Silvester. Die Nacht der Nächte. Die Party des Jahrhunderts. Die des Jahrtausends. Die des Jahres. Oder so ähnlich.
Leistungsdruck
Ihr kennt das ja. Das muss total toll werden! Was wäre das schlimm, wenn man nichts macht von diesem einen Tag auf den anderen! Ach du meine Güte!
Also müssen Pläne geschmiedet werden. Im März kommen die ersten Anfragen. Wo geht man hin? Wer feiert am geilsten? Wo ist am meisten los? Wer hat die dicksten, geilsten und größten Böller, die so richtig gut weh tun wenn sie in der Hand oder am Ohr explodieren?
OK, ich übertreibe natürlich ein wenig. Aber so oder so ähnlich läuft es ab und an schon mal ab. Schließlich geht es ja darum, ins neue Jahr umzuziehen. Und das muss mit Pauken und Trompeten besiegelt werden. Oder?
In den letzten Jahren war es bei mir immer wieder das selbe: Freunde fragen und laden ein, man geht mit hohen Erwartungen in den Abend und am Ende kann man nur enttäuscht werden. Es geht meist gegen 18 Uhr los, schön Raclette fressen (Was ich mit Abstand das geilste an Silvester finde).
Dann wird getrunken. Wer keinen Alkohol trinkt, ist langweilig und Partymuffel. Und dann sind um 23 Uhr alle total müde. Schließlich sind wir ja alt. Aber man muss ja noch bis mindestens 3 Uhr wach bleiben, denn sonst ist die Party ja nicht toll gewesen und man muss sich vor den anderen blamieren.
Also hockt man nach dem Böllern und Knallen gegen 1 Uhr halb besoffen und müde rum und trinkt drei Gläser Cola. Zu sagen hat man sich sowieso nichts mehr, weil man schon den ganzen Abend geredet hat. Man überlegt, dass man in zwei Tagen wieder früh aufstehen und arbeiten muss.
All das macht super viel Spaß.
Nicht dass ihr mich falsch versteht: Ich habe tolle Freunde und wir können Spaß haben. Wir können feiern, mit und ohne Alkohol. Aber das ergibt sich meistens einfach oder man trifft sich eben einfach so ohne bestimmten Grund. Bei Silvester gibt es irgendwie immer diesen Drang, unbedingt Spaß haben zu müssen. Unbedingt toll drauf sein zu müssen. Wenn nicht heute, wann dann?
Ich sag euch wann: Einfach wenn man Lust hat. Ich bin mir bewusst, dass das Tradition hat, dass man da natürlich auch mitmachen kann und auch Spaß haben kann.
Ich für meinen Teil habe aber beschlossen, dieses Jahr nicht dabei zu sein. Es gibt kein Silvester. Böller und Raketen kaufe ich seit mindestens 10 Jahren ohnehin nicht mehr, weil ich das rausgeschmissenes Geld finde. Man sollte das Geld dann lieber spenden oder sich was gönnen.
Jeder, der das tun will, wird von mir nicht verurteilt. Wer will, der soll. Ich für meinen Teil tue es aber nicht.
Doch mehr als das Böllern und das Besaufen stört mich wirklich die Einstellung, dass es “eben so ist” und man “an Silvester was machen muss”. Und deshalb tue ich eben genau das dieses Jahr nicht.
Stattdessen gibt’s einen Seinfeld-Marathon. Alle Folgen, die man bis spät in die Nacht hinein schafft. Dazu Raclette und Wein. Klingt für mich nach einem tollen Abend. Auch nicht alleine versteht sich, aber eben ohne diesen dämlichen Leistungsdruck.
Wie gesagt: Jeder soll machen, was er will. Für mich ist aber Silvester in den letzten Jahren jedes Jahr langweiliger geworden und ich habe immer mehr den Eindruck gehabt, dass die Leute auch keinen Bock mehr hatten. Also warum nicht mal einen Gang zurück schalten und es sich gemütlich machen während draußen Besoffene rumpöbeln und Rakaten quer über den Boden schießen?
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