Was ich gestern beim Warten auf meinen Kaffee über Unternehmertum und Erfolg gelernt habe

Tiefgründige Einsichten von meiner Barista mit einem Doppelleben.

Gestern war ich mal wieder in einem Café zum Arbeiten.

Und auch wenn ich mich gerne stundenlang an einem Getränk festhalte, kommt man ja doch nicht drum herum, ab und zu mal ein neues zu bestellen.

Ein Zeitvertreib, der auf dem Tresen liegt

photo credit Jiska de Waard, http://www.jiskadewaard.com/mein-berlin-buch/

Während ich auf meinen Kaffee warte, sehe ich vor mir ein Buch auf dem Tresen liegen — “Mein Berlinbuch”. Und da ich ja eh noch 30 Sekunden Zeit habe, während die Kaffeebohnen vor meinen Augen erst zu Pulver und dann zu einem Heißgetränk werden, fange ich an drin herumzublättern.

Im Prinzip enthält es Berliner Stadtteile und Orte mit einer kurzen Beschreibung. Quasi zum Durchblättern für Berlinanfänger. Und bestimmt etwas, das man in einer Buchhandlung so oder so ähnlich schon mal gesehen hat.

Aber was auffällt: Die wirklich sehr nette Aufmachung, wunderschön illustrierte Bilder, eine tolle Grafik.

Man merkt, das hat jemand mit Liebe gestaltet.!

Während ich ich also durchblättere spricht mich die junge Dame an, die gerade meinen entkoffeinierten Kaffee macht.

Über den hatte sie sich eben noch beim Bestellen lustig gemacht hat — aber Gott sei Dank auf sehr sympathische Art und Weise, so dass ich ihr verzeihen konnte.

Stellt sich heraus: sie hat dieses Buch gemacht.

Wow!

Ich bin beeindruckt

Aber wieso hat mich das so beeindruckt?

Erstens mal hatte ich das Gefühl hier auf eine “echte” Künstlerin zu treffen, und das ist doch immer irgendwie beeindruckend. Jemand, der davon lebt, Dinge zu schaffen, die anderen Leuten Freude machen ( — also keine Excel-Sheets oder Powerpoint Präsentationen).

Zweitens lebt sie offensichtlich nicht ganz davon, sonst würde sie mir ja nicht gerade einen Kaffee machen.

Wir kommen also ins Gespräch und sie erzählt mir von ihrem Buch und wie es entstanden ist.

Sie ist Holländerin und lebt seit einiger Zeit in Berlin.

Das krasse: sie hat sich das Illustrieren selber beigebracht. Kein Universitätsstudium, sondern einfach gutes altes Reinhauen und Lernen und Machen.

Faszinierend, wie ich finde!

Wie lange hat sie also an diesem Buch gearbeitet?

Acht Monate! Sie hat sich hingesetzt und erst einmal ein paar Wochen lang nur gemalt. Dann wieder im Café gearbeitet und nebenbei das Buch weiter entwickelt. Texte geschrieben. Design gelernt.

Hat den ganzen Sommer daran gearbeitet, weil es ihr so wichtig war.

Während ihre Freunde draußen saßen und Bier getrunken haben hat sie wahrscheinlich oft genug zu Hause gesessen und gearbeitet. Während die anderen im Open Air Kino waren hat sie gezeichnet. Während die anderen am See waren hat sie getextet.

Sie ist ins Risiko gegangen und hat eine Grafikerin bezahlt, das Buch zu layouten, und hat es auf eigene Kosten drucken lassen.

DAS ist Unternehmertum!

  • An ein Projekt glauben und es durchziehen, auf Kosten von anderen Bereichen deines Lebens.
  • Eine Vision haben, und zu wissen, dass es lange dauern wird, bis diese Realität wird.
  • Ins Risiko gehen, Zeit und Geld zu investieren, ohne zu wissen, ob sich die Investition auch auszahlt.
  • Und etwas so gut zu machen, dass sich jemand anderes dazu bemüßigt fühlt, es unaufgefordert weiter zu erzählen und einen Artikel darüber zu schreiben.

Wahrscheinlich sieht sie sich noch nicht mal als Unternehmerin, sondern einfach nur als eine Illustratorin, die ein Buch gemacht hat.

Und dabei verkörpert sie durch und durch das, was Entrepreneurship ausmacht.

Wer weiß, ob sie damit “Erfolg” haben wird.

Erfolg?!?

Fragt sich zunächst einmal was Erfolg bedeutet, vor allem für sie.

Wenn es bedeutet, dass sie ihr erstes Buch illustriert und veröffentlicht hat, und darauf stolz ist, dann ist sie bereits jetzt erfolgreich.

Wenn es bedeutet, dass sie ihre Kosten wieder einspielt und damit Geld verdient… wer weiß. Vielleicht wird es nichts.

Aber falls doch wird man dazu neigen, zu sagen, dass sie “Über Nacht” erfolgreich geworden ist. Man sieht nur die Spitze des Eisbergs, nämlich dieses Buch, und zwar ihr erstes Buch.

Was man aber übersieht ist all die harte Arbeit, die dort hineingeflossen ist. Nicht nur in den letzten Monaten, als sie ihren Sommer in Berlin geopfert hat (und es war teilweise ein echt guter Sommer!), um an ihrem Traum zu arbeiten. Sondern auch all die Jahre davor, in den sie sich all das selber beigebracht hat, das sie brauchte, um dieses wunderschöne Buch zu erstellen.

Erfolg über Nacht gibt es einfach nicht.

Und Erfolg fängt oft im Kleinen an. Mit einem Buch, oder einem Bild, oder einem Artikel, oder einem Vortrag. Und ist genau so bewundernswert wie die Arbeit am nächsten großen Startup oder der nächsten großen Idee.

Daraus kann dann noch viel mehr werden. Aber wichtig ist, dass es okay ist, klein anzufangen. Und zu wissen, dass der Weg zum “großen Erfolg” ein verdammt langer ist.

Das habe ich gestern über Erfolg und Unternehmertum gelernt, während ich auf meinen Kaffee gewartet habe.

Den hat sie auch gut gemacht.

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Ich bin Johannes Metzler — Unternehmer, Autor, Trainer, Berater. Erfahre mehr über mich auf johannesmetzler.com und hol dir kostenlose Strategien, um Zeit zu sparen und produktiver zu werden.

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