Florian Pfleiderer
Feb 19 · 6 min read
Photo by The Climate Reality Project on Unsplash

Nachdem ich bereits einige Jahre als Consultant tätig bin, ist der regelmäßige Besuch von Konferenzen für mich ein ganz selbstverständlicher Bestandteil des Jobs geworden. Das Jahr hat zwar gerade erst begonnen, doch der erste Konferenzbesuch liegt schon hinter mir. Im Januar vertraten mein Kollege Frank und ich die Digital Frontiers mit einem Vortrag zum Thema API Evolution auf der OOP in München.

Die OOP gehört zu den größeren und bekannteren deutschen Konferenzen im Softwarebereich, ist aber nur eine von vielen Veranstaltungen, auf denen man uns treffen kann. Sowohl ich als auch meine Kollegen waren schon auf den verschiedensten Konferenzen und Meetups unterwegs - als Besucher, als Speaker und auch als (Mit-)Organisator.

Ein junger Kollege hat jedoch kürzlich die Frage gestellt, warum wir eigentlich auf Konferenzen gehen. Auf diese Frage gibt es jede Menge unterschiedlicher Antworten und ebensoviele verschiedene Möglichkeiten, von einem Besuch zu profitieren. Warum ich persönlich und wir als Firma denken, dass wir als Informatiker definitiv auf Konferenzen gehen sollten, möchte ich in diesem Artikel mit euch teilen.

Die ”richtige” Konferenz

Es gibt Leute, die pauschal sagen “Mir bringen Konferenzen nichts”. Ich bin jedoch der Meinung, es gibt für jeden eine Konferenz, die ihn weiterbringt. Bei der Auswahl sollte man bestimmte Faktoren berücksichtigen, denn die Spannbreite ist groß. Es gibt große und kleine Konferenzen, allgemeine und sehr spezifische, die sich auf einen kleinen Themenbereich fokussieren.

Die großen Konferenzen, wie z.B. OOP oder JAX bieten eine riesige Auswahl an Vorträgen, mit verschiedensten Tracks und eröffnen die Möglichkeit, in kurzer Zeit in eine große Spanne von Themen hineinzuschnuppern. Damit sind sie sehr gut geeignet um sich einen Überblick zu verschaffen, welche Themen gerade am Markt relevant sind, und um neue Impulse mitzunehmen, was man sich selbst genauer anschauen könnte. Vorträge auf solchen breit aufgestellten Konferenzen bieten allerdings selten die Möglichkeit, wirklich detailliert in ein Thema einzusteigen. Wer also Lust auf einen Deep Dive in neue Themen hat, könnte auf einer kleinen Konferenz wie z.B. den Voxxed Days, die immer wieder an unterschiedlichen Orten stattfinden, glücklicher werden. Und wer lieber selbst mitmacht statt nur zuzuhören, sollte einen Blick auf Workshop Tage werfen, wie viele Konferenzen sie mittlerweile anbieten.

Während sich auf den eben genannten Konferenzen Vorträge zu allen möglichen Technologien und Methodiken finden, gibt es natürlich auch sehr viel spezifischere Konferenzen zu bestimmten Sprachen, Frameworks oder Vorgehensweisen. Wer also genau weiß, dass er seine Kenntnisse im Bereich Frontend Development vertiefen möchte, mag auf den JavaScript Days besser aufgehoben sein. Und wer sich mehr für Methodik als für Technologien interessiert, findet zum Beispiel auf der Manage Agile alles zum Thema agile Organisation.

Ein weiterer Indikator, ob sich ein Konferenzbesuch lohnt, können die Keynote Speaker sein. Hier wollen natürlich alle Konferenzen gerne auftrumpfen und so bietet sich oft die Möglichkeit, den Autor eines Fachbuchs oder den Lead Developer eines bestimmten Frameworks live zu sehen und noch mal ein paar neue Gedanken mitzunehmen.

Diese Fülle an Auswahlmöglichkeiten ist riesig, und selbst wer mit diesen “klassischen” Formaten nicht warm wird, für den gibt es noch diverse Alternativen wie zum Beispiel Meetups oder Konferenzen ohne feste Agenda, die von allen Teilnehmern gemeinsam ad hoc gestaltet werden.

Wissen ist Macht

source: TeroVesalainen, via pixabay (CC0)

Da sich die IT rasend schnell entwickelt, ist die Halbwertszeit für unser Fachwissen leider relativ gering. Das Framework, das heute noch als der große Heilsbringer gefeiert wird, ist schon bald wieder Schnee von gestern und an seine Stelle sind drei andere gerückt.

Konferenzen sind in erster Linie genau das: Wissensvermittler. Seien es neue Methoden um altbekannte Probleme anzugehen, Ideen für neue Projekte, neue Frameworks oder vertieftes technologisches Know How.
Gerade für uns als Consultants ist es wichtig zu wissen, welche Themen gerade “in” sind um unseren Kunden gute Beratung bieten zu können. Ist eine neue Technologie schon reif für den produktiven Einsatz? Lohnt sich ein Wechsel? Ebenso versuchen wir für unsere etablierten Themen immer als Experten die Nase vorn zu haben. Getreu unserem Motto wir helfen unseren Kunden und haben Spaß dabei versuchen wir nicht nur immer einen Schritt voraus zu sein, sondern auch über den Tellerrand hinauszuschauen. Und genau hierfür bieten Konferenzen die perfekte Gelegenheit.

Immer ein interessantes Gespräch

Das Leben auf Konferenzen spielt sich jedoch nicht nur in den Vorträgen ab. Pausen und Abendveranstaltungen bieten eine gute Gelegenheit, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen.

Oft finden sich Leute, die sich für die selben Themen interessieren oder bereits mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten wie man selbst und guten Input liefern können. Direkte Gespräche können oft noch bessere Impulse und Denkanstöße liefern als die Vorträge.

Nach besonders interessanten Vorträgen bieten die Pausen auch die Möglichkeit, mit den Speakern ins Gespräch zu kommen um bestimmte Aspekte zu vertiefen. Das gleiche gilt für bekannte Gesichter aus der Community. Auf Konferenzen stehen die Chancen gut einem Buchautor oder Frameworkentwickler über den Weg zu laufen, mit dessen Arbeit man schon zu tun hatte.

Konsumieren vs. Produzieren

source: fill, via pixabay (CC0)

Schon als Besucher kann man von einer Konferenz viel mitnehmen, der Besuch als Speaker ist jedoch noch mal eine besondere Erfahrung. Für viele mag am Anfang Überwindung dazu gehören, einen Vortrag vor Publikum zu halten, letztlich ist es aber eine sehr dankbare Aufgabe. Für gewöhnlich ergeben sich immer spannende Diskussionen mit einem interessierten Publikum und oft finden sich interessante Kontakte, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen und selbst noch gute Anregungen oder Fragen mitbringen. Und man selbst lernt beim Vorbereiten eines Vortrags auch immer noch etwas dazu.

Möchte man gerne einen Vortrag halten, muss dieser im Rahmen des Call for Papers der entsprechenden Konferenz eingereicht werden. Für eine Einreichung ist es allerdings nicht nötig, schon den komplett fertigen Vortrag in petto zu haben. Für gewöhnlich wird nur ein wenige hundert Wörter langes Abstract gefordert, die meisten Ideen lassen sich leicht in dieses Format bringen. Diese Abstracts werden dann von einem Kommittee reviewt und die Besten Einreichungen schaffen es ins Konferenzprogramm. Oft gibt es sehr viele gute Einreichungen und meist ist nicht genug Platz für alle, daher sollte man sich von einer Absage nicht verunsichern lassen.
Erhält man jedoch eine Zusage, ist es an der Zeit sich um den eigentlichen Vortrag zu kümmern. Das Vorbereiten eines Vortrags ist eine gute Möglichkeit, das eigene Verständnis eines Themas noch weiter zu vertiefen und zu strukturieren. Und wer sich das alleine nicht sofort zutraut, der kann auch erst mal als Co-Speaker gemeinsam mit einem erfahreneren Kollegen einen Vortrag einreichen.

Als Firma sind wir natürlich besonders stolz auf die Vorträge, die unsere Kollegen bei Konferenzen präsentieren dürfen, denn darin spiegelt sich gleich auf mehrere Arten unsere Firmenphilosophie wieder: Wir zeigen potenziellen Kunden, dass wir über viel Wissen verfügen und dieses auch gerne weitergeben und potenziellen neuen Kollegen, dass wir uns mit spannenden Themen beschäftigen und diese auch gerne weiter vorantreiben. Und nicht zuletzt geben wir etwas an die Community zurück.

Geht zu Konferenzen, es lohnt sich!

Neben den vielfältigen Möglichkeiten, als Besucher oder Speaker von Konferenzen zu profitieren, gibt es natürlich noch viele andere Rollen, die allesamt spannende Aspekte mit sich bringen. Als Aussteller kann man eine große Menge an Fachgesprächen führen. Als Teil des Programmkommitees kriegt man eine große Fülle von Einreichungen zu sehen und kann die Richtung der Konferenz selbst mitgestalten, wie es zum Beispiel unser Kollege Joachim schon getan hat. Und wem das noch nicht reicht, der kann sich auch an der Organisation einer ganzen Konferenz beteiligen, so wie unser Kollege Rainer beim Java Forum Stuttgart.

Vielleicht sehen wir uns ja demnächst auf einer Konferenz, zum Beispiel beim Java Forum — Wir finden, es lohnt sich für jeden regelmäßig auf der ein oder anderen vorbeizuschauen.
Was sind eure Erfahrungen? Warum geht ihr gern auf Konferenzen und wie oft? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Digital Frontiers — Das Blog

Dies ist das Blog der Digital Frontiers GmbH & Co. KG (http://www.digitalfrontiers.de). Hier veröffentlichen wir zu Themen, die uns interessieren und bewegen.

Thanks to Frank Scheffler and Joachim Baumann

Florian Pfleiderer

Written by

Senior Consultant & Co-Founder @dxfrontiers

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