Geld ist nicht alles

Werk der Barmherzigkeit: Almosen geben

Zweimal im Jahr findet die Caritas-Sammlung statt. Eine der vielen ehrenamtlichen Helfer ist Rosemarie Bauer aus Schönau. Fotos: Antonia Schlosser

Zu acht ziehen sie in diesem Jahr los. Eine von ihnen ist Kindergärtnerin, die andere Verkäuferin in einem Kaufhaus, einer hat sein berufliches Standbein in der Landwirtschaft. Auch eine junge Frau mit Handicap ist dabei. Obwohl ihr Leben die meiste Zeit komplett unterschiedlich ist, teilen die 30- bis 70-Jährigen zweimal im Jahr eine gemeinsame Aufgabe: Im Frühjahr und im Herbst ziehen sie durch die Straßen des 850-Seelen-Dorfes Schönau an der Brend. Kein Haus und keine Klingel lassen sie aus, um die Bewohner um eine Spende zu bitten. Doch die acht Frauen und Männer sind keine Bettler, sie sind Teil der ehrenamtlichen Caritassammler im Landkreis Rhön-Grabfeld.

Rosemarie Bauer organisiert seit einigen Jahren die Caritassammlung. Die pensionierte Grundschulleiterin sitzt auf einem Sofa in ihrem Wohnzimmer. “Leider finden sich immer weniger Freiwillige”, bedauert sie. Bei den meisten Pfarreimitgliedern gehe es oft wegen des Berufs nicht. Auch bei Bauer ist es manchmal schwierig: “Man muss sich die Zeit schon oft ziemlich abzwacken, um sein Gebiet abzulaufen.” Trotzdem engagiert sie sich gerne für die Sammlungen der Pfarrei Sankt Laurentius in Schönau. Zwischen ein und zehn Euro bekämen die Ehrenamtlichen von den meisten Haushalten. Einmal habe sie sogar von einem Nachbar 50 Euro bekommen, erzählt sie stolz. Doch nicht alle Dorfbewohner begrüßen die Sammler mit offenen Armen und einer kleinen Gabe. “Bei manchen Menschen klingle ich auch nach zwei Versuchen nicht mehr. Ich weiß mittlerweile ganz gut, wer hier in meiner Straße spenden möchte und wer nicht.”

Welche Aufgaben hat die Caritas im Bistum Würzburg? Ein Beitrag der Fernsehredaktion der Diözese Würzburg.

Im Landkreis Rhön-Grabfeld sammeln die freiwilligen Helfer jedes Jahr eine Spendensumme von circa 100.000 Euro zusammen, weiß Elke Storch, Dekanatsbeauftragte für die Caritas im Dekanat Bad Neustadt. Das Geld wird immer aufgeteilt: 30 Prozent bleiben direkt in den einzelnen Pfarreien und werden dort beispielsweise für bedürftige Familien und Menschen vor Ort eingesetzt. Weitere 30 Prozent erhält der Diözesan-Caritasverband Würzburg und 40 Prozent gehen an den Caritasverband für den Landkreis Rhön-Grabfeld e.V. “Die ehrenamtlichen Sammler sind für uns sehr wichtig, was das Geld der Sammlung, aber auch, was die Seelsorge angeht”, betont Storch. Die Freiwilligen seien oft die einzigen Personen in einer Gemeinde, die die Chance haben, zu jedem Bewohner Kontakt aufzunehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Neuzugezogene, alte Menschen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können oder Menschen, die mit der Kirche nichts am Hut haben, seien.

Auch Bauer geht es bei ihrem Dienst nicht in erster Linie um das Materielle, sondern um die Menschen, mit denen sie im Dorf zusammenlebt: “Die Gespräche und der Kontakt zu meinen Nachbarn helfen und sind oft viel wichtiger als das Geld.” Das Jahr der Barmherzigkeit, das von Papst Franziskus ausgerufen wurde, hat die Rentnerin im Kopf und vergleicht ihren barmherzigen Dienst “Almosen geben” mit einer Partnerschaft. “Es reicht nicht, nur zu sagen, dass man jemanden liebt. Man muss auch zeigen, dass man für den anderen da ist.” Sie übertrage diesen Leitsatz auf die Familien und alten Menschen im Dorf, die dringend etwas finanzielle Hilfe und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Ängste benötigen. “Wir dürfen nicht nur achtlos an ihnen vorbeigehen”, betont sie.

Bei regelmäßig stattfindenden Sammlertreffen haben die Ehrenamtlichen die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Am Ende einer Sammlung komme bei ihr meist eine Spende in Höhe von circa 700 Euro zusammen, erzählt Bauer. Diese Summe erscheint auf den ersten Blick nicht besonders hoch, doch treibt die Rentnerin etwas viel Wichtigeres in ihrem Engagement an — ihr Glaube an Gott und ihre Überzeugung, wie wichtig Barmherzigkeit für ein funktionierendes Miteinander ist: “Es ist uns aufgetragen, Gottes Liebe an die Menschen weiterzugeben — vor allem an die in Not.” Sie wolle sich in der restlichen Zeit ihres Lebens noch nützlich machen und einbringen, denn eine Gesellschaft ohne ehrenamtliches Engagement würde in ihren Augen nicht funktionieren.

Auch Storch weiß, wie wichtig die Besuche der Ehrenamtlichen für einsame Menschen in einer Dorfgemeinschaft sein können. “Bei unseren Sammlertreffen bekomme ich oft die Rückmeldung, dass viele Menschen sehnsüchtig auf unsere freiwilligen Helfer warten.” Auch für die Ehrenamtlichen sind diese Treffen ein Gewinn: So können sie nicht nur von ihren Erfahrungen erzählen, sondern sich auch austauschen und Informationen darüber einholen, wie die Spendensumme in der Diözese verteilt wird oder was das diesjährige Motto beinhaltet, ergänzt die Caritasverantwortliche. Auch Bauer freut sich immer wieder auf die Treffen: “Wir merken dabei, dass jeder einzelne von uns vom Diözesanverband sehr geschätzt wird.” Dieser Zuspruch bestärke sie noch mehr, sich weiterhin tatkräftig für die Caritassammler einzusetzen und auch die Zukunft im Blick zu haben. “Wenn ich nicht mehr genug Freiwillige finde, habe ich mir schon überlegt, unsere Firmlinge im Dorf anzusprechen.” In diesem Jahr muss sie sich aber noch keine Sorgen machen. Denn auch heuer ziehen sie wieder zu acht von Haus zu Haus durch Schönau.

Von Antonia Schlosser

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