Hinamatsuri

3. März — Mädchentag in Japan

Freitag 3. März, 8 Uhr, an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama, wo ich zur Zeit im Kindergarten arbeite: Hier stehen sie nun alle, die Kindergartenmädchen in ihren wunderschönen Kimono oder Yukata, sichtlich aufgeregt und freudig, denn heute ist Hinamatsuri (雛祭り — ひなまつり), auf Deutsch Mädchentag oder Puppentag genannt.

Jedes Jahr am 3. März wird das Mädchenfest gefeiert, an welchem um Glück und Segen für die (unverheirateten) Mädchen gebeten wird. Zur Tradition gehört, dass in den Familien mit Mädchen einige Woche zuvor ein Altar mit den Puppen aufgestellt wird. Auch Opfergaben gehören dazu. Wohlhabende Familien oder grössere Institutionen errichten als Altar eine grosse Treppe mit rotem Filzteppich darauf. Auf der obersten Treppenstufe thronen der Kaiser (Odairisama = 織内裏様 = おだいりさま) und die Kaiserin (Ohinasama = 織雛様 = おひなさま) in traditioneller Kleidung aus der Heian Zeit (794–1192). Die Stehleuchten (Bonbori = 雪洞= ぼんぼり) mit den Laternen aus meist frühlingshaftem Kirschblütenpapier umrahmen das Kaiserehepaar. Unter dem Kaiserehepaar sitzen drei Hofdamen, welche Sake-Gefässe halten. Auf den Tabletttischen zwischen den Puppen werden Süssigkeiten als Opfergabe gelegt. Unterhalb der Hofdamen sind fünf Musikanten, welche unterschiedliche traditionelle Instrumente spielen. Auf der nächste Treppenstufe steht ein junger und ein älterer Gefolgsoffizier des Kaiserpalasts, welche mit einem Bogen und Pfeilen ausgerüstet sind. Die untersten Figuren stellen drei Torwachen dar. Sobald ein Mädchen respektive eine junge Frau heiratet, werden die Puppen in einem Tempel oder Schrein verbrannt.

Vor der grossen Altartreppe im Kindergarten haben die Kinder das traditionelle Hinamatsuri-Lied Ureshii Hinamatsuri (うれしいひなまつり) gesungen, in welchem von den Puppen und deren Funktion die Rede ist. Dann assen alle vom traditionellen Puffreis (arare = あられ), welcher Gesundheit symbolisiert.

Für das spezielle Fest bot die Schwiegermutter eines Arbeitskollegen mir an, mich mit einem ihrer vielen Kimono zu bekleiden. Ganze 40 Minuten dauerte die Prozedur des Anziehens dieses wunderschönen Kleidungsstück, wobei jeder Handgriff der Japanerin präzise sass. Auch die Knaben und Erzieher des Kindergartens machten sich fein für diesen Tag. Manche kamen mit Krawatte, Schlips oder sogar im Anzug. Wir mussten alle schmunzeln als ein kleiner Kindergartenknabe einen Erzieher im schwarzen Herrenanzug längere Zeit anschaute und verwundert fragte: Gehst du heute arbeiten?