passtlujoyglamour.met, mein Roman, an einem seiner Orte

Mach deinen Roman Open Source

Romane sollten in Freiheit geboren werden

Wenn du schreibst, denkst du vielleicht, dass das Schreiben etwas ist, das abgeschottet getan werden sollte, in einer Hütte im Wald, und wenn möglich mit dem Geruch fauler Äpfel. Niemand soll jemals wissen, was du produziert hast, bis dieser Halbgott, der Agent, den kostbarsten aller Gegenstände erhält, das Manuskript, und er dich mit dem Kranz des Vertrages mit einem Buchverlag krönt.

Es tut mir leid, dir sagen zu müssen, dass das nicht passieren wird. Ja, es ist passiert und wird immer wieder passieren, dir, und ja, dir auch, du Gewinner! Aber nicht dem Rest von uns. Den müden, armen und zusammengedrängten Massen von Menschen, die in einem fort in ihr Textverarbeitungsprogramm tippen. Wenn du etwas veröffentlichen willst, musst du es selbst veröffentlichen. Was bedeutet, dass alle oben beschriebenen Dinge von dir selbst getan werden müssen.

Du redest von dir, oder? Weil ich schreibe den großen amerikanischen Roman und ich werde einen Vertrag mit einem der beiden großen Verlagshäuser bekommen.

Ja, richtig. Während du auf deinen per Express zugestellten Vertrag wartest, lass mich ein paar Jahre zurück gehen, in die Achtziger. Du warst damals noch nicht geboren, aber ich war es und auch Richard Stallman, der damit begann, Software von den, nennen wir sie mal, Softwareverlagshäusern, zu befreien. Er sprach über vier Freiheiten, aber gleichzeitig bedeutete es, dass der Software-Autor den gesamten Prozess der Erstellung, vom Anfang bis zur Distribution, kontrollieren konnte. Tatsächlich setzte er diese Kontrolle dadurch durch, dass er den Nutzen Freiheiten zusprach, inklusive der Freiheit, Software zu kopieren, zu verändern und mit den Veränderungen zu vertreiben.

Bitte hab an dieser Stelle Geduld mit mir.

Kopieren, verändern und vertreiben? Meinen Roman, den ich in der Dunkelheit, mit dem Geruch von Stockfisch in der Nase, geschrieben habe? Was zum Teufel redest du da?

Tatsächlich rede ich genau darüber. Aber bitte hab an dieser Stelle Geduld mit mir.

Kostenlose Software kam nicht richtig in Schwung, bis ein Typ namens Linus Torvalds kam und ein ganzes Betriebssystem namens Linux schuf. Und es war kostenlos und frei. Es war nicht nur frei, es war verdammt großartig. Und ein Betriebssystem ist keine Kurzgeschichte. Es ist keine Novelle. Es ist ein komplettes Freiheit trifft auf Der bleiche König. Also warum sollte jemand so etwas schreiben und es kostenlos weitergeben wollen? Nicht nur kostenlos, sondern so, dass jeder es verändern, modifizieren, verteilen und ihm lustige Namen wie Mageia oder Ubuntu geben könnte? Vielleicht hatte er keinen Verleger gefunden. Aber vielleicht, nur vielleicht, wollte er, dass die Menschen von dem, was er geschaffen hatte, lernen können und auch darauf aufbauen; auch seine Fehler erkennen und verbessern (hey, es ist frei wie in Freiheit, du kannst genauso etwas zurückgeben) und darauf aufbauen, um die größteste, reich bebilderte, amerikanische Enzyklopädie (Directors Cut) zu erstellen. Und er wollte auch geliebt werden und eine gute Sache schaffen, auch wenn es nicht nur seins ist. Nun, irgendwie ist es das, aber es ist auch von anderen verändert und vielleicht sogar verbessert worden, sodass es eine kollektives Werk geworden ist. Oder besser gesagt, ein kollektives Kunstwerk.

Moment, du redest von diesem Creative Commons Zeug, oder?

Ja, aber nicht nur. Viele ausgezeichnete Schriftsteller, die Corys, die Strosses da draußen, veröffentlichen ihre Sachen mit einer Creative Commons Lizenz. Es ist nicht ganz das Gleiche, wie Open Source: sie veröffentlichen es mit einer CC-Lizenz, wenn sie fertig sind und wenn es schon zu spät ist, nach Mitwirkenden zu fragen, die während des Prozesses helfen. Ich rede davon, einen Open Source Roman von Grund auf zu schreiben (wie ich es mit Hoborg gemacht habe und es auch ein paar Andere da draußen getan haben) und Leute einzuladen, es von Anfang an zu teilen. Nicht im Dunkeln zu schreiben, sondern im vollen Licht (und ohne den Stockfisch). Menschen von Anfang an mit einzubeziehen und sich mit ihren Werkzeugen, ihren Lösungen, ihren Ideen, ihrer Kritik, ihrer Recherchearbeit helfen zu lassen und weiterbringen zu lassen, ihre Absätze und ganze Kapitel und ihre Verbreitung und Veröffentlichung als kollaboratives Werk.

Du willst, dass andere Leute ihre dreckigen Hände an meinen Roman legen? Warum nochmal sollte ich das tun? Ich will noch nichtmal, dass sie es lesen, bevor sie bezahlt haben! Sie sollen nichtmal wissen, dass ich irgendetwas tue, das nur entfernt mit schreiben zu tun hat. Wenn mich jemand fragt, sage ich, ich pule mir in der Nase. Damit sie ihre nicht in meine Angelegenheiten stecken. Möchtest du das? Ich weiß, dass ich großartig bin, deshalb bin ich Schriftsteller.

Es gibt viele Gründe, warum du es tun solltest, aber ich gebe dir nur zwei: Qualität und Produktivität. Das traditionelle Veröffentlichungsverfahren gewährleistet, dass selbst wenn das Werk nicht großartig ist, es zumindest ohne Schreibfehler ist. Der beste Weg, dies zu gewährleisten, ist es, deine Leser in Beschlag zu nehmen und, wenn sie wollen, es für dich machen zu lassen (Du könntest es irgendwann selber machen, aber wenn du deinen Roman nicht öffnest, kommst du nicht darum herum, signierte Bücher zu veröffentlichen, wenn es erstmal veröffentlicht wird, damit die Leute ihr Exemplar bearbeiten können). Und angesichts der aktuellen Situation in der Verlagsbranche ist es nicht möglich, davon leben zu können, selbst wenn du jeden Abend mit Schreiben verbringst. Das Beste ist, Sachen zusammen zu schreiben (vielleicht mit GitHub), genauso, wie Film- und Serienskripte gerade produziert werden(abzüglich der Freiheit): Jeden das tun zu lassen, was er am besten kann, einer kann Dialoge schreiben, der andere kann Charaktere erschaffen, der nächste ist Wortakrobat oder ein Profi, was Cliffhanger angeht.

Veränderungen in der Industrie bedeuten Änderungen der Produktionsmethoden. Und Schreiben ist sehr ähnlich wie Softwareentwicklung; die Open-Source-Bewegung und -Methodik halfen der Software-Community, große Dinge zu schaffen; es wird Autoren genauso helfen; mir hilft es jetzt schon. Irgendwann wirst du herausfinden, dass das stimmt. Aber bis es soweit ist, kannst du schonmal die Werkzeuge erlernen.

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