Alexa, Tourismus und Open Data: Was wir tun müssen und was wir uns sparen können

Alexa, der smarte Assistent in den Lautsprechern von Amazon, sorgt für Aufregung. Medien sehen eine Zukunft, in der Verbraucher umgeben von Sprachassistenten sind und alle Wünsche mit deren künstlicher Intelligenz austauschen, Verbraucher überlegen, ob sie „Bitte” und „Danke” sagen sollen und Touristiker sich, ob sie ab jetzt nur noch über spezialisierte Touristik-Datenbanken direkt mit den Assistenten kommunizieren sollen. Müssen wir uns also, wie manche sagen, „in erster Linie um die Daten kümmern”?

Die kurze Antwort auf die Frage lautet: Nein. Denn wir arbeiten weiterhin für den Gast — nur dass der jetzt eben einen digitalen Assistenten hat.

Das müssen wir tun:

  1. Spannende Produkte entwickeln: Den Gast kennen und die Stärken der Destination — und daraus Erlebnisse schaffen.
  2. Die Produkte dort platzieren wo die User sind, in den reichweitenstärksten Kanälen.
  3. Die Produkte da bewerben, wo neue potenzielle Gäste erreicht werden. Mit starken mobilen Werbeformate neue Gäste mit hohem Engagement erreichen.

Das können wir uns sparen:

  1. Eine eigene App/einen Alexa Skill/… entwickeln. Die Nutzer haben schon ihre Lieblings-App für unterschiedliche Interessen: Sie heißen Maps, Yelp, Bookings, Tripadvisor, komoot, ….
  2. Eine (Geo-) Datenbank mit Open Data aufbauen. Die gibt es schon: Millionen Leute tragen ihre Daten bei Wikipedia und OpenStreetMaps und — noch wichtiger — führende App-Entwickler nutzen sie als Datenquelle. Statt ein eigenes System zu bauen, das von keinem Entwickler genutzt, sollte man die Daten in den bestehenden Systemen pflegen.
  3. Ein komplexes CMS/DMS/… für alle unsere Daten kaufen und dort die Daten strukturieren und pflegen, schon gar nicht in einem CMS/DMS/Marktplatz, der diese nach eigenen Regeln lizensiert und monetarisiert. Alle Plattformen mit Personal Assistants (Alexa, Siri, Google, Bixby) greifen immer zuerst auf die Informationen der meistgenutzten Apps, Plattformen und deren (teilweise offene) Quellen zu. Dort müssen unsere Daten sein. Korrekt und aktuell.

Welche Assistenten gibt es eigentlich und was mag unser Gast an ihnen?

Tatsächlich nutzen immer mehr Menschen smarte Sprachassistenten. Sie schätzen sie wie einen klassischen persönlichen Assistenten, der ihnen hilft, Alltagsaufgaben zu erledigen. Manche perfekt, viele noch nicht so gut. Und auch wenn Amazons Alexa das größte Medienecho erfahren hat, Googles Assistant und Apples Siri werden schon länger und wesentlich häufiger genutzt: weil sie auf jedem Smartphone vorinstalliert sind. Vor kurzem hat Google auch bei den Smart Speakern den Pionier Echo/Alexa überholt und ist damit über Gerätegrenzen hinweg immer für seine Nutzer da. Alexa muss erst noch den Weg auf’s Smartphone schaffen. Google Assistant lernt auch die Vorlieben seiner Nutzer kennen und stellt sich darauf ein: Von den Toptreffern bei der Suche über die Lieblingsmusik bis zu den am häufigsten genutzten Apps. Für Nutzer zählt die Bequemlichkeit und das reibungslose Erlebnis. Google und Apple sind da noch vorne, aber auch Samsungs Bixby — wenn es mal Deutsch kann — könnte da punkten: weil Samsung einfach so viele Smartphones verkauft.

Haben Assistenten bestimmte Vorlieben?

So wie ein menschlicher Assistent hat auch der digitale Assistent Vorlieben: Bei der Suche nach Informationen schaut er dort, wo die besten Informationen sind, bei den größten Angeboten. Das macht er daran fest, welche Apps am meisten genutzt werden. Sucht er ein Restaurant oder ein Ausflugsziel, findet er es bei Google, TripAdvisor oder Yelp. Das sind die größten Plattformen mit den meisten Nutzern. Hotels findet er bei booking.com, Orte auf der Karte und den Weg dorthin bei Google Maps oder der Karten-App bei Apple. Mit dem Ergebnis der Suche meldet er sich beim Nutzer. Ist der zufrieden, wird er den Dienst wieder nutzen.

Genauso ist es bei Wander- Mountainbike- oder Fahrrad-Touren: Die findet der User bei komoot, der Plattform mit den den meisten Nutzern und dem größten Angebot an Touren, besonders auch in den Ballungszentren, wo sie am häufigsten genutzt wird, weil die meisten Outdoor-Aktivitäten dort gemacht werden wo die potenziellen Gäste wohnen. Komoot war deshalb auch Launch-Partner von Google Now, dem Vorgänger des aktuellen Assistenten von Google. Mit über 6 Millionen registrierten Usern ist die App auf so vielen Geräten installiert, wie keine andere Outdoor-App. Und sie begleitet den Nutzer überall hin — auch auf Reisen.

Und wie sieht es mit Apps aus?

Weil er immer in seiner Nähe ist, kennt der persönliche Assistent die Vorlieben unseres Gastes ziemlich gut. Möchte der zuhause Essen bestellen, öffnet der Assistent für ihn das Bestellformular seiner Pizza-App, sucht er im Urlaub nach einer Wandertour zeigt der Assistent eine Liste von Touren im App-Ausschnitt seiner Outdoor-App — komoot. Und übernimmt die Einstellungen, die er von zuhause kennt. Die Technik heißt App Slices bei Google undSiri Kurzbefehle bei Apple und ist Teil der neuesten Android- und iOS-Versionen.

Jetzt aber zu den Daten. Wo muss was hin — und wie ist das noch mal mit Open Data?

Statt mit großem Aufwand alle Daten und Angebote an einem Ort zu verwalten, und zu hoffen, dass der Assistent diese findet, ist es sinnvoller, die eigenen Angebote dort zu platzieren, wo er sowieso schon ist: bei seinen Top-Adressen. Und das ist gar nicht so aufwändig, wie es scheint. Die meisten Daten sind schon dort, sie müssen nur noch gepflegt werden. Das geht mit einfachen Mitteln völlig kostenlos.

Grundlegenden Orts- und Infrastrukturdaten gehören in die Wikipedia und zu OpenStreetmap. Sie sind perfekt für Open Data und dürfen, laut Definition, „von jedermann ohne jegliche Einschränkungen genutzt und weiterverbreitet werden.” Andere touristische Daten schließt die Definition aus uns sagt, „dass offene Daten keine personenbezogenen Daten oder dem Datenschutz unterliegende Daten beinhalten dürfen.”

1) Google Assistant greift für die Frage nach dem Kleinwalsertal auf Wikipedia zu. 2) Die Informationen zur Üntschenspitze werden aus OpenStreetMap und Wikipedia kombiniert 3) Bei Bildern wird der Urheber und die Lizenz mit angegeben und verlinkt.

Wie weit sich offene Daten verbreiten, zeigt ein kleines Beispiel aus dem Kleinwalsertal: Die Top-Informationen zum Kleinwalsertal findet der Google Assistant in der Wikipedia. Auch zur Üntschenspitze, einem Gipfel in den Allgäuer Alpen gibt es einen Eintrag bei Wikipedia mit Informationstext und Bildern, dazu einen Eintrag mit genauen Orts- und Höhenangaben in der Datenbank von OpenStreetMap. Aus diesen strukturierten Daten können Apps und Dienste die für sie relevanten heraussuchen. So zeigt die Google-Suche den Wikipedia-Eintrag im Suchergebnis an und die Outdoor-App komoot den Eintrag mit genauen Orts- und Höhenangaben aus der Datenbank von OpenStreetMap. Und weil beim Eintrag in der OpenStreetMap der Link zum Wikipedia-Artikel hinterlegt ist, werden auch die dort hinterlegten Kurzinformationen und Bilder angezeigt.

Daten müssen dort sein, wo der Assistent sie sucht — auch auf geschlossenen Plattformen

Bei den meisten anderen touristisch wichtigen Informationen haben sich nicht-offene Plattformen durchgesetzt: Aktuelle Hotelinformationen, verfügbare Zimmer und Preise gehören zu booking.com, Besonderheiten des Hotels, das Restaurant und die Bar lassen sich direkt bei Google Maps, Yelp und TripAdvisor pflegen — mit Öffnungszeiten, Angaben zur Küche und Bildmaterial.

Noch mal zusammengefasst: Was müssen wir tun?

Am besten unterstützen wir Personal Assistants, indem wir die Informationen in den jeweils meistgenutzten Apps zur Verfügung stellen. Dann können alle Assistenten darauf zugreifen und sie an den Nutzer, unseren Gast, weitergeben. Bequemlichkeit und möglichst wenig Reibung. Das zählt.

Und die Bewertungen? Die kommen von ganz alleine, wenn das Produkt stimmt. Womit wir wieder ganz am Anfang wären: Spannende Produkte entwickeln, diese platzieren, wo die Nutzer sind und da bewerben, wo neue Gäste erreicht werden.