Terror: Sind Freiheit und Offenheit naiv?

Ein schrecklicher Anschlag in Brüssel, die Bilder verbreiten sich schnell, das Gefühl, nah dran zu sein ist groß. Ebenso der Schock. Meine Gedanken sind in solchen Stunden immer bei den Familien und Freunden der Opfer, die am Weg zur Arbeit oder zur Schule waren oder gerade in den Urlaub fliegen wollten.

Egal ob in Brüssel, Paris, Istanbul oder Tel Aviv. Terror ist ein Angriff auf Freiheit, auf Vielfalt und auf Offenheit und kostet Menschenleben. Sein zentrales Ziel ist es, Angst und Unsicherheit zu verbreiten und genau damit Freiheiten zu bekämpfen. Das darf nicht gelingen. Und wir dürfen das nicht zulassen.

An dieser Stelle kommt oft ein Einwand: Ist der Ruf nach mehr Offenheit und mehr Freiheit im Angesicht von Terror naiv? Ganz im Gegenteil.

Sind Radikalisierung und Terror massive Probleme? Natürlich. Die Debatte darf aber nicht an diesem Punkt enden. Wenn wir Terror und gewaltbereiten Ideologien etwas entgegensetzen wollen, müssen wir weiter denken. Wir müssen die Frage stellen: Was tun gegen Terror?

In der aktuellen (politischen) Debatte scheinen Antworten schnell gefunden zu sein. Sie wirken nur nicht. Wer im Namen der Terrorbekämpfung Freiheiten opfert, Grenzzäune hochzieht und nationalistische Erklärungsmuster bemüht, handelt kurzsichtig. Und bekämpft in Wirklichkeit auch nicht den Terror. Was also tun?

Gleich vorweg: einfache Erklärungsmuster gibt es in einer globalisierten Welt nicht. Naheliegend ist, dass Perspektivenlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Segregation und (ökonomische und soziale) Ausgrenzung eine gefährliche Mischung ist, die von Terroristen leicht instrumentalisiert werden kann. Diesen Themen müssen wir uns widmen. Nicht, weil sie naive Erklärungsmuster sind, sondern weil Ansatzpunkte, anhand derer gewaltbereiten Ideologien der Nährboden entzogen werden kann.

Im Konkreten heißt das neben (auch) polizeilicher Arbeit: Bildung, Armut bekämpfen, Deradikalisierungsmaßnahmen, Prävention, Umgang mit Traumatisierung, mehr Jugendarbeit, usw. Es wird ein Bündel an Maßnahmen sein, die vielleicht widersprüchlich scheinen, aber nur in ihrer Gesamtheit wirken werden.

Ihnen allen muss aber eines gemeinsam sein: ein Stärken von Perspektiven und Hoffnungen. Das Gefühl, einen Platz in der Gesellschaft haben zu können. Und ein Verringern der ökonomischen Diskrepanzen — sei es durch nachhaltige Entwicklung auf volkswirtschaftlicher oder bessere (soziale und ökonomische) Inklusion auf individueller Ebene.

Wenn wir zurückblicken, sehen wir: Menschenrechte, Grundrechte und Freiheit haben sich als unschlagbares Erfolgsmodell bewährt. Ein wirtschaftshistorischer Abriss würde hier den Rahmen sprengen, klar ist aber, dass die Aufklärung, das Etablieren von Freiheiten, Grundrechten und Menschenrechten, allen zugängliche Bildung, der Wohlfahrtsstaat usw. dazu beigetragen haben, dass Europa erfolgreich ist.

Natürlich ist heute in Europa nicht alles ideal. War es auch nie. Was die europäischen Institutionen, die europäische Integration hervorgebracht hat — von Wohlstand über Grundrechte bis hin zu sozialer Sicherheit — ist jedoch weit mehr, als der sich ausbreitende Pessimismus und die Angst widerspiegeln.

Schöpfen wir aus unserer Geschichte Mut. Europa kann Vorbild sein.
Verteidigen wir unsere Freiheit und Offenheit.
Jetzt mehr denn je.


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