Meinung: Kein Kinder-/Familiengeld für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen

Bild: Flickr — ZaldyImg (cc)

Der australische Premierminister Tony Abbott möchte 2016 eine Regelung durchsetzen, dass Eltern, welche ihre Kinder nicht impfen lassen, das Anrecht auf Kinder- und Familiengeld gestrichen wird. Anlass zu dieser Maßnahme ist die zunehmende Verbreitung von Keuchhusten und der Tod eines Kleinkindes an der Krankheit. Da die Impfung eines Babies nicht hundertprozentig wirkungsvoll ist, müssen sich die Personen, die mit dem Kind in Kontakt stehen, sich impfen lassen, um den Erreger nicht auf jenes zu übertragen.

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Infektionswellen mit Krankheiten, gegen welche es funktionierende und sichere Impfstoffe gibt. Aktuell grassiert eine Masernwelle in Berlin. Ein Kind ist bereits anden Spätfolgen der Infektion gestorben. Und wenn die Welle weiter anhält, wird es leider nicht das letzte Opfer gewesen sein.

Was steckt eigentlich hinter der Angst von Impfgegnern? Ist es wirklich so schlimm sich und seinen Nachwuchsnicht impfen zu lassen? Ist es nicht ein Grundrecht, selbst über seine Gesundheit und angewendete Medikamente und Verfahren zu entscheiden? — Meiner Meinung nach hat die australische Regierung vollkommen Recht. Ich finde gar, andere Länder könnten sich hiervon eine Scheibe abschneiden.

“Was ich mit meinem Körper und meinen Kindern tue, ist meine Entscheidung!” “Die Krankheit zu durchleben und auf dieser Art und Weise immunisiert zu werden ist gesünder/besser.” — Typische Aussagen in Gesprächen, Kommentaren und Foren zum Thema Impfung von Impfgegnern.

Die sogenannte “Anti-Vaxxer” (anti-Impfung) — Bewegung wächst nicht nur in Amerika, sondern auch hierzulande unaufhörlich. Eines der Hauptargumente gegen Impfungen ist die Behauptung, dass diese Autismus verursachen würden. Begründet wird dies auf einer Arbeit des ehemaligen britischen Arztes Andrew Wakefield, von 1998, der eine Verbindung zwischen der Mums-Masern-Röteln Impfung und dem Auftreten von Autismus postulierte. Die Studie wurde später zurückgezogen, da sich viele Ko-Authoren von den Schlussfolgerungen distanzierten und diverse Arbeiten die Studie widerlegten. 2010 wurde Wakefield seine Zulassung als Arzt entzogen, weil er während der Studie invasive Methoden an den untersuchten Kindern vornahm, ohne dass eine Notwendigkeit dafür bestand.

Das oben genannte Argument, es sei gesünder eine Krankheit selbst zu durchleben, als sich impfen zu lassen, ist schlichtweg falsch. Eine Impfung verursacht die gleichen Immunreaktionen wie eine “echte” Infektion — nur eben in kontrolliertem Maßstab. Entweder wird ein abgetöteter / abgeschwächter Erreger, oder einzelne Bestandteile des Pathogens verabreicht. Das Immunsystem nimmt den Fremdkörper wahr und bildet Antikörper und Gedächtniszellen dagegen. Diese Zellen sind in der Lage, den Erreger sofort wieder zu erkennen, infiziert sich die geimpfte Person damit. Man könnte sagen, durch die Impfung bekommt unser Immunsystem ein Steckbrief des Erregers. Somit gibt es für unsere Abwehmechanismen keinen Unterschied, ob wir mit dem freilebenden Erreger infiziert werden oder geimpft werden. Der Vorteil für uns ist, dass wir wenn überhaupt, nur schwache Infektionssymptome zeigen und nicht ansteckend sind. Außerdem gibt eine Impfung unserem Immunsystem genügend Zeit, die gebrauchten Zellen zu bilden (was unter Umständen bis zu zwei Wochen dauern kann). Ein Virus würde uns freiwillig niemals so viel Zeit geben, uns auf ihn einzustellen.

Wieso ich nun für die Idee von Abbott bin? Weil es genügend Menschen gibt, die sich nicht impfen lassen können. Menschen mit angebohrener Immunschwäche, Transplantationspatienten oder HIV-possitive Menschen. Sie sind darauf angewiesen, dass es zu einer sogenannten Herdenimmunität kommt. Sind alle Menschen um eine solche Person geimpft, kann der Erreger sie nicht erreichen. Somit ist es sehr wohl nicht nur die Sache eines jeden selbst sich impfen zu lassen, sondern ein Dienst an der Allgemeinheit.

Man könnte es vergleichen mit dem Virus, der Gebärmutterhalskrebs verursacht: Humane Papilloma-Viren (HPV). Männer erkranken bei Kontakt mit HPV nicht, werden aber von dem Virus genutzt, um von einer Frau auf die Nächste übertragen zu werden. Würden sich Männer gegen HPV impfen lassen, würden auch Frauen, die die Impfung nicht bekommen können, geschützt sein.

Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Auch aus Liebe zu seinen Kindern. Eine Maserninfektion wie sie sich in Berlin ereignet, wäre bei flächendeckender Impfung nie ausgebrochen — und die Opfer müssten im Zweifelsfall nicht den Rest ihres Lebens mit den Spätfolgen leben, beziehungsweise könnten sie noch leben.


Originally published at everyonesscience.de on April 13, 2015.