Landwirtschaft 4.0

Roboter-, Sensor- und Satellitentechnik — Hightech revolutioniert auch die deutsche Landwirtschaft. Dabei steht sie jetzt vor vielen offenen Fragen. Die Digitalisierung der Landwirtschaft verändert die komplette Wertschöpfungskette, Bauern müssen viel investieren.

Seit rund 25 Jahren begleiten wir schon die heimische Landwirtschaft, finanzieren Bodenkäufe, Ställe und Technik. Dabei sind wir mehr als nur ‘Banker’: Bei uns beraten auch Agraringenieure. Sie tauschen sich mit Landwirten, Politikern und Digitalisierungsexperten zu aktuellen Entwicklungen aus, um passende Finanzierungslösungen zu entwickeln. Gemeinsam wollen wir Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung finden.

Der Landwirt als Modernisierungstreiber

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht”, sagt der Volksmund. “Stimmt nicht”, belegt eine neue Studie, die der Digitalverband Bitkom im November auf dem DKB-Eliteforum Landwirtschaft vorgestellt hat. Die Bauern sehen die Digitalisierung positiv, sie nutzen digitale Technologien und treiben die Digitalisierung ihrer Höfe voran. Der Grund: Sie stehen unter hohem Druck, die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Betriebe zu steigern.

‘Landwirtschaft 4.0.’ bedeutet aber auch mehr Transparenz für den Verbraucher. Schon 2030 werden wir unsere Lebensmittel bis zum Erzeuger zurückverfolgen können — davon sind 87% der befragten Landwirte überzeugt. Direktes Feedback, Produktempfehlungen oder der Blick in den Stall per Webcam sind für viele Bauern realistische Zukunftsszenarien. Damit der digitalisierte Bauernhof Wirklichkeit wird, sind aber große Anstrengungen nötig: Die Netz-Infrastruktur muss im ländlichen Raum ausgebaut werden und Landwirte müssen verstärkt in digitale Landmaschinen und deren Vernetzung investieren.

Der vernetzte Bauernhof

Das digitale Betriebsmanagement von heute verknüpft gewaltige Datenmengen von Wetterdaten über den Pflanzenbestand bis zu exakten Boden- und Ertragsdaten und bezieht gleichzeitig Dienstleister und Zulieferer ein. Anhand der Daten wird zum Beispiel die Düngermenge berechnet und auf den Quadratmeter genau dosiert. Der Bauer hat alle wichtigen Informationen auf seinem Smartphone und kann seine Entscheidungen direkt auf dem Acker treffen.

Video: Digitalisierung in der Landwirtschaft

Datenschutz in der digitalen Landwirtschaft

Karl-Heinz Krudewig, 365FarmNet GmbH

Doch auch für den vernetzten Betrieb gilt: Gespeicherte Daten und Informationen müssen wirksam geschützt werden. „Datenschutz hat für die Akzeptanz digitaler Lösungen in der Branche eine enorme Bedeutung“ erklärt Karl-Heinz Krudewig von 365FarmNet. Er sprach auf dem DKB-Eliteforum zum Thema “Wo steht heute Farming 4.0?”.

Dort haben wir auch unseren Experten Albrecht Schünemann zur Digitalisierung der Landwirtschaft befragt. Er ist Agraringenieur im Fachbereich Landwirtschaft & Ernährung der DKB und kennt die Fragen unserer Kunden zum Thema Digitalisierung.

Albrecht Schünemann, Agraringenieur bei der DKB

Herr Schünemann, für den Laien klingt die Digitalisierung der Landwirtschaft eher wie ein Science Fiction-Szenario als vertraute Bauernhof-Idylle. Wie weit sind die Landwirte Ihrer Meinung nach?
Die automatische Datenerhebung durch Sensoren und Maschinen in der Tierhaltung und im Pflanzenanbau ist schon recht weit fortgeschritten. Allerdings schreckt einige Bauern der Umgang mit den riesigen ‘Datenbergen’ ab. Hier müssen die Daten noch besser verknüpft werden, damit sich praxistaugliche Handlungen einfacher ableiten lassen. Auch muss die Kommunikation zwischen den Systemen verschiedener Hersteller weiter verbessert werden.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt warnt vor einer „Vergoogelung“ der Landwirtschaft und betont, dass die Bauern “Herr ihrer Daten sind und bleiben”. Wie steht es um den Schutz der gespeicherten Daten?
Hier sind die Landwirte natürlich ebenfalls skeptisch und der Datenschutz ist extrem wichtig. Schon jetzt legen die Bauern teils sensible Betriebsinformationen staatlichen Kontrollstellen und privaten Zertifizierungsstellen gegenüber offen. Datenmanagement und -auswertung werden wohl aber nicht auf einer eigenen IT-Infrastruktur lösbar sein. Dazu sind die Betriebe zu klein, die notwendigen Rechenkapazitäten zu hoch. Insofern werden sie um die Anbindung an Rechenzentren von vertrauenswürdigen Partnern nicht vorbei kommen. 
 
Landwirte tun sich schwer, ihre enormen Leistungen auch nach außen darzustellen. Gibt es Initiativen, der Öffentlichkeit den Wandel in der Branche zu vermitteln? 
Bauern können durch gute Öffentlichkeitsarbeit viel bewirken. Sie sind oft sehr gut in ihrer Region vernetzt und engagieren sich in Vereinen oder in der Lokalpolitik. Allerdings lassen sich damit Städter nur begrenzt erreichen. Hier sind übergreifende Aktivitäten notwendig, um den Menschen die digitale, neue Wirklichkeit auf den Höfen zu vermitteln. Die deutsche Landwirtschaft kann selbstbewusst auf bisher Geleistetes zurücksehen und sollte optimistisch in die Zukunft blicken: Landwirte werden in Deutschland auch morgen und übermorgen gebraucht.

Informationen zu Finanzierungsangeboten für Landwirte finden Sie auf dkb.de

Interessante Reportage auf focus.de zur Digitalisierung in der Landwirtschaft: Der smarteste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln