup Steve weiß nicht, wie er eine Aufgabe bewältigen soll.
Er nimmt das Problem selbst in Angriff. Denn immerhin arbeiten nur wenige Leute im Startup und jeder hat mit seinen eigenen Herausforderungen zu kämpfen.
Er sucht im Internet nach mehr Infos zum Thema, experimentiert mit Möglichkeiten und letzten Endes, wird er selbst das Problem bewältigen. Und wenn nicht, hat er etwas im Prozess dazu gelernt. Genau so, bewältigst du Probleme in einem Startup.

Es bedeutet, dass du Initiative ergreifst, bevor du jemanden anderen fragst. Es bedeutet nicht, dass du nicht um Rat und Hilfe von deinen Kollegen bitten kannst. Deine Mitarbeiter werden dir gerne helfen, wenn auch du zuerst deinen Teil zur Lösung des Problems beigetragen hast.

5. Du bist ehrlich zu dir selbst. Und du hast keine Angst dir deine Hände dreckig zu machen.

Ich glaube es war Albert Einstein, der sagte: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.“
Genau so, fühlt sich der kreative Prozess in einem Startup an.

Ein Startup ist der Platz für Innovation; in anderen Worten, der Platz für diese verrückten Ideen, vor denen Konzerne zu großen Bammel haben.

Sei ehrlich zu dir selbst und sprich deine ‚Outer-space-ideas‘ laut aus. Sie werden vielleicht nicht sofort realisiert werden, aber sie könnten zu etwas Besseren führen.

Der größte Vorteil eines Startups ist dessen Flexibilität. Veränderungen passieren sehr schnell. Treibe diesen Zug der Veränderung mit deinen Ideen an.

Mitarbeiter sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen.
Du bist der größte Erfolgsfaktor für ein Startup.
Sei selbstbewusst und zeig was du kannst.

Zu guter Letzt bleibt noch eine Frage unbeantwortet:

Worauf kommt es an, um Teil eines erfolgreichen Startups zu sein?
Es kommt nur auf dich drauf an. Na los, wage den Schritt!

Arbeitest du in einem Startup, oder hast du in der Szene Erfahrungen gemacht? Was macht für dich den wahren Startup-Spirit aus? Ich bin gespannt auf deine Meinung.


Dieser Artikel erschien zuerst auf Zervant.de.


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