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Regionalität in Coronazeiten.

Eine Neu- und Wiederentdeckung?

Joella Korczak
Apr 9 · 3 min read

Wie die meisten Menschen momentan, befinde auch ich mich momentan die meiste Zeit zu Hause. In dem folgenden Text beschreibe ich meine Beobachtungen und erkläre meine Hoffnung, dass diese Krise auch eine Chance für positive Veränderung sein kann!

Wir befinden uns zurzeit in einem globalen Ausnahmezustand, hervorgerufen durch Covid-19. Der eigene Alltag ist durcheinander gebracht. Wir machen uns Sorgen Menschen anzustecken, um die eigene finanzielle Existenz, darüber, ob die Kontaktsperre wirklich bald aufgehoben wird, und wie der Rest des Jahres eigentlich aussehen wird. All dem zum Trotz versuche ich, dieser Zeit positive Aspekte abzugewinnen und hoffnungsvoll zu bleiben.

Meine Highlights in der Quarantäne drehen sich hauptsächlich um ein Thema: Essen. Der Einkauf auf dem Bauernmarkt ist die perfekte Flucht aus der Wohnung und Kochen ein schöner Zeitvertreib. Und so wie ich das beobachtet habe, liegen Bauernmärkte momentan gerade stark im Trend.

Covid-19 ist nicht nur eine Krankheit, sondern auch ein kollektiver Aufruf zu Solidarität und Hilfsbereitschaft. Und damit unter anderem auch zur Unterstützung der regionalen Betriebe und Landwirtschaft. Denn bei regionalen Erzeugern und Unternehmen einzukaufen und diese den großen Händlern, Ketten oder Online-Vertrieb wie Amazon vorzuziehen, ist in diesen Tagen auch ein Ausdruck von Achtsamkeit.

Darüber hinaus kann diese Unterstützung natürlich noch weitergehen, als ein Einkauf. Die deutsche Landwirtschaft etwa steht vor der Herausforderung, ihre Lücke an Arbeitskräften zu füllen. Normalerweise arbeiten jährlich etwa 300.000 Saisonarbeiter auf deutschen Feldern.Diese kommen überwiegend aus benachbarten EU-Ländern. Ein Großteil von ihnen fehlt jedoch aktuell: Derzeit wurde 40.000 Saisonarbeitern (BMEL) unter strengen Auflagen die Einreise bewilligt.

Durch die momentanen Einreisebeschränkungen kommt es zu massiven Mangel an Arbeitskräften. Um diesen Engpass entgegenzuwirken, wurde z.B. die Plattform daslandhilft.de kreiert. Diese dient als Vermittler zwischen Landwirten und neuen möglichen Arbeitskräften, um die anstehende Ernte und Kultivierung zu gewährleisten. Eine Herausforderung dabei wird sein, dass die freiwilligen Helfer, im Gegensatz zu den erfahrenen Saisonarbeitern, tendenziell fachfremd sind und erst eingearbeitet werden müssen.

Ich denke, auch die “überfüllten” Bauernmärkte (München), könnten ein Zeichen sein für ein erkennbares Interesse und Bewusstsein für Regionalität im Einkaufskorb. Hier trifft man — natürlich mit gebührendem Abstand — auf altbekannte und viele neue Gesichter in den Schlangen vor den Ständen.

Im Gegensatz zu einem unsichtbaren und schwer nachverfolgbaren Lebensmittelsystem, wird auf den Bauernmärkten die Lebensmittelproduktion für mich sichtbar gemacht. Ich bekomme ein besseres Verständnis von Abläufen in der Landwirtschaft und den Menschen, die dahinter stehen. Regionalität wirkt spürbarer.

Könnte diese Zeit auch eine Chance sein? Eine Chance zur Veränderung?

Ich zumindest hoffe, dass dieses erhöhte Bewusstsein für Regionalität auch nach der Covid-19 Krise bleibt und sich das Konsumverhalten nachhaltig ändert. Somit hoffe ich, dass die Bauernmärkte weiterhin von Neu- und Stammkunden gut besucht werden und das Regionalität weiterhin einen Aufschwung, mehr Respekt und Wert bekommt — genauso wie alle Akteure, die in dem Bereich arbeiten.

Bestehende Strukturen verändern wir am besten und effizientesten gemeinsam, im Austausch mit- und untereinander. Jeder ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft und kann Veränderung bewegen und unterstützen. In welch beeindruckendem Ausmaß unsere Gesellschaft handlungs- und wandlungsfähig sein kann führt uns die Corona Krise gerade vor Augen. Vielleicht gelingt es uns ja in besseren Zeiten zumindest einen Teil dieser Energie für positive Veränderung mobilisieren zu können.


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