Scheiße. Mein Leben ist zu langweilig für Livestreams.


Oder auch: Warum Periscope & Co.
nie Mainstream werden.

Schon gehört? Oder eher gesehen? Livestreams, wie sie Periscope anbieten, werden aktuell als der neue heiße Scheiß durchs Internetdorf getragen.

Wobei das alleine schon ziemlich witzig ist, denn Livestreams gibt es schon ewig, Google+ hat sich lange mit seiner Hangout On Air Funktion damit gerühmt. Genützt hat es — wie wir alle wissen — nichts.

Denn Livestreams haben einen großen Nachteil gegenüber normalen Social Media Aktivitäten: Während du einen Textbeitrag, ein Foto oder selbst ein Video ungezwungen von der Couch verfassen / schießen / drehen und im Anschluss schneiden kannst, muss du im Livestream dauerhaft abliefern. Sonst gehen die Leute.

Und da offenbart sich das Problem: 98 Prozent des Alltags meiner Mitmenschen ist so normal, das er langweilig ist. Auch mein Leben ist bis auf punktuelle Ausbrüche, die mir durch meine Arbeit ermöglicht werden, ziemlich öde.

Was soll ich schon groß den Leuten dort draußen zeigen? Wie ich auf dem Balkon sitze und diesen Beitrag tippe? Nee. Oh, vielleicht wie ich mit meinem Hund durch die Straßen von Köln laufe? Auch irgendwie zu langweilig, als dass ich es einem anderen Menschen zumuten möchte.

Versteh mich nicht falsch. Ich will hier gar nicht den großen bösen Pessimisten raushängen lassen, im Gegenteil: Als Periscope rauskam, habe ich direkt damit rumexperimentiert. In meinem Büro. Ich filmte durchs Fenster auf den Kölner Barbarossaplatz. 20 Leute schauten zu. Alle englischsprachig. Es passierte relativ wenig. Eine Person fragte, ob ich das Fenster öffnen könne, damit man den Straßenlarm hört.

Ja gut, immerhin wissen 20 Leute, wie eine Straßenbahn in Köln klingt.

Aber das hat doch keinen Mehrwert. Und das brauchen Apps / Plattformen wie Periscope & Co. auf Dauer einfach, um in der breiten Masse anzukommen. Es soll sich ja auch irgendwann für das Unternehmen lohnen.

So eine Bombendrohung beim GNTM-Finale inklusive Periscope-Berichterstattung wird es wahrscheinlich nicht nochmal so schnell geben. Häuser brennen zum Glück auch nicht jeden Tag. Und ganz ehrlich: Kai Diekmanns Küken sind auch nur beim ersten Mal wirklich süß.

(Der letzte Satz klang ungewollt zweideutig. Sorry.)

Periscope & Co. haben für mich definitiv eine Zukunft im Journalismus und offenbaren da so einige Möglichkeiten, die wir jetzt noch nicht alle sehen können. Oder vielleicht auch nicht.

Aber reicht das für den Mainstream? Ich glaube nicht.

Muss es für den Mainstream reichen? Ich weiß es nicht. Aber wieso sollte ein Unternehmen dauerhaft Ressourcen verbrennen, wenn das Produkt nichts abwirft. Monetarisiert bekommst du so einen Livestream in meinen Augen auch nur, wenn du Twitch.tv heißt.

Ich weiß nur eins: Mein Leben ist zu langweilig für Livestreams.

Und deins?


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