Komplexität — Quelle Flickr (cc) Nutzer: nevovivo

Was du über menschliche Interaktion wissen solltest

Absolute Kategorien wie Gut, Böse, Richtig und Falsch sind nicht real. Es sind lediglich mentale Konzepte, die wir auf Gegenstände, Personen oder Situationen projizieren.

Schon in früher Kindheit lernen wir, dass es gute und böse Menschen gibt. Die Filme und Geschichten unserer frühen Jahre sind meist Geschichten über Schurken, Helden und dem Kampf zwischen Gut und Böse. Durch diese Prägung entwickeln wir absolute und leider sehr oberflächliche Kategorien, die wir direkt auf Menschen, Gegenstände oder Situationen anwenden. Diese oberflächliche Betrachtung führt allerdings dazu, dass wir die Ursprünge und wahre Komplexität von zwischenmenschlichen Konflikten nicht durchdringen. Das hat zur Folge, dass wir nicht in der Lage sind, diese Konflikte strukturiert und nachhaltig aufzulösen.

Jeder handelt passend

Ein Mensch, eine Situation oder ein Gegenstand ist erst einmal nur genau das: ein Mensch, eine Situation oder ein Gegenstand. Unser Urteil bzw. unsere wertende Idee kommt erst hinzu, wenn wir uns selbst in die Gleichung hinzunehmen und so eine Beziehung zwischen zwei Parteien entsteht. Es reicht schon, als Betrachter in Beziehung zu einem anderen Menschen zu treten, um eine dieser Kategorien anwenden zu können.

Die folgende Betrachtungsweise finde ich viel hilfreicher und sinnvoller:

Jeder Mensch handelt genau passend, gegeben seinem aktuellen Wissensstand, seiner kulturellen Prägung und seinen Wertevorstellungen.

Die Folgen oberflächlicher und absoluter Wertungen

Ein Mensch, der schlecht oder böse ist, muss verändert oder gar entfernt werden. Dieses stark vereinfachte Denken ist zur Zeit das am meist verbreitete und hat uns in die Situation gebracht, in der wir heute stecken. (Ich nehme an, ihr wisst welche Situation ich meine…) Daraus ergeben sich in der Regel Konfliktstrategien, die zu keiner nachhaltigen Lösung führen.

Obeflächliche Interpretation

Eine komplexere Betrachtungsweise

Wenn wir aufhören, unsere Wertungen direkt auf Dinge, Situationen oder Personen, sondern auf die Relation zwischen uns und diesen Dingen anzuwenden, gewinnen wir eine viel differenziertere Perspektive für mögliche Lösungsansätze.

Komplexe Interpretation

Zwei Menschen, die gemäß ihrer „Konfiguration“ absolut passend handeln und in einer komplexen Interaktion stehen, bieten eine neutrale Betrachtungsweise aus der sich sinnvolle und nachhaltige Lösungsansätze entwickeln lassen.

Verstehe ich vollständig, welche Informationen den anderen zu seiner Entscheidung bewogen haben?
Wie kann ich meinen Wissensstand erweitern, um die Motivation des anderen Menschen zu verstehen?
Versteht die andere Seite meine Beweggründe und wie kann ich den anderen dazu motivieren, seinen Wissensstand zu erweitern?
Wie kann ich das Wertesystem der anderen Person ansprechen/adressieren, um einen bessere Kommunikation zu erreichen?

Mit der komplexen Sicht werden Urteile nicht mehr direkt über die Dinge oder Situationen gefällt. Es wird die Relation und ihre Auswirkung auf die beiden Seiten der Gleichung beurteilt.

Mehr davon?

Wer sich noch tiefer mit der Komplexität menschlicher Interaktion auseinandersetzen möchte, dem kann ich die Theorie Spiral Dynamics von Don Beck und Chris Cowan sehr ans Herz legen. Hier werden sehr detailliert die menschlichen Weltanschauungsebenen, Motivationen und Interaktionen untersucht. Spannendes Zeug!

Kleine Übung zum Schluss

Erinnert euch zurück an einen Konflikt in eurem Bekanntenkreis oder einen in den ihr selbst involviert wart und schaut euch die Konfigurationen der beiden Parteien an. Versucht, einen tieferen Einblick in die Situation zu bekommen. Haben die beiden Parteien “passend” gehandelt? Wie ist der Konflikt tatsächlich verlaufen? Fallen euch sinnvollere Lösungsmöglichkeiten für den Konflikt ein, wenn ihr eine komplexere Sicht auf den Konflikt gewonnen habt?


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