Mein Entschluss:

Wieso ich vom Startup zur Agentur wechsle


Wenn man mich zu Beginn meines Studiums gefragt hätte, wie ich mir mein Berufsleben vorstelle, dann hätte ich wahrscheinlich ähnliches geantwortet:

“Ich habe keine Ahnung. Hauptsache Arbeit die mir Spaß macht und ein regelmäßiges Einkommen.”

Dann kam das Ende des Studiums und so richtig vorbereitet, auf das was nun vor mir stand, habe ich mich nicht gefühlt. Ich darf mich zwar Diplom-Wirtschaftsinformatiker(FH) nennen, aber was heißt das? Ich habe in meinen vier Jahren Studium eine Menge gelernt und wieder vergessen. “Bulimielernen” nennt man das heutzutage. Es wird gelernt was das Zeug hält - Tage lang, um in einer 90 minütigen Klausur sein Wissen auf ein Blatt Papier “zu kotzen”. Nach diesen anderthalb Stunden war ein Großteil des Gelernten wieder weg.

Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.”

Dieses vor allem bei Beratern und xyz-Coaches beliebte Konfuzius Zitat ist so abgelatscht, wie auch richtig. Zumindest wenn ich so meine letzten Jahre der Ausbildung und Arbeit reflektiere. In den Schulen und der Uni wurde mir so viel gesagt, was ich vergessen habe. Im Praxissemester habe ich so viel gezeigt bekommen, dass davon auch etwas hängen blieb. Ich durfte auch Sachen selber tun, die heute in meinem Wissensspektrum verankert sind.

So ist es auch in dem Jahr Startup verlaufen. Ich hatte nach meinem Abschluss die Wahl in eine Agentur zu gehen und da ein sicheres Einkommen und einen vermeintlich sichern Arbeitsplatz zu bekommen. Dem gegenüber stand das kleine sächsisch-bayrische Startup, welches sich meine Anstellung durch Fördermittel der SAB und des ESF sicherte. Also einen vermeintlich unsicherer Arbeitsplatz.

Meine Aufgaben waren in diesem Jahr weit und bunt gefächert. Ich durfte vor allem eins: machen. Das heißt, mir wurde, sofern es möglich war, gezeigt wie etwas funktioniert, aber in vielen Fällen musste das Wissen erarbeitet werden um es im Alltag anwenden zu können. Ich habe also viel gelernt in dieser Zeit. Ich durfte erfahren, was mir liegt und was mir überhaupt nicht liegt. Ich habe gelernt über meinen Schatten zuspringen und auch gelernt, wie es ist sich mit einem Projekt zu übernehmen.

Mir wurde die Chance gegeben, ein Produkt mit zu gestalten und zu erleben, wie das Startup-Leben aussieht und wie es sich anfühlt, fern ab von Venture Capital und dicken Investitionen. Wie ein Team an etwas arbeitet, was die Welt nicht revolutioniert aber für manchen Nutzer einfacher und klarer gestalten könnte. In dieser Zeit habe ich mein bereits breites Wissensspektrum weiter ausgebaut. Nicht unbedingt gefestigt, aber es wuchs weiter an.

In den fast anderthalb Jahren Startup habe ich erlebt, wie es ist wenn sich ein potentieller Investor anbahnt und dann doch wieder die Segel streicht — quasi von “himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt”. Was ich aber auch gelernt habe, es besteht in einem kleinen Team, ohne finanzielle Rückdeckung, von seiten eines Business Angels oder Geldgebers, kaum die Chance tiefer in ein Thema hinein zu steigen. Natürlich könnte man die Freizeit dafür opfern, doch auch die wenige Zeit neben der Arbeit sollte genutzt werden um zu regenerieren.

Dies ist vor allem der entscheidende Grund für meinen Ausstieg aus dem Startup-Leben. So ungern ich das tolle Team verlasse, so mehr wächst in mir der Drang, endlich ein Gebiet näher und ausgiebiger kennenzulernen. Endlich etwas mehr Fachwissen aufzubauen, ohne Fachidiot zu werden. Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden in die Agentur Welt zu gehen.

Viele werden sich jetzt Fragen, ob es in den Agenturen nicht ähnlich abläuft wie in Startups? In einigen mit Sicherheit. Vor allem Agenturen, die sich selbst breit aufstellen und von sich behaupten “Full-Service” ihren Kunden anzubieten. Aber es gibt auch Agenturen die sich auf ihre Gebiet spezialisiert haben und Kunden nur in ihrem Fachgebiet unterstützen.

Dazu kommt, dass ich als Volontär, also als Lernender in das “Abenteuer Agentur” einsteige. Ich erhoffe mir, vor allem neben spannenden Aufgaben, endlich ein Gebiet genauer kennenzulernen.

Also Tschüss Startup-Welt, auf nimmer Wiedersehen?

Auf keinen Fall. Die Dresdner PR-Agentur, welche ich ab April unterstütze, betreut neben etablierten Technologie-Unternehmen auch Startups und meine Interviewreihe “Let’s talk about Startups” wird sowieso weitergeführt. Nur habe ich mittlerweile einen etwas anderen Blick auf die Dinge. Ich weiß aus ersten Erfahrungen, wie sich kleine Gründer fühlen und mit welchen Sorgen und Hindernissen sie tagtäglich zu kämpfen haben. Davor habe ich einen Heidenrespekt. Aber ich möchte kein direkter Teil mehr sein, dieser wilden Achterbahn bestehend aus übertriebenen Finanzierungsrunden und unverhältnismäßigen Exit-Geschäften.

Ich möchte nur noch beobachten und hier und da indirekt unterstützen. Und vor allem möchte ich “tun” um es später auch zu “können”.

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