Sind wir nicht alle ein bisschen… kreativ?

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„Raus aus der Forschung und was Kreatives machen“ möchte meine gute Freundin M. Sie hat seit mehreren Jahren an der Uni gearbeitet und bereits erfolgreich mehrere wissenschaftliche Papiere publiziert. Darüber habe ich eine Weile nachgedacht und mich gefragt: Was bedeutet denn „kreativ sein“ überhaupt?

Im Netz kursieren verschiedene Definitionen, jeder definiert Kreativität je nach Blickwinkel ein bisschen anders, aber unterm Strich lassen sich bei fast allen Definitionen die Wörter „neu“, „schaffen“ und „verändern“ finden. Wichtig scheint es zu sein, mit neuen, originellen Ideen die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Welche Jobbeschreibung passt hierzu? Macht dann nicht jeder etwas Kreatives? Was ist mit dem Steuerberater, der mit originellen Methoden mehr Geld für seine Klienten rausholt? Oder dem Gärtner, der durch originelle Anbaumethoden tolle Ergebnisse bringt? Oder der Erzieherin, die durch ungewöhnliche Konzepte aus der Frühpädagogik den Grundstein für die kindliche Entwicklung setzt?

Es gibt offenbar verschiedene Facetten von Kreativität. Bei Berufen sind es nicht immer nur die „Klassiker“ wie Musiker, Maler und Schauspieler.

Für mich sind auch insbesondere die Menschen kreativ, die in F&E-Abteilungen arbeiten und dazu beitragen, innovative Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Zum Beispiel Elektroautos, die die Welt besser und abgasfreier machen . Oder neue Medikamente, die Menschen von Krankheiten heilen, die bisher nicht heilbar waren.

Ich schlug M. vor: „Raus aus der Uni, rein in die F&E-Abteilung!“ Dort ist der Fachkräftebedarf bekanntlich sehr hoch. Und der Frauenanteil bekanntlich sehr niedrig. Problem gelöst. Dachte ich. M. war da ganz anderer Meinung. Sie denkt bei „F&E-Abteilungen“ an Labore in Kellerräumen ohne Tageslicht, mit Kollegen, die in weißen Kitteln und mit in der Hand Reagenzgläsern herumlaufen. Das ist ein gängiges Bild, das viele Menschen von Forschern haben.

Dabei müsste sich das Image doch mittlerweile gewandelt haben, seit uns die vor Kreativität strotzenden, mit Hipsterbärten, Hochwasserhosen und bunten Socken herumschwirrenden Silicon Valley-Mitarbeiter eindrucksvoll zeigen, was sie so auf dem Kasten haben. Und um deren Kreativität noch weiter zu fördern und das Beste aus ihnen herauszuholen, werden sogar noch Kreativitäts-Gurus wie David und Tom Kelley engagiert.

“Wenn eine Eigenschaft gefördert werden kann, bedeutet das im Umkehrschluss, dass man diese Eigenschaft nicht in der DNA-Lotterie gewonnen hat und mit „kreativ“ oder „nicht kreativ“ vor unveränderbare Tatsachen gestellt wurde.”

Die Kelley-Brüder sind davon überzeugt, dass Kreativität eine Fertigkeit ist, die man aufbauen und trainieren kann wie einen Muskel und erklären in ihrem Buch „Creative Confidence” wie man das schafft. Ihrer Meinung nach sind wir getrieben von Versagensängsten und dem Drang gefallen zu wollen und haben dadurch das nötige Selbstvertrauen verloren, um unserer Kreativität freien Lauf zu lassen. Und das gilt es wieder aufzubauen!

Jeder kann also kreativ(er) werden. Die Ausrede: „Ich kann das nicht, ich bin einfach nicht so kreativ” gilt demnach nicht mehr!

Methoden, um den kreativen Denkprozess anzuschubsen gibt es zu Hauf. Jeder hat bereits mehr oder weniger freiwillig an einem Brainstorming teilgenommen. Wenn man den Innovationsexperten Tony McCaffrey und Jim Pearson glaubt, soll das allerdings totaler Bullshit sein. Sie setzen stattdessen auf das sogenannte „Brainswarming“, bei dem jeder seine Ideen bis zu einer bestimmten Deadline auf ein Post-It schreibt und diese am Ende gesammelt an eine Pinnwand geheftet werden. So können Ideen miteinander verknüpft werden, es geht nichts verloren und es können sich auch die introvertierten und schüchternen Personen beteiligen und werden nicht von extrovertierten Kollegen und den dominanten Selbstdarstellern übertönt.

Doch das ist alles leichter gesagt als getan. Es müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden, von Unternehmenskultur über die Teamzusammensetzung bis hin zum individuellen Mindset, das nicht einfach mal so von heute auf morgen verändert werden kann. Den einzelnen Faktoren widme ich mich in den nächsten Blogbeiträgen.

Was war jetzt die Quintessenz?

1. Es gibt nicht die Definition von Kreativität. Kreativität wird von jedem anders definiert.

2. Es gibt verschiedene Facetten von Kreativität.

3. Kreativität ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern kann gefördert und trainiert werden.

4. Viele Faktoren zahlen auf die Kreativität ein, es gibt also verschiedene Stellschrauben. Welche das sind, erfahren Sie in den nächsten Blogbeiträgen.