Sich als Ein-Personen-Unternehmen Ziele setzen

Vor sich hin arbeiten versus auf etwas hin arbeiten

Ich bin ja noch nicht so lange dabei, in der Selbständigkeit, in diesem Kreislauf von Steuern und Sozialversicherungsabgaben und Rechnungen. Aber ich war immer schon von vielen Menschen umgeben, für die es das Selbstverständlichste der Welt war und ist. Und bei den ambitioniertesten von ihnen ist immer eine Sache ganz klar gewesen: Man setzt sich selbst Ziele. Und wenn sie in Wirklichkeit nur kleine Milestones sind.

Wir lieben es, Dinge auf unseren Listen abzuhaken. Danach setzt man sich wieder ein neues Ziel, man erfüllt immer etwas. Man arbeitet nicht ins Leere. Das heißt nicht, dass man nicht mit dem Status Quo zufrieden ist. Aber man will immer etwas anderes erreichen, auch wenn es einem nicht bewusst ist. Auf welcher Ebene das auch immer sein mag.

Erfolg kann verschieden definiert sein

Für viele ist das die finanzielle Ebene. Man will natürlich von seiner Arbeit leben können. Und die wenigsten gehen offen damit um. Ich finde es zum Beispiel sehr mutig von Melinda, ihre Finanzen zu veröffentlichen. Denn generell wird über Geld nur wenig gesprochen. Es ist doch okay zu sagen: Im Zeitraum XY möchte ich so und so viele Euro mehr verdienen als im letzten Jahr. Realistisch muss man dabei natürlich schon bleiben. Millionär wird man über Nacht keiner.

Andere haben das Ziel, irgendwann Mitarbeiter zu haben. Anderen einen Job geben zu können, Arbeitsplätze zu schaffen, wie es so schön heißt. Weil es für sie auch bedeutet, dass man Erfolg mit dem hat, was man macht, gemessen an einem Nachfrage-Faktor.

Den Bezug zur Realität darf man nicht verlieren

Aber auch die, die alleine bleiben wollen, können sich Ziele setzen, die über die finanzielle und wirtschaftliche Angelegenheit hinaus gehen:

Man möchte etwas Neues ausprobieren, etwas Neues lernen, sich intensiver mit etwas beschäftigen, dadurch neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln.

Man will neue Menschengruppen erreichen, neue Leute kennenlernen oder sich auf etwas spezialisieren und seinen Fokus ganz dorthin konzentrieren.

Viele Aufträge abschließen, weniger arbeiten, öfters auch mal im Ausland etwas anbieten, viel unterwegs sein, nur vom Bett aus arbeiten oder einfach die Preise erhöhen. Auf mehr Konferenzen fahren, mehr Artikel veröffentlichen oder sich ein neues Büro suchen. All das sind Ziele, die man realistisch formulieren kann. Und dabei schadet es sicher nicht, sich das ein oder andere vielleicht aufzuschreiben. Wenn man auf etwas hin arbeitet, schafft man es meistens ja auch, solange man in einem Rahmen bleibt, der nicht realitätsfern ist.

Aufschreiben und immer wieder hervorholen

In einigen Gesprächen mit EinzelunternehmerInnen, Freelancern, habe ich gemerkt, dass viele sich das gar nicht so richtig überlegt haben. Und am Anfang habe ich auch immer gesagt: “Ach, ich weiß noch nicht. Schauen wir mal.” Mittlerweile habe auch ich mir Ziele gesteckt und diese für mich ganz klar definiert. Man hat einen klareren Weg, an dem man sich ausrichten kann.

Diese ausformulierten Ziele sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man an etwas arbeitet. Oder auch an Tagen, an denen man eigentlich alles machen möchte, nur nicht darauf hinarbeiten. Weil einen gerade einfach auch alles nervt. Und es ist auch nicht schlimm, Ziele auch dazwischen mal wieder zu verwerfen. Wenn man merkt, dass es in eine ganz andere Richtung geht. Diese klare Definition haben große Unternehmen immer. Für den einzelnen sind sie fast noch wichtiger: Weil alles von dieser einen Person abhängt, von mir. Nur ich bin verantwortlich dafür, was passiert.

Nichtsdestotrotz sollte man auch immer den Aufwand in Relation sehen. Was bringt es, seine Einnahmen zu verdoppeln, wenn man danach überhaupt keine Zeit mehr für etwas anderes hat? Auch eine finanzielle Verbesserung macht manchmal weniger glücklich als ursprünglich gedacht. Für jedes Ziel muss man immer etwas opfern. Man muss sich nur überlegen, ob es einem wert ist.


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