In der Schweiz haben 85% der Bevölkerung Internetzugang. Das ist ein grossartiger Wohlstand der zur Demokratisierung von Wissen und Informationen beiträgt. Der Konsument wurde zum Produzent, jeder kann Beiträge zu Allem ins Netz stellen. 

Vor ein paar Jahren waren Blogs das neue Medium um sich mittzuteilen. Heute werden Blogposts in z.B. Twitter, Facebook, YouTube, Google+, Instagram und Pinterest segmentiert. Man teilt sich in Kurzform mit, feilt bei Facebook vielleicht an einem Image und speichert sich interessante Links bei Twitter. Viele sind bereits überfordert damit, welchen Dienst zu welchem Zeitpunkt gerade der richtige ist und flüchten sich gerne mal in eine digitale Auszeit.

Wir lesen täglich voneinander. Kennen uns manchmal schon über Jahre hinweg über Texte, Bilder und Videos, haben uns aber noch nie persönlich getroffen. Wir erkennen Stimmungsschwankungen bei Personen, wenn es ihnen gerade nicht so gut geht. Oder wenn jemand verliebt ist. Emotionen können zwischen den Zeilen gelesen werden. Weil wir die Personen kennen. Oder zumindest den Teil, welchen sie mit uns teilen. 

Internetzugang bedeutet aber nicht, dass sich fast die ganze Schweiz social medial über Twitter und Facebook austauscht. Aktuell besitzen 3 Millionen Schweizer ein Facebook Profil. Das heisst aber auch, dass 5 Millionen Schweizer nicht auf Facebook täglich ihre Befindlichkeiten teilen. Und knapp eine halbe Million Schweizer nutzen Twitter. Man kann also schlussfolgern, dass ein Grossteil der Schweizer das Internet für 20min.ch, Flüge buchen, e-Banking, Wikipedia und vielleicht noch YouTube nutzen.

Noch sind wir eine Minderheit, wir Social Medianer. Und trotzdem sind wir viele. Als Twitter in der Schweiz Fuss fasste, gab es noch öfter sogenannte Tweetups. Man traf sich, um sich im richtigen Leben kennenzulernen. Heute trifft man sich an Tweetups, weil man sich längst kennt. Gerade der deutschsprachige Twitter-Kuchen in der Schweiz ist klein aber fein.

So kam es auch zu der Geschichte, in dem eine junge Frau via Blog um Hilfe rief. Sie wohnte bei ihrem Vater, der Alkoholiker war. Das Zusammenwohnen war zum Horror geworden und ein Aus- und Umzug stand bevor. Doch sie hatte Angst, ihr Vater würde dies mit seiner unberechenbaren Aggressivität verhindern. Also fragte sie Twitterer um Hilfe für die Züglerei. 

Dank Twitter, zig Retweets und einigen engagierten Twitteren aus Basel, waren bald genügend Menschen bereit, bei dem kritischen Umzug zu helfen. Das Ergebnis: #hfds, Freudetränen und ein hervorragendes Beispiel dafür, was passiert, wenn Social Media richtig sozial wird. So schrieb sie in der Danksagung:

«Ich empfand grösste Bewunderung und tiefste Dankbarkeit.»

Sollte jemand also diesen Text lesen und Hilfe brauchen: der Social Media Angels Schweiz Verein wurde zwar (noch) nicht gegründet, die Mitglieder sind aber bereits unter uns.