Das Recruiter 101

Gotta catch ’em all

Photo by Hunters Race on Unsplash
Sehr geehrte/r Herr/Frau <Name>,
mein Name ist <Name> und ich bin Recruiter*in bei einer <beeindruckendes Adjektiv> Personalberatung.
Mit (sehr) großem Interesse habe ich Ihr XING/LinkedIn Profil gelesen und möchte Ihnen gerne ein unkonkretes, generisches Stellenangebot unterbreiten.
Unser Kunde ist ein international etabliertes Unternehmen, dessen Namen Sie frühstens im Bewerbungsgespräch erfahren werden.
Sie wären eine perfekte Ergänzung für das Team, da die <zufällig rauskopierter Punkt aus dem XING Profil> haben und <weiterer kopierter Punkt> mitbringen.
Weitere Benefits für Sie sind:
* Ein junges, agiles Team
 * Work-/Life-Balance (ca. 80/20)
 * Weiterbildung (in Ihrer Freizeit)
 * Dienstwagen (sollten Sie mal Geschäftsführer werden, sonst erstmal Dienstschuhe für den Weg zur Arbeit)
 * Ein so lächerlich hohes Gehalt, dass es sich fast um eine Lüge handeln muss
Sollten Sie weitere Fragen zur der Stelle haben, besuchen Sie gerne die mittelmäßig gestaltete Website der Ausschreibung (<Link>), auf der weitere Allgemeinplätze erwähnt werden, die man in jedem Job abdecken sollte.
Wenn Sie Interesse an der Stelle haben, können wir gerne einen Termin zu einem unverbindlichen Telefonat vereinbaren, bei dem ich Ihnen zeigen kann, was für tolle Floskeln ich noch beherrsche. Bitte senden Sie mir dazu gerne vorab Ihren Lebenslauf, Führerschein, Payback-Karte und Urin-Probe.
Freundliche Grüße,
<Name>
<Sehr lange Signatur>

Mal Hand auf’s Herz: Wer von euch hat schon mal solche Nachrichten auf XING oder LinkedIn bekommen (wenn auch mit einer Spur weniger Sarkasmus)?

Ich jedenfalls habe davon bereits so viele in meinem Posteingang, dass ich fest davon ausgehe, dass es eine mir unbekannte Software geben muss, die man mit einer XING URL füttert und die daraufhin eines dieser generischen Anschreiben produziert. Mittlweile ist es fast ein Spaß, mit ebenso generischen Nachrichten zu antworten, aber dann denke ich auch wieder: “Vielleicht bist du ja der einzige, der so sensibel darauf reagiert”.

Ich verstehe auch durchaus, dass es schwierig ist, an (gutes) Personal zu kommen — gerade in Fachbereichen. Aber ist da Reichweite durch eine desinteressierte Copy & Paste Nachricht wirklich so viel effektiver, als tatsächliches Interesse an der Person und ihren Fähigkeiten? Mich persönlich erreicht ihr mit ersterem jedenfalls nicht, aber am Ende des Tages muss das jeder für sich selbst entscheiden.

Und wenn es dann doch gar nicht anders geht, als mit unspezifischen Floskeln… ich überlege soeben ein E-Book zu veröffentlichen, dass dies gleich für mehrere Fachbereiche anbietet. Nur für meine XING-Freunde… zum Lesen… natürlich mit großem Interesse.

Just sayin’

<Name>