Library of historic photo books by simonbooth unter CC BY-NC 2.0

Von Sachbüchern lernen: Eine Anleitung

Meine Statistik: 31 gelesene Sachbücher 2015. 2013 waren es sogar 43 (siehe hier).

Ich ertappe mich selbst, wie ich mir vornehme, viele Bücher zu lesen und sie dann in hochkonzentrierten Lesesessions “durchscanne”. Dabei wende ich Speedreading-Methoden an.

Wenn ich Hörbücher höre, dann mit 1,5- bis 2-facher Geschwindigkeit. Ich verstehe akustisch und inhaltlich alles. Aber Zeit um die Inhalte vernünftig zu reflektieren, bleibt da kaum.

Dieser Artikel gibt anderen Vielleser/innen ein paar Tipps an die Hand, um bei guten Sachbüchern mehr und besser zu Lernen.

Nur, weil ich damit gute Erfahrung gemacht habe, heißt das natürlich nicht, dass ich Erfolg verspreche. Habt ihr auch Tipps? Dann kommentiert unbedingt.

5 + 1 Schritte, um von Sachbüchern zu profitieren

Erster Schritt: Qualitätscheck

Zunächst gilt es herauszufinden, ob ein Buch es überhaupt wert ist, Zeit zu investieren. Dazu lese ich die ersten zehn bis 20 Seiten und entscheide dann, ob ich mit den nächsten Schritten weitermache.

Man kann sich auch nur erkenntnisreiche Kapitel vornehmen, mit denen man die folgenden Schritte durchgeht. Bei mir hat sich aber gezeigt, dass ich mit der Sorgsamkeit der Arbeit nachlasse, wenn ich ein Buch an sich nicht erkenntnisreich finde, und nur einen Abschnitt intensiv durchgehe.

Zweiter Schritt: Lesen und Kontext verstehen

In eigenem Tempo lesen und Fremdwörter (oder unbekannte Vokabeln, falls man in einer anderen Sprache liest) unterstreichen.

Sind schon erkenntnisreiche Schlüsselsätze dabei? Ebenfalls unterstreichen.

Sobald ihr ein Wort oder einen Satz unterstrichen habt, lest direkt weiter, damit ihr den Kontext nicht aus den Augen verliert. Bei langen Kapiteln lese ich immer Absatzweise. Kürzere Kapitel lese ich ganz durch.

Dritter Schritt: Alles verstehen

Nach jedem Absatz oder Kapitel blättere ich zunächst die Fremdwörter nach (mache mir ggf. eine Notiz zum Begriff), lese mir die Schlüsselsätze nochmal durch und schreibe sie (manchmal direkt zusammengefasst) auf ein Blatt Papier oder in ein Notiztool.

Vierter Schritt: Rekonstruieren

Nach jedem Absatz oder Kapitel fasse ich (ohne nachzublättern) den Inhalt und die wichtigsten Erkenntnisse in Textform (meist Halbsätze in Stichpunkten) zusammen. Wenn ich mich an eine Zahl, einen Namen oder einen Fakt nicht erinnere? Egal, dann schreibe ich einfach ein X oder einen anderen Platzhalter. Hauptsache, ich arbeite nur mit meinem Gedächtnis.

Diese Art deckt sich mit aktueller Forschung (siehe z.B. Carol S. Dweck oder Daniel Levitin). Für mich ist es angenehm, da ich einer inneren Story folge und so einen roten Faden habe, der für mich natürlich ist. Oft ähnelt er der tatsächlichen Dramaturgie des Autors — aber das ist kein Muss.

Fünfter Schritt: Feinschliff der Zusammenfassung

Wenn der erste lückenhafte Entwurf steht, blättere ich nochmal das Kapitel durch und ergänze und korrigiere meine aus dem Gedächtnis heruntergeschriebene Zusammenfassung. So habe ich schonmal die wichtigsten Inhalte festgehalten. Wenn ich das digital mache, dann kann ich das direkt in einem beliebigen Notiztool archivieren. Außerdem haben sich die Inhalte durch die aktive Erinnerung schon gefestigt.

Diese Schritte gehe ich seit kurzem — und wenn möglich — bei jedem Buch durch. Da ich oft auf dem Fahrrad oder im Bus sitze und Hörbücher höre, klappt das leider nicht immer so gut. Habt ihr Tipps, wie ich Hörbücher besser zusammenfassen kann?

Und jetzt wird es spannend.

Durch Zufall habe ich einen sechsten Schritt entdeckt, der extrem wirkungsvoll ist.

Ab dem Frühjahr starte ich mit “Der Flâneur” ein neues Podcast-Projekt. Neben Interviews mit Praktikern und Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen möchte ich die Zuhörer/innen auch an meinen eigenen Wissenszuwächsen durch meinen Buchkonsum teilhaben lassen. Und so mache ich das:

Sechster Schritt: (Audio-)Recording der Zusammenfassung

Nehmt kapitelweise Zusammenfassungen auf. Wenn es umfangreiche Kapitel sind, könnt ihr auch in sich geschlossene Konzepte nehmen. Wichtig: Es sollte einen erzählerischen roten Faden geben. Stellt euch dazu vor, ihr würdet einem anderen erklären, wovon das Kapitel handelt und was die Haupterkenntnisse daraus sind.

Diese Dateien könnt ihr dann ebenfalls ins Notizbuch legen. So könnt ihr immer mal wieder reinhören. Durch einen weiteren Kanal (Audio) wird euer Wissen gefestigt, wenn ihr es euch anhört.

Statt für mich, mache ich den sechsten Schritt für die zukünftige Hörerschaft. Etwa sechs Wissenshappen möchte ich in eine Episode aufnehmen. Ich freue mich drauf.

Viel Spaß beim Ausprobieren der Tipps!


“Der Flâneur” ab 28.03.2016

Flanieren ist eine Philosophie: Ungezwungenes Durchstreifen verschiedener Themen und Disziplinen — stets bereit vom Zufall überrascht zu werden und Neues zu entdecken. Der neue Podcast von Bastian Wilkat „Der Flâneur“.


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