Offseason Offtopic: Die Oscars 2017

Markus Schnitzler
Feb 25, 2017 · 8 min read

Besondere Zeiten wie die NFL Offseason erfordern besondere Maßnahmen. Deshalb finden in der Serie Offseason Offtopic alle Themen ihren Platz, die nichts mit Football zu tun haben. Den Anfang machen die am Sonntag stattfindenen Academy Awards.

Die wichtigsten Filme

Zunächst erhaltet Ihr einen Überblick über die wichtigsten Filme des Abends. Diese sind nicht nur in der Königsklasse Best Picture für den besten Film nominiert, sondern auch für mindestens zwei weitere Kategorien. Die Beschreibungen enthalten keine Spoiler, die einem das Filmerlebnis durch das Lesen zerstören.

Arrival

Darum geht’s: In Arrival geht es um ein Thema, das die Menschheit immer wieder beschäftigt und bereits unzählige Male verfilmt wurde. Die Ankunft von Wesen, die von einem fremden Planeten stammen. Die Ankunft der Außerirdischen. Dabei greifen uns diese Wesen jedoch nicht wie in vielen anderen Filmen an sondern landen an verschiedenen Orten auf unserem Planeten und versuchen, mit uns zu kommunizieren. Diese Kommunikation steht auch im Mittelpunkt des Films. In der Hauptrolle stellt Amy Adams eine Sprachwissenschaftlerin dar, die herausfinden soll, welches Ziel die Außerirdischen verfolgen.

Warum man den Film sehen sollte: Arrival bietet keine Action und relativ wenig Drama — dafür wird man von der Grundidee in einen Bann gezogen, dem man sich kaum entziehen kann. Diese Grundidee ist äußerst gut durchdacht, macht extrem Neugierig und sorgt für knapp zwei Stunden durchgängige Spannung.

Das ist eher weniger gut: Die Besetzung ist okay, aber nicht Überragend. Amy Adams, bekannt als Lois Lan aus Man of Steel (Superman), und Jeremy Renner, Nachfolger von Matt Damon in der Bourne-Reihe, machen ihre Sache zwar gut, verleihen ihren Charakteren aber nicht das Gewisse etwas, das den Zuschauer noch mehr an den Film bindet.

Fences

Darum geht’s: Fences begleitet eine dunkelhäutige Familie, die wenige Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs in Pittsburgh lebt. Der Film erzählt ausschließlich die Geschichte von Müllmann Troy (Denzel Washington) und seine Frau Rose (Viola Davis), die den harten Alltag einer Familie an der Armutsgrenze durchleben und viele Höhen und Tiefen durchmachen. Dabei zeigt Fences hervorragend das nunmehr veraltete Familienbild des starken, wichtigen Mannes und der von ihrem Mann abhängigen Ehefrau sowie die Probleme, die dadurch entstehen.

Warum man den Film sehen sollte: Fences nimmt einen mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt und packt diese in eine Zeit, die längst vergessen scheint. Die Dialoge sind großartig und auch schauspielerisch bewegen sich Viola Davis und Denzel Washington auf allerhöchstem Niveau.

Das ist eher weniger gut: Fences basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück und das fühlt man als Zuschauer auch. Letztendlich dreht sich alles größtenteils um eine Kulisse, obwohl das Pittsburgh der frühen 50er Jahre so Neugierig macht.


Hacksaw Ridge

Darum geht’s: Hacksaw Ridge dreht sich um das Leben von Desmond Doss, verkörpert von Spiderman Andrew Garfield, der im ländlichen Virginia der 40er Jahre sehr gläubig aufwächst. Obwohl ihn die Armee aufgrund seines strengen Glaubens vom Kriegsdienst freistellt, meldet sich Doss freiwillig. Dabei lebt er jedoch streng nach dem Gebot “Du sollst nicht töten”, weshalb er sich weigert, eine Waffe zu tragen. Gegen alle Widrigkeiten kämpft sich Doss durch seine Kriegsausbildung und zieht als heldenhafter Sanitäter für sein Land in den Krieg, wo er in einem schlimmen Gefächt in Japan eingesetzt wird.

Warum man den Film sehen sollte: Nunja… Das Kriegsgeschehen während einer Schlacht in Japan wird mit all seinen negativen Seiten realistisch dargestellt.

Das ist eher weniger gut: Hacksaw Ridge zeigt in der ersten halben Stunde eine Liebesgeschichte, die keinerlei Auswirkung auf die eigentliche Geschichte hat und auch sonst will keine Spannung aufkommen. Die Szenen auf dem Schlachtfeld sind, typisch für Regisseur Mel Gibson, extrem drastisch dargestellt und machen einem das Hinsehen teilweise äußerst schwer.


Hell or High Water

Darum geht’s: In Hell or High Water stehen zwei Bankräuber im Mittelpunkt. Die Brüder Tanner (Ben Foster) und Toby (Chris Pine) überfallen in einer ländlichen Region des US-Bundestaates Texas mehrere Filialen einer Bank, die das Land ihrer Familie pfänden will. Nach dem Raub in eher kleinen, unscheinbaren Filialen nehmen die beiden im Verlauf immer größere Geschäfte ins Visier und werden immer unvorsichtiger. Dabei werden sie von den Sherrifs Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und Alberto Parker (Gil Birmingham) verfolgt. Vor allem Hamilton ist der Fall äußerst wichtig, denn es könnte sein letzter vor seiner bevorstehenden Pensionierung sein, vor der sich Hamilton fürchtet.

Warum man den Film sehen sollte: Hell or High Water lebt durch das Western-Setting von seiner Atmosphäre — und die ist herausragend. Die Hauptcharaktere verfügen alle über außerordentliches Charisma und auch die Geschichte an sich bleibt bis zum Schluss spannend. Die Besetzung hält, was sie verspricht, sodass man ohne Abstriche von herausragenden schauspielerischen Leistungen sprechen kann.

Das ist eher weniger gut: Etwas mehr Rahmengeschichte und Hintergründe zu den Charakteren hätte nicht geschadet, fehlt aber auch nicht unbedingt.


Hidden Figures

Darum geht’s: Hidden Figures zeigt die Geschichte von drei dunkelhäutigen Frauen, die in den frühen 60er Jahren für die NASA komplexe mathematische Berechnungen durchführen. Dabei werden Katherine (Taraji P. Henson), Dorothy (Octivia Spencer) und Mary (Janelle) auf ihrem ambitionierten Weg immer wieder von Rassismus und abfälligem Verhalten gegenüber Frauen Steine in den Weg gelegt. Dennoch wollen die Drei alles dafür tun, der NASA beim wichtigsten Projekt ihrer Geschichte zu helfen: Einen Menschen ins All zu schicken.

Warum man den Film sehen sollte: Hidden Figures begleitet den Traum vom Weltraum aus einer eigenen, sehr interessanten Perspektive. Die Besetzung ist dabei auch neben den Hauptdarstellerinnen mit Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons und Mahershala Ali absolut herausragend.

Das ist eher weniger gut: Obwohl Hidden Figures wahre Sachverhalte größtenteils akkurat darstellt, driftet der Film hin und wieder ins Absurde ab.


La La Land

Darum geht’s: Im Musical-Film La La Land trifft die ambitionierte, aber erfolglose, Nachwuchsschauspielerin Mia (Emma Stone) auf den ambitionierten aber erfolglosen Jazz-Musiker, Sebastian (Ryan Goesling). Obwohl beide beim ersten Treffen nicht sonderlich überzeugt von ihrem Gegenüber sind, entwickelt sich nach kurzer Zeit eine überragende Chemie. Dabei profitieren beide voneinander, während jeder für sich seine Träume verfolgt und einfach nicht aufgeben will. Regisseur Damien Chazelle orientiert sich dabei an den Filmen aus dem goldenen Zeitalter Hollywoods.

Warum man den Film sehen sollte: Zum einen ist La La Land in einer Zeit, in der alles überpolitisiert wird, eine gelungene Abwechslung und eine Reise in eine deutlich einfachere Welt. Zum anderen liefert der Film eine Botschaft, die in der heutigen Zeit deutlich zu kurz kommt: Verfolge deine Träume — auch wenn es hin und wieder schwierig ist. Zudem ist Mia, verkörpert von Emma Stone, einer der sympathischsten Charaktere der jüngeren Filmgeschichte. Auch die Musical-Parts und die dafür verwendeten Songs sind schlichtweg herausragend.

Das ist eher weniger gut: Wenn man La La Land in irgendeiner Form kritisieren möchte, dann im Sinne der Originalität. Wirklich originell ist sie nicht, die Liebesgeschichte zweier Künstler ohne Erfolge.


Lion

Darum geht’s: Der 5-jährige Saroo (Sunny Pawar) begleitet seinen großen Bruder Guddu in einer armen Gegend Indiens nachts zu einem Bahnhof, in dem Guddu nach Arbeit sucht, um seiner Familie beim Überleben zu helfen. Während Saroo am Bahnhof auf die Rückkehr seines Bruders wartet steigt er in einen Zug und schläft ein. Als er wieder aufwacht hat sich der ansonsten leere Zug in Bewegung gesetzt und Saroo hat auch keine Möglichkeit, diesen zu verlassen. Erst 1500 Meilen später wird Saroo in der Großstadt Kalkutta aus dem Zug befreit. Da er seinen genauen Wohnort nicht nennen kann, wird er einige Zeit später zur Adoption freigegeben und von einem australischen Ehepaar aufgenommen. 25 Jahre später macht sich Saroo (Dev Patel) auf die Suche nach seinen Wurzeln.

Darum sollte man den Film sehen: Lion entführt den Zuschauer in völlig fremde, aber faszinierende Welten: Eine arme Stadt in Indien, in die Großsstadt Kalkutta und ins große weit Australien. Die Bilder sind durchweg großartig. Dev Patel, bekannt aus Slumdog Millionair, ist die Rolle des suchenden Saroo wie auf den Leib geschrieben. Auch der weitere Cast um David Wenham, Nicole Kidman und Rooynes Mara ist stark.,

Das ist eher weniger gut: Während Saroo nach seinen Eltern sucht, will nicht wirklich Spannung aufkommen. Insgesamt wirkt der Film zu langgezogen.


Manchester by the Sea

Darum geht’s: Der Hausmeister Lee Chandler (Casey Afflec) aus Boston erhält den Anruf, den er seit Jahren fürchtet: Sein Bruder Joe (Kyle Chandler) ist nach einer langen Herzkrankheit verstorben. Lee fährt sofort in seinen ländlichen Heimatort Manchester by the Sea, um sich um alles nötige zu kümmern. Dabei erfährt er, dass er das Sorgerecht für dessen 16-jährigen Sohn Patrick (Lucas Hedges) erhält. Während Lee von seiner Vergangenheit eingeholt wird und Patrick mit nach Boston nehmen möchte, will Patrick in Manchester by the Sea bleiben.

Darum sollte man den Film sehen: Manchester by the Sea ist einer der emotionalsten Filme der letzten Jahre. Während an einigen Stellen der dunkle Humor für großartige Lacher sorgt, gibt es auch Szenen, die zu Tränen rühren. Zudem liefert Casey Affleck sein Meisterwerk ab.

Das ist eher weniger gut: Wer große Spannung erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Der Film erzählt einfach nur seine Geschichte und kommt dabei ohne Spannungsbogen aus.


Moonlight

Darum geht’s: Moonlight begleitet den dunkelhäutigen Jungen Chiron vom Vorschulalter bis in seine frühen 20er. Chiron wächst ohne Vater in einer harten Nachbarschaft von Miami auf. Mit einer drogensüchtigen Mutter verbringt er viel Zeit auf der Straße und findet Zuflucht beim Drogendealer Juan, während er sich vor anderen Kindern versteckt. Chiron wird gemobbt und verprügelt, bis er im High-School-Alter verhaftet wird.

Darum sollte man den Film sehen: Chiron ist ein sympathischer Charakter, der aufgrund äußerer Umstände ein schweres Leben vor sich hat und auf die schiefe Bahn gerät. Man fühlt bei jedem seiner Probleme und seiner Fehler mit. Die Atmosphäre in einem Slum von Miami ist sehr dicht.

Das ist eher weniger gut: Die Zeitsprünge (Vorschule -> High School -> Frühe 20er) lassen viel offen. Eine Erklärung, wie es Chiron dazwischen ergangen ist, kommt zu kurz.


Die wichtigsten Kategorien und die Favoriten

Bester Film

Das Rennen um den besten Film ist traditionell gerne für eine Überraschung gut, was im Vorjahr beim Sieg von Spotlight deutlich wurde. In diesem Jahr gilt La La Land als großer Favorit, während Moonlight gute Außenseiter-Chancen zugesprochen werden. Hier die nominierten mit meinem persönlichen Ranking:

  1. La La Land
  2. Arrival
  3. Manchester by the Sea
  4. Hell or High Water
  5. Fences
  6. Moonlight
  7. Hidden Figures
  8. Lion
  9. Hacksaw Ridge

Von den nominierten Filmen liefert La La Land nicht nur das beste Kinoerlebnis, sondern erfüllt alle Kriterien für einen herausragenden Film: Eine tolle Geschichte, herausragende Bilder, großartige Musik und viele Emotionen.


Bester Hauptdarsteller

Wer folgt auf Leonardo DiCaprio? Anders als beim besten Film zeichnet sich kein deutlicher Favorit ab. Glaubt man den Experten, läuft alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Casey Affleck und Denzel Washington hinaus. Ryan Gosling gilt als aussichtsreiche Außenseiter. Mein Ranking:

  1. Casey Affleck (Manchester by the Sea)
  2. Ryan Gosling (La La Land)
  3. Denzel Washington (Fences)
  4. Andrew Garfield (Hacksaw Ridge)
  5. Viggo Mortensen (Captain Fantastic)

Beste Hauptdarstellerin

In der Kategorie der besten Hauptdarstellerin ist mit La La Land nur ein Film vertreten, der auch als bester Film nominiert ist. Emma Stone gilt zwar als Favoritin, doch auch Natalie Portman und Isabelle Huppert werden gute Chancen eingeräumt. Eine große Überraschung wäre die Auszeichnung von Hollywood Legende Meryl Streep. Mein Ranking:

  1. Emma Stone (La La Land)
  2. Isabelle Huppert (Elle)
  3. Natalie Portman (Jackie)
  4. Ruth Negga (Loving)
  5. Meryl Streep (Florence Foster Jenkins)

Bester Nebendarsteller

Die Kategorie des besten Nebendarstellers macht etwas stutzig. So erhielt Dev Patel seine Nominierung in dieser Kategorie, obwohl sich die Geschichte in Lion fast ausschließlich um seinen Charakter dreht. Als Favorit wird jedoch Mahershala Ali gehandelt. Mein Ranking:

  1. Jeff Bridges (Hell or High Water)
  2. Lucas Hedges (Manchester by the Sea)
  3. Mahershela Ali (Moonlight)
  4. Michael Shannon (Nocturnal Animals)
  5. Dev Patel (Lion)

Beste Nebendarstellerin

Glaubt man den Buchmachern ist der Oscar für die beste Nebendarstellerin bereits vergeben. Setzt man für die Verleihung am Sonntag 1 EUR auf Viola Davis erhält man im Falle eines Sieges gerade einmal 1,02 EUR zurück. Eine klare Angelegenheit. Mein Ranking:

  1. Viola Davis (Fences)
  2. Naomie Harris (Moonlight)
  3. Michelle Williams (Manchester by the Sea)
  4. Nicole Kidman (Lion)
  5. Octavia Spencer (Hidden Figures)

Die Oscars im TV

Die Oscars werden auch in diesem Jahr von ProSieben übertragen. Ab 23:20 Uhr beginnt die Countdown Show. Die eigentliche Preisverleihung beginnt um 02:30 Uhr deutscher Zeit.

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