Keiner davon ist witzig / 2016–12

Winter is coming.

Dies ist die zwölfte Ausgabe des zweiten Jahrgangs von Keiner davon ist witzig, mit Tweets aus dem Dezember 2016.


Die Zahl 19 am Anfang zeigt, dass dieser Tweet Teil einer längeren Serie ist. Aber hier ist Jay Rosens Analyse der Katastrophe, die in den letzten Monaten über den Journalismus hereingebrochen ist, präzise komprimiert auf den Punkt gebracht. Ich empfehle seine ausführliche Bestandsaufnahme.

Ich kann dieses Bedürfnis gut nachvollziehen. Diese Hilflosigkeit, überhaupt nur herauszufinden, was die Anderen eigentlich wollen. Zum Beispiel bei der US-Krankenversicherung, die mich nun zufällig selber betrifft. »Ihr wollt ernsthaft zwanzig Millionen Menschen die Krankenversicherung wegnehmen, aus der prinzipiellen Überlegung heraus, dass der Staat niemanden zwingen darf, Geld für etwas auszugeben?« Ein konservativer Freund hat mir das, nach langem Nachfragen, genau so erklärt. Ayn Rand also. Ich war sprachlos, aber für diese endliche Klarheit dann doch dankbar.

Die Ghostwriting-Idee, und ich glaube, dessen ist sich Martin Lindner vollkommen bewusst, ist anmaßend. Man wird schon geduldiger nachfragen und diskutieren müssen. Und es könnte sich dabei herausstellen, dass viele, vielleicht sogar die Mehrheit, gar keine Demokratie wollen. Diese Tatsache aus demokratischen Gründen zu akzeptieren, ist das Autoimmunvirus der Demokratie.

O ja, man konnte in der Schule, wenn man nur aufpasste, eine Menge lernen. Es war alles da und lag zur Einsicht bereit. Nur man selber war noch nicht da.

Das ist ein Tweet, für den ich gerne die Keine-Zitate-Regel verletzen möchte, mit Dank an den Zitierenden. Hier kann man noch was lernen.

Ich habe im Schock der Wahlnacht zuerst an meine Lage und die meiner Familie gedacht: mein Bleiberecht, mein gutbezahlter White-Collar-Job, die Krankenversicherung, die Ausbildung der Kinder und was sie kosten wird. Dann die Sorge vor Katastrophen: Atomkrieg und Klimawandel. Und dann, zuletzt, habe ich an die Lage von denen gedacht, die weniger privilegiert und verwundbarer sind als ich. Es ist zu erwarten, dass am Ende der schlimmen Jahre, die vor uns liegen, nur diese letzte Sorge berechtigt gewesen sein wird.

Sonderpunkt und Begeisterung für ein gelungenes, überraschendes Bild. Und das auch noch im verminten Terrain der Beziehungen, wo es besonders schwer ist, noch irgendwas neues zu sagen.

Ich glaube, das ist belanglos. Der Bruch, der durch die intellektuelle Landschaft gegangen ist, als der öffentliche Raum sich vor zehn Jahren umstülpte, ist nicht mehr zu kitten. Es war in keiner Weise vorauszusehen, wer den Sprung schaffen würde und wer nicht. Aber ich bin überzeugt, dass jemand, der Twitter nicht anhand des Wortes »Fump!« versteht, auch durch nichts anderes begreifen wird, was in der Gesellschaft, der Kultur, der Intellektualität durch Twitter und all das andere passiert ist. Mehr noch, er wird diese Dinge nicht nur nicht begreifen, er wird auch für sie verloren sein.

Das ändert nichts daran, dass es Blickpunkte gibt, von denen aus nicht diese Überzeugung, sondern ihr Fehlen — der bloße Gedanke, dass es möglich sein könnte, ohne diese Überzeugung auszukommen — das Seltsame ist. Man muss diese Blickpunkte nur einnehmen.

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