Bild: Edgar Rice Burroughs, Inc. and Warner Bros. Ent.

Legend of Tarzan

Tarzan ist eine Figur, die als Pulp-Held begonnen hat. Der Mann, der als Baby zweier englischer Adliger im afrikanischen Dschungel von Gorillas aufgezogen wurde, sich an Lianen durch den Dschungel schwingt, mit Tieren redet und der unbestreitbare Herrscher des Dschungels ist. Kurz: Tarzan ohne Dschungel geht nicht. Auch wenn sein echter Name John Clayton, Viscount of Greystoke ist. Der Frage, ob Tarzan nun Adliger oder Wilder ist, widmet sich der Blockbuster Legend of Tarzan, der am Donnerstag, 28. Juli, in die Schweizer Kinos kommt.

Weil die Frage “Wer ist Tarzan?” ist den Lesern und Zuschauern klar, dem Titelhelden des Films nicht. Seit Tarzan alias John Clayton (Alexander Skarsgård) vor acht Jahren den Dschungel verlassen hat, versucht er sich als Adliger in Regierungssachen, schafft es aber nicht, sich wirklich dafür zu begeistern. Dazu kommt, dass er stets als Aussenseiter gesehen wird. Das Image des Dschungelmannes ist schwer abzustreifen und auch wenn er von seiner Ehefrau Jane (Margot Robbie) innig geliebt wird, ist er irgendwie unglücklich. Zufrieden, ja. Glücklich, nein.

Leon Rom (Christoph Waltz) plant, den gesamten Kongo zu versklaven. — Bild: Edgar Rice Burroughs, Inc. and Warner Bros. Ent.

Gleichzeitig im belgischen Kongo: Der schurkische Leon Rom (Christoph Waltz) will Kongolesen versklaven, Diamanten abbauen und so das belgische Königreich aus den Schulden bringen. Eigentlich nobel, wäre da nicht der Part, wo er eine ganze Nation untergehen lassen will, damit eine Kolonialmacht etwas mehr Geld hat. Doch Rom ist kein dummer Mann und so lädt er John Clayton ein, damit er sich ein Bild von den angeblich so humanitären und tollen Dingen machen kann, die Belgien für den Kongo tut. Dazu macht er auch einen Deal mit Chief Mbonga (Djimon Hounsou), dessen Sohn von Tarzan getötet wurde. Mbonga will Rache.

Im Britischen Parlament wird das vom Amerikaner George Washington Williams (Samuel L. Jackson) richtig als PR-Massnahme erkannt. Doch da der Amerikaner Sklaverei mit eigenen Augen gesehen hat, macht er Clayton den Vorschlag, nach Afrika zu gehen, damit sie Beweise für die Sklaverei sammeln können.

Im Kongo angekommen überschlagen sich dann die Ereignisse: Jane wird von Rom entführt, damit der Herrscher über den Dschungel auf die Knie geht. Eine Verfolgungsjagd quer durch die Nation beginnt.

Die unbesiegte Jane

Auch wenn sie Gefangene ist, ist Jane Clayton (Margot Robbie) nie in der Opferrolle. — Bild: Edgar Rice Burroughs, Inc. and Warner Bros. Ent.

Der Plot des Films klingt klassisch. Der starke Mann muss die schwache Frau retten. Doch Jane Clayton ist standhaft. Nicht im klassischen Sinne des Klischees der starken Frau, die einfach alles Schlimme erträgt, das ihr die Welt antut. Paradebeispiel hierfür ist Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) aus den Hunger Games. In The Legend of Tarzan ist Jane Clayton unbesiegt. Sie besteht darauf, dass sie nach Afrika mitgeht, kämpft an der Seite des Stammes, bei dem sie unterkommen und obwohl sie verliert, geht sie nicht kampflos. Auch wenn sie später in Ketten gelegt wird, ist sie nie unterwürfig und es vergeht keine Sekunde, in der sie nicht gegen Rom und seine Schergen plant, ihre Bildung und ihre Sprachkenntnisse nutzt, gegen die Belgier anzutreten.

Jane Clayton ist unbesiegt. Es vergeht keine Sekunde im Film, in dem sie nicht ihre Intelligenz oder Kraft nutzt, um den Belgiern Einhalt zu gebieten.

Auch ist ihr die Leidenschaft inne. Ihre Liebe gilt nicht nur ihrem Ehemann, sondern auch dem Kongo in dem sie aufgewachsen ist, dem Stamm, bei dem sie wohnt, den Tieren und der Wildnis. Daher ist sie eine sehr positive Figur, da sie nicht aus Hass kämpft. Sie stellt sich klar gegen jemanden, doch nicht, weil sie den Typen grade doof findet. Sie kämpft für ein Land, für ein Volk, für Tiere. Das ist eine sehr gesunde radikale Haltung, die nicht nur charmant, sondern in der Welt des Films auch ungewohnt ist.

Der simple Mann auf einer simplen Mission

Tarzan (Alexander Skarsgård) wird vom wilden Mann zum Adligen zum wilden Adligen. — Bild: Edgar Rice Burroughs, Inc. and Warner Bros. Ent.

Die politischen und gesellschaftlichen Fragen werden im Wesentlichen auf Jane abgeladen, damit Tarzan — dessen Figur so attraktiv aussieht wie noch nie — sich selbst auf seine Wurzeln besinnen kann. Er ist ein simpler Mann. Er liebt den Dschungel, seine Frau, Tiere und fertig. Er interessiert sich nicht wirklich allzu stark für Politik und Sklaverei, verabscheut aber die Grausamkeit gegen das Leben. Er kann der sein, der Leuten ins Gesicht schlägt, ohne gross darüber nachzudenken, was die Konsequenzen sind.

Tarzan ist eine Naturgewalt. Er ist kein Politiker oder Wohltäter.

Diese Einfachheit ist aber kein Nachteil der von Alexander Skarsgård gespielten Figur. Er kann so ein Held sein, der übermenschlich wirkt, selbst wenn er sich menschlichen Fragen wie Ehre und Treue stellt.

Die Filmemacher handhaben ihn sehr gut. Wenn George Washington Williams fragt, ob er wirklich mit Tieren reden kann, bleibt die Frage unbeantwortet. Es ist offensichtlich, dass Tarzan eine Art Rapport mit den Tieren hat, die keine andere Figur im Film hat. Auch wenn Tarzan mit Löwen schmusen kann, so kann keine andere Figur im Film auch nur in die Nähe der wilden Tiere. Er gibt ihnen keine klare Instruktionen oder spricht mit ihnen. Er imitiert zwar Laute der Tiere, aber komplex sind diese Gespräche nicht.

Für wen ist der Film gemacht?

Obwohl Legend of Tarzan als Verfolgungsjagd gut funktioniert, fehlt es dem Film nicht an Substanz, auch wenn die ganze Diplomatie nach der Ankunft in Afrika aus dem Fenster geworfen wird. Vielmehr kann sich Tarzan, dessen Charakterevolution anhand seiner Kleidung abgelesen werden kann, auf sich selbst konzentrieren. Zu Beginn ist er noch gut als Engländer gekleidet, doch am Ende ist er dreckig und trägt nur noch Hosen.

Die Kostüme wirken authentisch und spektakulär. — Bild: Edgar Rice Burroughs, Inc. and Warner Bros. Ent.

Der Film ist aber etwas verwirrt, wenn es um die Zielgruppe geht. Der Film ist zu komplex und viel zu ernsthaft, um Kinder anzusprechen, doch fliesst in den 110 Minuten Film kein Tropfen Blut, auch wenn Tarzan von einem Gorilla gebissen wird und Menschen in Nahaufnahme von Speeren aufgespiesst werden.

Das spiegelt sich auch in der Cinematographie wider, wo der Film sich nicht ganz traut, Gewalt zu zeigen. Ein typischer Kampf geht so:

  • Die Figuren stehen sich gegenüber
  • Sie stossen zusammen
  • Eine Figur holt zum Schlag aus
  • Schneller Schnitt
  • Nahaufnahme des Gesichts des Geschlagenen, der schmerzverzerrt in die Kamera schaut.

Irgendwie schwächt das den Film ab, aber nicht genug um den Film langweilig oder dümmlich zu machen. Denn Legend of Tarzan ist ein toller Sommerfilm, der clever aufgebaut und konsequent smart umgesetzt ist. Die Computereffekte mögen zwar nicht mit dem Dschungelbuch mithalten, sind aber mehr als passabel.

Kurz: Es lohnt sich definitiv, den Film anzusehen. Er ist unterhaltsam, spannend und schön gemacht.

Legend of Tarzan startet am 28. Juli in Schweizer Kinos.

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