Der Weg zum Disko-Pumper

Das 1–0–1 für Stiernacken und Storchbeine

Ja, seit Anfang der Woche ist es wieder so weit. Nach einiger Zeit des Ruhens, quälen mein Trainingspartner und ich uns wieder ins Fitnessstudio. Er braucht für sein Sixpack dann nicht mehr in den Getränkemarkt und ich kann bald meine Füße wieder sehen. So weit, so gut…

Interessanter als das eigentliche Training, sind aber die Leute, die ebenfalls trainieren. Menschen, die aussehen, als wären Arme und Beine — wenigstens von den Proportionen — irgendwie vertauscht.

Nach einiger Recherche im Internet, auf welchen Theorien und Ansätzen ein solches Aussehen wohl basieren möge, wurde mir mit Schrecken bewusst, dass der Markt in der Hinsicht noch eine Menge Potenzial zu haben scheint. Für alle Interessierten wartet also im Folgenden schon mal eine kleine Übersicht, wie man denn Trainieren muss, um nicht nur im Sommer sein Sixpack am Strand streicheln zu können, sondern auch um Frauen aufzureißen — denn die finden das echt klasse!

Disclaimer
Der nachfolgende Text enthält stark verallgemeinerte und stereotypisierte Beobachtungen, von denen einige wahr, andere wiederum erstunken und erlogen sein könnten.

Der Weg zum Disko-Pumper (Auszug)

Vorwort
[Gibt es nicht, da es nachweislich sowieso so gut wie nie gelesen wird.]

Grundlagen
Das richtige Training fängt schon beim Kleidungsstil an. Solltest du schon muskulöse Arme, einen trainierten Rücken und mindestens Körbchengröße B haben, ist ein Tank-Top die beste Wahl für dich. Dabei auf dünne Träger und einen tiefen Ausschnitt achten, damit so viel von deinem Körper wie möglich sichtbar ist. Das macht Eindruck!
Dazu eine lange Sporthose (nur teure Markenklamotten, du wirst schließlich von anderen gesehen!) und alles passt.
Weniger muskulöse Erscheinungen wählen am besten einen Hoodie (G-Star oder Adidas ist ausreichend).
Bist du adipös, geh bitte nicht ins Fitnessstudio. Was sollen denn die Leute denken? Geh irgendwie joggen, bis du dich in der Öffentlichkeit zeigen kannst.

Aufwärmen vor dem Training
Nein.

Die Auswahl der Übungen
Die wichtigste Grundregel bei der Auswahl der Übungen ist, dass nur Muskeln trainiert werden, die man auch sieht — vorzugsweise von weitem, beim ersten Eindruck.
Beine erfüllen diesen Zweck nicht, der untere Rücken ebenfalls nicht und von Waden fange ich gar nicht erst an.
Über ein Sixpack lässt sich in der Anfangsphase streiten, da es meist verdeckt sein wird. In der Badesaison ist es aber selbstverständlich Pflicht.
Für den Anfang fokussieren wird uns von daher auf Arme, Schultern und die Brust.

Die richtige Ausführung
Immer wieder hört man die mahnenden Worte sogenannter Fitnesstrainer, die selbst vermutlich nicht mal eine Bierkiste heben können, die behaupten, man müsse die Übungen kontrolliert und langsam ausführen, um sich nicht zu verletzten und maximalen Muskelaufbau zu erzielen. An dieser Stelle ist jegliche Diskussion unnötig, denn das ist Quatsch. Oder willst du dich mit deinen 10KG Bizepscurls etwa zum Gespött des Studios machen?
Die Regel ist im Grunde recht simpel. Bewege bei einer Übung so viel Gewicht, wie dein Körper es in irgendeiner Form maximal zulässt. Das Arbeiten mit viel Schwung und das Ausholen mit den Hantel bei den Bizepscurls bringt dich leicht auf 30KG pro Seite. Ganz recht! Die Ladies werden Augen machen.
Was mich zum nächsten Punkt bringt. Achte darauf, deinen Satz nur dann anzufangen, wenn eine attraktive Frau in unmittelbarer Sichtweite ist. Du trainierst ja nicht zum Spaß. Also nimm diesen Ratschlag besonders ernst.
Schaut sie nicht sofort hin, tut es auch Stöhnen und lautes Atmen bei den Wiederholungen. Generell hilfreich auch ein Trainingspartner, der dir Worte wie: “Komm schon, alter! Einen noch! Hau rein!” entgegen brüllt.
Die Spiegel in einem Fitnessstudio sind übrigens auch nicht zur Zierde angebracht worden. Manche sind dem Irrglauben auferlegen, sie dienen der Kontrolle der Korrekten Ausführung. Offensichtlicherweise sind sie aber da, um die bei jeder Übung die Betrachtung deines Adoniskörpers zu ermöglichen.
Bist du mit den Übungen fertig, lass die Hanteln einfach liegen. Für das Wegstellen und Aufräumen gibt es Personal. Sollen die was tun für ihr Geld!

Post-Workout
Wer nach einigen Tagen merkt, dass sich nichts an seinem Körper getan hat, sollte nicht Verzweifeln. Der Fehler liegt nahezu immer beim Post-Workout. Proteinshakes und Kreatin ist gut, aber du hast ja schließlich nicht ewig Zeit. Zum Glück hat die Wunderwelt der Medizin eine schnellere Methode entwickelt. Steroide. Ob die gefährlich sind oder nicht, ist doch völlig egal. Du willst gut aussehen und lebst nur ein Mal (#yolo)!
Bist du ohnehin Diabetiker oder Heroin-abhängig, kannst du hier punkten, da du nicht nur bereits Spritzen hast, sondern sie auch einzusetzen weißt. Der Rest regelt sich mit dem Dealer deines Vertrauens eigentlich wie von selbst.

Ernährung
Abschließend noch ein Wort zum Thema Ernährung.
Selbst, wenn du bisher nur Fastfood und anderen Dreck gegessen hast, solltest du jetzt unbedingt raushängen lassen, dass du total auf deine Ernährung achtest. Für Leute, die nicht wissen, wie das geht, empfiehlt sich für den Anfang das Kommentieren der Dinge, die andere Leute essen.

“Brötchen mit Käse… Fett und Kohlenhydrate pur. Du kannst es dir ja leisten. Guten Appetit.”

Im Zweifel tun es auch abfällige Blicke.
Selbst kannst du am besten Magerquark essen. Der hat nicht nur den Vorteil, dass er tatsächlich gesund ist, sondern auch, dass dir bereits nach einer Packung so unfassbar schlecht sein wird, dass du gar nicht umhin kommst, abzunehmen und damit dein Sixpack zu fördern.

Das soll es soweit erst mal gewesen sein. Die vollständige Fassung wird demnächst in einem Verlag erscheinen, der sich traut, sowas zu drucken.

Aber ob Disko-Pumper, oder nicht… Jeder soll machen, was er für richtig hält und es andere dafür auch tun lassen. ;-)

Ich mein’ ja nur…