Tilly, braucht erstmal einen vierfachen (!) Espresso.

Trek is back! Discovery Short 01 — “Runaway”

Review der ersten Episode “Short Trek — Runaway”. Enthält Spoiler.

Mit vier Mini-Episoden überbrückt Star Trek: Discovery die Wartezeit zur zweiten Staffel. Am 17. Januar 2019 werden Michael Burnham, Saru und ein paar alte Bekannte (*hust* Spock! *hust*) auf die Bildschirme zurückkehren. Davor bekommen wir in vier Kurzepisoden die Chance, ein paar Charaktere etwas besser kennenzulernen. Den Auftakt macht die fabulöse, frisch beförderte Fähnrich Tilly, die in “Runaway” Freundschaft mit einem außerirdischen Teenage-Girl schließt.

Mit den Shorts möchte CBS laut eigener Ankündigung tiefer in die Geschichten bestimmter Charaktere eintauchen und neue Geschichten aus dem Universum von Discovery erzählen. Insofern ist der Charakter Silvia Tilly vielleicht die beste Wahl, um diese Mini-Serie zu starten. In der ersten Staffel spielte sie, obwohl Teil des Titel-Casts im Vorspann, oft nur eine Nebenrolle. Wirklich große Momente bekam Tilly nur wenige. Doch die Chancen, die sie bekam, nutzte die großartige Mary Wiseman virtuos, um sich in die Herzen vieler Fans zu spielen.

In “Runaway” steht sie nun endlich mal im Zentrum der Handlung. Als ein junges Alienmädchen unbemerkt an Bord der Discovery gelangt, ist es ausgerechnet Tilly, die den ersten Kontakt herstellt. Schnell merkt Tilly, dass hinter der wütenden und ängstlichen Fassade der Xaheanerin eine verletzte, hochintelligente Teenagerin steckt, die sich ausgestoßen und unverstanden fühlt. Tilly, die gerade erst eine, sagen wir, schwierige Konversation mit ihrer Mutter hinter sich hat, fühlt sich Po verbunden. Anstatt sie zu melden, beschließt sie, ihr zu helfen zu ihrem Planeten zurückzukommen.

Starten wir mit den guten Sachen: Mary Wiseman glänzt von der ersten Szene an, in der sie mit ihrer Mutter über ihren Eintritt ins Führungskräfte-Programm der Sternenflotte spricht. Es sind nur 15 Minuten Episode, aber für Tilly ist es eine emotionale Achterbahnfahrt. Und Wiseman spielt jede Sequenz mit Humor, Herz und Emotion. Tilly war schon in der ersten Staffel der menschlichste und bodenständigste Charakter der Serie. Oft sorgte sie für die humorigen Elemente der Handlung, wie etwa in der letzten Folge, als sie auf einen unfreiwilligen Drogentrip abrauscht. Doch Mary Wiseman gelang es, diese Szenen nie in Klamauk abdriften zu lassen. Stattdessen war stets zu erkennen, dass in Tilly mehr steckt, als die meisten Menschen, sie selbst eingeschlossen, ihr zutrauen.

Auch die Chemie mit ihrem Gegenüber Po, gespielt von Yadira Guevara-Prip stimmt in Runaway. Die nur wenig ältere Tilly erkennt sich in dem verletzten Alienmädchen wieder, das offenkundig über große Fähigkeiten verfügt, die aber von ihrer Umgebung nicht anerkannt werden. Das hier in Minuten eine Art Seelenverwandtschaft zwischen zwei Menschen entsteht, funktioniert, weil es gut gespielt ist.

Geheimnisvolles Alien-Girl: Me Hani Ika Hali Ka Po, kurz “Po”.

Bleiben wir noch kurz bei Po, der Xaheanerin, einer bis dahin unbekannten Star Trek-Alienrasse. Man kann nur hoffen, dass wir Po nochmal wieder sehen werden. Es hat schon Star Trek-Kinofilme gegeben, in denen die Aliens nachlässiger designt waren. Po hingegen ist faszinierend von dem Augenblick an, als ihre halbtransparente Hand das erste Mal aus einem Frachtcontainer auftaucht. Sie ist menschlich, aber wohl gerade erst einem “Larvenstadium” entwachsen. Sie kann technische Geräte beeinflussen, aus ihrem Rücken wachsen Stacheln, wenn sie sich verteidigen will. Und sie bezeichnet sich als “Zwillingsschwester” ihres Heimatplaneten, mit dem sie eine besondere, spirituelle Verbindung hat. Das ist deutlich mehr als das übliche Star-Trek-Durchschnittsalien, das doch meist ein Mensch mit etwas zu viel Makeup im Gesicht ist und mehr als bemerkenswert für eine derart kurze Episode.

Und vielleicht ist das auch ein wenig das Problem von “Runaway”. Denn so stark die Charaktere sind, so konfus ist die Geschichte, in der Xaheanische Innenpolitik, Pos Familiengeschichte und nicht weniger als eine Revolution der Warp-Technologie eine Rolle spielen. Das wäre der Plot für eine spannende Doppelfolge Star Trek. Ein kurzer 15-Minüter, der sich eigentlich auf die Charaktere konzentrieren soll, ist damit am Ende völlig überfrachtet. So verliert sich Runaway am Ende im Irrgarten einer Handlung, die vielversprechend in einem engen Quartier mit einer Frau, die in ein Kissen schrie, begann. Und sich am Ende um das Schicksal eines Planeten und der ganzen Föderation drehen musste. Was schade ist, denn damit landen zwei großartige Charaktere in einem relativ undankbaren Setting.

Trotzdem bin ich froh über diesen ersten, neuen Ausflug ins Discovery-Universum. Tilly und eine neue, spannende Alienrasse machen diese Folge sehenswert, trotz ihrer Schwächen. Hoffentlich werden wir in Staffel 2 von Star Trek: Discovery mehr von diesen guten Sachen sehen.