Die Goldgräberstimmung lässt auf sich warten

OECD-Studie: Gerade im Gesundheitswesen kann noch viel Datengold gefunden werden

Digital Health ist nicht nur auf lokaler Ebene, sondern auch auf internationaler Ebene ein großes Thema. Schaut man genauer hin, wird deutlich, dass es häufig erstmal darum geht, bereits vorhandene Informationen nutzbar zu machen, Erkenntnisse daraus zu ziehen — die Etablierung neuer Ansätze wie etwa Telemedizin ist somit gar nicht immer die aktuelle große Herausforderung. Das stellt auch die OECD in einer aktuellen Studie (1) fest, in der sie sich in einem Kapitel explizit dieses Themas angenommen hat.

Viele Daten, wenig Informationen

Ein großer Kritikpunkt der Autoren besteht darin, dass viel zu viele Gesundheitsinformationen ungenutzt bleiben, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Nimmt man etwa Gesundheits-Apps, so verzeichnen diese seit etlichen Jahren ein stetiges Wachstum. Deren Nutzer erstellen digitale Phänotypen, die jedoch nicht der Allgemeinheit, sondern nur den App-Anbietern zu Gute kommen. Obwohl diese Daten Aufschluss über diverse Aspekte liefern könnten, man denke nur an den BMI in bestimmten Regionen, die Größenentwicklung in einzelnen Ländern oder Ernährungsgewohnheiten unterschiedlicher Altersgruppen. Diese Informationen werden zwar auch in großangelegten Studien gesammelt, aber streng genommen könnten die dafür notwendigen Gelder gespart beziehungsweise in andere Projekte investiert werden, da die Informationen längst vorliegen.

Zu wenig Nutzen ziehen nach Meinung der Autoren auch Krankenhäuser aus vorhandenen Informationen. Konkret werden hier die Informationen genannt, die in Freitext-Feldern festgehalten werden. Denn diese können nicht systematisiert und damit genutzt werden. Um hier Mehrwert zu generieren, müssten die Daten noch nicht einmal die Krankenhaus-Systeme verlassen. Vielmehr ist hier das Management in enger Abstimmung mit der IT gefragt. Es wäre beispielsweise denkbar, im Rahmen einer Master- oder Doktorarbeit die Informationen der Freitextfelder von Patienten bestimmter Diagnosen zu analysieren. Auf Basis dieser historischen Informationen kann die Eingabemaske entsprechend überarbeitet und um sinnvolle Felder ergänzt werden, so dass Analysen möglich sind, auf deren Basis Abläufe optimiert und Kosten reduziert werden.

Die Autoren kommen außerdem zu dem Schluss, dass in Krankenhäusern viel Geld verschwendet wird oder gar Fehler gemacht werden, weil die richtige Information der richtigen Person nicht zur richtigen Zeit zur Verfügung steht. Das gilt für das medizinische Personal ebenso wie für die Verwaltungsangestellten. Der Primärnutzen der vorhandenen Daten muss demnach optimiert werden, um passende, zeitlich abgestimmte und koordinierte Entscheidungen treffen zu können.

Weltweiter Datenaustausch

Die Studienautoren denken aber noch einen Schritt weiter: Nachdem innerhalb einer Umgebung ,etwa eines Krankenhauses, Datensilos aufgelöst und unterschiedliche Systeme in der Lage sind miteinander zu kommunizieren, fordern sie dies auch landes- und weltweit. Denn erst dann kann das gesamte schlummernde Datenpotenzial erfolgreich ausgeschöpft werden. Die Autoren geben jedoch zu, dass hier noch ein langer Weg vor uns liegt, denn zunächst müssten sich die Regierungen weltweit auf bestimmte Formate, Technologien und Standards einigen — Datenschutz ist nur ein Aspekt. Die Autoren formulieren es drastisch: Trotz des Einsatzes von Computern werden immer noch so viele Informationen auf Papier festgehalten oder sind nicht zugänglich, wie etwa über die Freitextfelder, dass sich das weltweite Gesundheitssystem ihrer Meinung nach immer noch auf dem Stand von den 1950er Jahren befindet.

Teure Digitalisierung, viel teurerer Status quo

Bereits Ende der 1990er Jahre haben Studien gezeigt, dass die Kosten für neue Technologien weit geringer sind als die Kosten zur Aufrechterhaltung des Status quo. Dabei schlägt bei der Digitalisierung vor allem die organisatorische Umstrukturierung zu Buche und weniger die Kosten für die neue Technologie.

1 Chapter 6: Digital technology: Making better use of health data, in: New Health Technology: Managing Access, Value and Sustainability, OECD 2017


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