Meine Alternativfrage zu “Und, was machst Du so?”

von Bastian Wilkat


Ich bin kein Freund von Smalltalk — weil ich es nicht kann. Mein Drang, dass ich mich möglichst inhaltsvoll ausdrücke, ist einfach zu groß. Deswegen bewundere ich Menschen, die mit Fremden problemlos über Gott und die Welt quatschen können.

Seit ich keine Nachrichten mehr konsumiere, fällt selbst mir Smalltalk etwas einfacher. So habe ich immer genügend Fragen parat und ich komme gut ins Gespräch.

Aber was ist mit dem Schritt davor?

Ich bin oft auf formellen und informellen Konferenzen unterwegs. Wenn ich nicht gerade selbst als Vortragender oder Moderator engagiert bin, dann bin ich einer von hunderten fremder Personen, die mit unterschiedlichsten Motiven angereist sind.

Bevor es ins Tagesprogramm startet, geben Konferenzveranstalter oft noch “Raum für Vernetzung” (neudeutsch: Socialising). Dazu stehen überall weiße Stehtische herum. Man kann sich dann noch einen Kaffee nehmen und sich an einen der Stehtische stellen.

Und welche Frage hört man als erstes, wenn man sich zu einer fremden Person stellt?

“Und, was machen Sie so?” oder auch in der Abwandlung: “Von welchem Unternehmen kommen Sie?”

Ja, die Fragen sollen nur Eisbrecher sein. Aber sie sind einfallslos, langweilig und bringen den Gegenüber in die Situation von seiner Rolle zu erzählen, statt von sich selbst. Auch auf anderen Arten von Veranstaltungen, Parties und Empfängen — ob beruflich oder privat — scheint die Frage nach dem “was du machst” Universalgesetz zu sein.

Wie geht es einfallsreicher, interessanter und bringt den Gegenüber in die Situation von seinen Motiven zu erzählen?

Ich stelle immer die Frage: “Und, was treibt Dich hierher?” Hier typische erste Sätze auf diese Frage:

  • Mein Chef…
  • Ich mich selbst…
  • Mein Interesse an…
  • Die Suche nach einer Antwort auf…
  • Andere Personen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen…
  • Redner XYZ…
  • Ein Tipp meines Bekannten…

Wow. Das sind so viele spannende Ansätze, über die man dann weitersprechen kann. Und sofort bewegt man sich im persönlicheren Bereich.

So erfahre ich auch, ob ich vielleicht jemanden kenne, den ich mit meinem neuen Bekannten vernetzen sollte, oder ob ich selber helfen kann. Ich kann später nachfragen, ob der Trieb zur Veranstaltung der richtige war. Aber schließlich habe ich so mehr über meinen Gegenüber als Menschen erfahren und nicht als Rolle.

Diese Frage macht es für eher introvertierte Typen wie mich einfacher in gute Gespräche zu kommen. Für routinierte Smalltalker kann das auch ein Ansatz zu sein, sich mehr mit dem konkreten Gegenüber zu befassen und ihm etwas mehr Denkfutter zu geben.

Kennt ihr weitere Alternativen zur “Und, was machst Du?”-Frage?


Blog: www.the-new-worker.com
Website: www.bastianwilkat.de

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