Apple bewirbt das iPad Pro als PC-Ersatz. Hier das neue 9,7-Zoll-Modell. (Foto: Apple)

Ist ein iPad Pro das bessere Apple-Laptop?

Das iPad Pro mit 12,9-Zoll-Display war neben dem 12-Zoll-MacBook sicher die am meisten diskutierte Neuvorstellung des Apple-Jahres 2015 — und beide scheinen sich außerdem noch in der Zielgruppe zu überlappen. Das iPad Pro bringt sogar das größere Display mit, das zudem erheblich mehr Pixel hat. Mit seinem A9X-Prozessor soll die Performance zudem nach Apples Worten 80 Prozent aller Laptops übertreffen, die man in den sechs Monaten davor kaufen konnte. Und wie Benchmarks zeigen, ist vor allem die Grafikleistung enorm.

Ergänzend dazu hat Apple Ende März 2016 das iPad Pro 9,7 Zoll vorgestellt. Man bekommt hier die Features des iPad Pro im klassischen iPad-Format. Das iPad Air wurde im gleichen Atemzug billiger und blieb unverändert im Programm.

Deshalb stellt sich inzwischen die Frage: Ist ein iPad Pro plus Tastatur nicht am Ende das bessere Apple-Laptop?

Dagegen sprechen derzeit vor allem sein Betriebssystem iOS und die Auswahl an Apps. Apple hat zwar durchaus seine Hausaufgaben gemacht und die neueste Version iOS 9 hat einige neue Funktionen für iPads in petto. Dazu gehört beispielsweise „Split View“, um zwei Apps parallel auf dem Bildschirm zu nutzen. Aber, und das ist ein großes Aber: Es gibt bislang nur eine sehr begrenzte Auswahl an Apps, die sich an eine Pro-Nutzerschaft richten. Hier gilt aber zugleich: Jeder Interessent muss selbst schauen, welche Angebote es für seinen individuellen Fall gibt. Für manchen kann es heute schon passen. Und wenn man einmal ehrlich ist: Die iPad Pros sind nicht allein für „Pros“ gedacht, sondern runden Apples Laptop-Palette nach unten ab und ergänzen sie um Convertibles, wie man sie von Windows schon lange kennt.

Ein grundsätzlicher Nachteil von iOS gegenüber OS X wird aber auch mit wachsender App-Auswahl erhalten bleiben: Das System ist deutlich abgeschlossener. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass es sehr sicher ist. Das bedeutet auf der anderen Seite aber ebenfalls, dass es bestimmte Features und Funktionen hier nicht gibt und wohl auch niemals geben wird. So ist beispielsweise der App Store unter OS X optional, weil man Apps alternativ aus dem Netz herunterladen und selbst installieren kann. Das geht bei iOS im Auslieferungszustand nicht.

Obwohl das iPad Pro mit Tastatur also aussieht wie ein Laptop, ist es eben doch ein waschechtes Tablet. Das unterscheidet es beispielsweise sehr grundsätzlich von Microsofts Surface Pro, mit dem es oft verglichen wird. Microsofts Gerät ist ein PC mit Touchscreen und optionaler Tastatur. Darauf läuft dasselbe Windows wie auf jedem anderen PC — mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen in dieser Situation. Das iPad Pro aber ist kein MacBook mit Touchscreen und optionaler Tastatur — es ist ein besonders leistungsfähiges iPad — nicht mehr und nicht weniger.

Dabei bietet es aber auch Features, die kein MacBook hat. Dazu gehört am offensichtlichsten der Touchscreen. Aber auch der Homebutton mit Touch-ID macht sich nützlich und die eingebaute Kamera ist nicht nur für Fotos gedacht, sondern beispielsweise ebenso für Augmented-Reality-Anwendungen oder um mal eben schnell ein Dokument „einzuscannen“. Nicht zuletzt gibt es Modelle mit eingebautem Mobilfunk nur bei iPads und nicht bei MacBooks.

Preise

Der Einstiegspreis des 9,7-Zoll-Modells liegt bei 689 Euro. Dafür bekommt man 32 GB Festspeicher. Für 869 Euro gibt es 128 GB. Und für 1.049 Euro sind es 256 GB. Will man Mobilfunk zusätzlich zu WLAN kostet das weitere 150 Euro.

Der Einstiegspreis beim 12,9-Zoll-Modell liegt bei 907,33 Euro. Dafür bekommt man auch hier 32 GB Festspeicher. Wer 1.087,33 Euro anlegt, bekommt 128 GB. Und für 1.269 Euro sind es schließlich 256 GB. Eine Mobilfunk-Option für weitere 150 Euro gibt es nur für die Modelle mit 128 oder 256 GB.

Weitere Aufrüstoptionen sind nicht verfügbar. Man kann also nicht den RAM-Speicher erweitern oder sich einen besseren Prozessor auswählen.

Wer Zeichnen will oder aus anderen Gründen einen Apple Pencil nutzen möchte, muss dafür noch einmal 109 Euro anlegen. Apples Hülle mit eingebauter Tastatur gibt es aktuell nur mit US-Tastenbelegung und kostet 169 Euro für das 9,7-Zoll-Modell und 179 Euro für das 12,9-Zoll-Modell. Hier gibt es zugleich Alternativen von anderen Herstellern zur Auswahl. Oder man setzt auf eine Bluetooth-Tastatur.

Auf einen Blick

Vorteile:

  • Ultraportabel — leicht und dünn
  • Leistungsfähigstes Apple-Tablet, Performance auf Laptop-Niveau
  • Einzige Modellreihe, mit der der Apple Pencil funktioniert
  • Hoch aufgelöster Touchscreen
  • 100% als Tablet nutzbar
  • Gegenüber Apple-Laptops: Kamera, Touchscreen, Gyroskop, kein Lüfter, Touch-ID, Mobilfunk-Option

Nachteile:

  • Angepasste Apps derzeit noch rar
  • Generell ist iOS weniger flexibel und offen als OS X
  • Lightning und Kopfhörer sind die einzigen physischen Anschlüsse
  • Geizige Ausstattung mit Festspeicher im Basismodell
  • Wenige oder komplett fehlende Aufrüstmöglichkeiten (Festspeicher, RAM, CPU, Grafik etc.)

Fazit

Ich persönlich hatte bislang nur sehr wenig Zeit, ein iPad Pro auszuprobieren. Ich glaube aber, dass es ein sehr interessantes Gerät für viele Zielgruppen ist. Zudem kann ich mir vorstellen, dass es für so manchen Interessenten das MacBook Air 11 Zoll ersetzen kann. Und vielleicht ist das am Ende auch Apples Plan.

Bei der Leistung muss sich das iPad Pro nicht verstecken und das Display ist schlichtweg beeindruckend. Profis zeigten sich zudem durch die Bank weg begeistert vom Apple Pencil. Die App-Auswahl ist je nach Anwendungsfall derzeit noch eingeschränkt und iOS hat einige Nachteile gegenüber OS X. Wer hier aber trotzdem alles Notwendige findet, kann schon heute bedenkenlos zuschlagen. Ansonsten lohnt es sich, die weitere Entwicklung abzuwarten.

Dieser Text stammt aus meinem kontinuierlich aktualisierten Ratgeber „Alle Apple-Laptops im Vergleich“, den man hier kostenlos lesen oder für 0,99 Euro als Kindle-E-Book kaufen kann. Der Link zu Amazon ist ein Affiliate-Link: Ich bekomme für jeden Kauf eine Belohnung, für die Käufer ändert sich nichts.

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