“Wie ist es eigentlich, so berühmt zu sein?”

VideoDays 2014 in Köln

Nach der Frage, wie wir auf den Namen “Y-Titty” gekommen sind, haben wir diese Frage wohl am häufigsten gehört:

“Wie ist es eigentlich, so berühmt zu sein?”

“Kann man noch unbemerkt auf die Straße? Wird man von kreischenden Fans überrannt? Nervt das nicht total?”


Wie waren die Ausmaße?

Der Vorteil, den wir als Y-Titty genossen haben, war, dass wir in Videos oft in Rollen agierten, fast unkenntlich, verfremdet. Außerdem war nicht jeder in jedem Video im Fokus. Es war oft der Fall, dass uns Leute nicht direkt erkannten, aber wenn “Y-Titty” oder der Name einer Parodie fiel, erinnerten sich die Menschen. Einen Vorteil, den natürlich nicht alle genießen.

Wenn wir zu “Stoßzeiten” [Anmerkung der Redaktion: Wenn besonders viele Jugendliche unterwegs sind] zu dritt im Stadtzentrum unterwegs waren oder vorher gar unseren Aufenthalt auf den Social Media Profilen gepostet haben, dann wurde man schon seeeehr oft erkannt. Dann gab es auch schnell Ärger vom Ordnungsamt, weil so eine Versammlung in der Öffentlichkeit unangemeldet nicht erlaubt ist.

Man wird im Restaurant am Tisch, auf der öffentlichen Toilette, im Supermarkt oder im Urlaub auf Bali, beim Einkauf einer neuen Waschmaschine, im Freizeitpark in Los Angeles oder von den Senioren-Nachbarn angesprochen und nach Fotos gefragt. Egal, wen man neu kennenlernt, jeder hat irgendwo schon einmal von Y-Titty gehört/gelesen und fragt, ob man damit reich wird, wie das als YouTuber so ist und will als “Beweis” für Freunde ein Selfie.

Auf Hochzeiten oder Festen in der Heimatstadt wird man von vielen Jugendlichen oder ihren Eltern, die mich noch aus der Zeit kennen, als ich noch jünger war, angesprochen. Manchmal fragen sie mich, was ich denn jetzt so mache und stellen ganz verwundert fest, dass die Zeit so schnell vergehe. Viele wollen Bilder oder Autogramme für ihre Kinder oder Verwandten, die “die allergrößten Fans” sind.

Von den eigenen Verwandten bekommt man auch immer wieder Nachrichten, dass Nichte X oder Kinder von Freunden der Verwandten mitbekommen haben, dass sie mich kennen und wollen über ein paar Ecken Autogramme. Für solche Fälle lässt man bei Elternbesuchen immer einen Stapel mit Autogrammen, signierten Büchern und CDs da. Wie ein richtiger Teenie-Star.

Angeblich waren wir sogar so bekannt wie die Bundeskanzlerin. Das ist schon ziemlich beeindruckend und nicht so einfach zu begreifen.

Quelle: http://www.ksta.de/koeln/internetwoche-koeln-y-titty-so-bekannt-wie-angela-merkel,15187530,24916956.html

Aber, ist das jetzt schlimm oder nicht?

Es gehört dazu.

Was ich über die Jahre gelernt habe, ist, dass es unvermeidbar ist (ausgenommen sind diejenigen YouTuber, die sich konsequent nicht zeigen). Anfangs war es auch für mich schwer und beengend. Vom Dorf in die Großstadt gezogen und dann wird man auch noch überall von fremden Menschen angesprochen und teilweise bis nach Hause verfolgt. Selbst beim Einkauf im Supermarkt hat man das Gefühl, beobachtet zu werden. Es dreht sich nur noch um YouTube und Abonnenten, man wird nur darauf reduziert. Man zieht sich zurück und hat einen extrem kleinen Kreis von wahren Freunden, der Rest sind nur “Bekannte” oder “Kollegen”. Man kann keinem vertrauen. Paranoia.

Aber was haben wir erwartet?

Als YouTuber ist man oft jung und überfordert. Man hat nicht genügend professionelle Unterstützung von Erfahrenen, die einem beibringen, damit umzugehen. Auch wenn es keine Universallösung gibt. Es ist nunmal überwältigend, wenn man innerhalb von kürzester Zeit von Abertausenden und Millionen Menschen gekannt, verfolgt, bejubelt wird. Als Außenstehender kann man das schwer bis kaum beurteilen oder gar nachempfinden. Freunde, die das mal live miterlebten, sagten dann meistens so etwas wie “Woah, ist ja echt krass!”, und hatten direkt mehr Respekt vor dem, was wir machten.

Dass man damit klarkommt und nicht abhebt, ist nicht einfach. Ich kann es eigentlich keinem übel nehmen, bei dem das dann doch der Fall ist. Nicht jeder hat das Glück, das perfekte Umfeld zu haben, das sich um dein Wohl sorgt und dir hilft, dich wohl zu fühlen. Das nicht davon profitiert, dass du immer an dein Maximum gehst, für Skandale sorgst; für das es schädlich wäre, wenn du einen Gang zurückschaltest. Wir waren immer ein gutes Team, haben uns gegenseitig in den Hintern getreten und dafür gesorgt, dass wir immer wissen, dass es sofort wieder vorbei sein kann, dass jeder Moment einzigartig ist.

Ich bin so dankbar für die Reisen, die ich antreten, für die Menschen, die ich kennenlernen und für die Orte, die ich sehen durfte. Ich bin dankbar, für die bereichernden Erfahrungen, die ich machen und die interessanten Gespräche, die ich führen konnte. Für all die Gelegenheiten, die sich leider nicht jedem einfach mal so bieten. Dass ich gesund bin. Und im Nachhinein dankbar dafür, dass wir dann doch nicht so bekannt waren wie ein Stefan Raab oder Til Schweiger, mit denen ich sicher nicht gern tauschen würde.

Aber vor allem bin ich dankbar für meine Familie und meine Engsten, die mich all die Jahre so sehr unterstützt haben. Ich bin so froh, dass ihr hinter mir steht, mehr kann ich mir für die Zukunft nicht wünschen.

Mehr brauch ich auch nicht.


Oguz Yilmaz. 1Pfund. Social Media & YouTube Beratung.

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