Ursula von der Leyen will Kasernen umbenennen

Rommel- oder Hindenburgkaserne: Viele Bundeswehrstandorte tragen traditionell die Namen historischer Persönlichkeiten aus den beiden Weltkriegen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen will das nun ändern und Kasernen umbenennen.


Nach der Entfernung eines Fotos von Helmut Schmidt in Wehrmachtuniform an der Universität der Bundeswehr in Hamburg wird die Kritik an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) immer lauter.

„Ich halte das Vorgehen für absurd und abwegig -als hätte Schmidt irgendetwas mit rechtsradikalen Tendenzen zu tun. Da würde ich eigentlich geistige Trennschärfe erwarten, ich kann nicht verstehen, wie man der gesamten Bundeswehr ein solches Misstrauensvotum aussprechen kann, anstatt sich vor die Truppe zu stellen. Es stehen alle unter Generalverdacht, nur die Ministerin mal wieder nicht.“

sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, Mitglied im Kuratorium der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte dazu:

„Die Truppe ist durch die von der Ministerin geprägte Misstrauenskultur tief verunsichert. Jetzt kommt es insbesondere darauf an, zu verhindern, dass aus der Vertrauenskrise der Soldaten gegenüber ihrer politischen Führung nicht eine grundsätzliche Vertrauenskrise auch gegen ihre militärische Führung wird. Das wäre fatal!“

Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, fordert neue Kasernen-Namen: „Es ist überfällig, auch die letzten nach Wehrmachtsoffizieren benannten Kasernen umzubenennen. Offiziere wie Schulz, Marseille und Lent haben in Hitlers Krieg gekämpft und wurden von der NS-Propaganda vereinnahmt.“ Die Stützpunkte sollten lieber nach Soldaten benannt werden, die im Widerstand waren: „An diese Menschen, die für die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit eintraten, kann gar nicht oft genug erinnert werden.“

Ein Ausnahme will Tuchel allerdings bei Generalfeldmarschall Erwin Rommel machen, der Namenspatron der Standorte in Augustdorf und Dornstadt ist.

Rommel sei als „Wüstenfuchs“ zwar Objekt nationalsozialistischer Propaganda gewesen, doch seine „Betrachtungen zur Lage“ vom 15. Juli 1944 markierten einen klaren Bruch mit Hitler und hätten ihn zum Selbstmord gezwungen.

Tuchel: „Insofern kann die Erinnerung an Rommel zum Nachdenken über die Grenzen von Befehl und Gehorsam anregen.“

Der Historiker Michael Wolffsohn und Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, bewerten das Thema unterschiedlich. Während Wolffsohn sich dafür ausspricht, das Foto von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform hängen zu lassen, plädiert Krüger für die Entfernung des Bildes. Wolffsohn begründet seine Haltung mit den Kriegserlebnissen von Schmidt: „Die Selbstdarstellungen seiner Kriegserlebnisse sind zumindest widersprüchlich.“ Schmidts Biografie und das Dienen in Hitlers Armee sei „Teil der Weltkriegstragödie“.

Laut Krüger sind Schmidts Verdienste unbestritten, aber seine Funktion in der Wehrmacht als Offizier hält er nicht für ein Verdienst, das er sich erworben habe. Aus dem Traditionserlass der Bundeswehr, wonach ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich keine Tradition begründen dürfe, könne der berechtigte Schluss gezogen werden, „dass eine Fotografie des Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt in seiner Uniform nicht zu den Herzstücken der Traditionspflege der Bundeswehr gehört.“ Krüger zufolge muss man auch bedenken: „Allein mit Symbolakten, wie dem Abhängen von Wehrmachtsfotos, ist noch nie ein gesellschaftliches Problem gelöst worden.“

Noch im Juli 2014 verwies die Bundesregierung in einer Antwort einer kleinen Anfrage der Linksfraktion ausdrücklich auf den seit dem Jahr 1982 geltenden Traditionserlass, der beschreibt, wie die Bundeswehr mit ihren historischen Ursprüngen umgehen soll. Da war von der Leyen bereits im Amt. Ihre jetzige Volte wäre demnach eine 180-Grad-Wende. Traditionsbewusstsein kann nicht “von oben” verordnet werden, hieß es damals. Die Bundesregierung hat deshalb “die Umbenennung aller Kasernen mit Namensgebern aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg stets abgelehnt.”

“Die Probleme mit dem ganz offiziellen Anknüpfen an Wehrmachtstraditionen liegen weitgehend hinter der Bundeswehr. Heute gehe es allenfalls um die Beseitigung “von Devotionalienresten”. Viele Soldaten sind zudem unglücklich über die Verteidigungsministerin wegen ihrer als unverhältnismäßig empfundenen Kritik an der Bundeswehr. Verärgert seien manche Soldaten auch über ihre Vorgesetzten, die der Ministerin nicht widersprochen hätten”.

sagte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD). Olaf Scholz (SPD) erklärte am Sonntag via Twitter:

„Bei allem Verständnis für eine kritische Überprüfung der Vorgänge in der Bundeswehr, scheint man hier über das Ziel hinausgeschossen zu sein.“
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