Seit Jahren gibt es für die App-Stores von Apple, Google und Microsoft nur eine Marschroute: Wachstum. Doch besonders seit diesem Jahr überschlagen sich die Superlative: Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar (eine 19 mit neun Nullen!), eine App mit der man lediglich ein „Yo“ verschicken kann erhält eine siebenstellige Finanzierung und jeden Tag werden fast 10 Millionen Apps heruntergeladen. Tendenz steigend!
Diese Popularität führt zwangsläufig dazu, dass jeder etwas von dem großen Kuchen abhaben möchte. Und so werden Apps — in Zeiten teurer Immobilien und niedriger Zinsen — auch zum Spekulationsobjekt. Setzt man auf das richtige Pferd winken abenteuerliche Renditen … bei einem Misserfolg allerdings ein Totalverlust.
Der kommerzielle Erfolg kann allerdings auch zur Last werden. So hatte der Entwickler von Flappy Birds das Spiel aus den Stores genommen, weil es „zu erfolgreich“ war. Wie aus dem Nichts wurde es Anfang 2014 zur beliebtesten Handy-App weltweit … und für den Entwickler alles zu viel. Die Anfragen überschlugen sich: Übernahmeangebote, Drohungen, Ankündigung rechtlicher Schritte, und all das im Minutentakt. Das konnten auch die monatlichen Werbeeinnahmen von 1,5 Millionen Dollar nicht mehr schmackhaft machen.
Der Erfolg kommt scheinbar nach dem Zufallsprinzip: Flappy Birds dümpelte monatelang fast unbemerkt in den App-Stores, bevor die Downloadzahlen Ende 2013 plötzlich explodierten. Das Spiel hatte eine veraltete Pixelgrafik, gepaart mit einer schlechten Steuerung und einem frustrierenden Schwierigkeitsgrad … es war quasi unmöglich das nächste Level zu erreichen. Dem Kult tat das auch nach dem Verschwinden der App keinen Abbruch: Auf eBay wechselten Handys mit der vorinstallierten App für vierstellige Beträge den Besitzer.
Der Erfolg lässt sich offensichtlich nicht rational begründen, aber sicher ist, dass er nicht von der Funktionalität einer App abhängt. Mit „Yo“ kann man nur diese einzige Grußformel verschicken … und dennoch wird die App, programmiert in lediglich acht Stunden, zum Bestseller. Was als Aprilscherz des Entwicklers begann, wird nun mit einer Millionenfinanzierung zum ernsthaften Geschäftsmodell.
All das erinnert an die Erfolgsgeschichten aus den Anfängen des Internetbooms … wie zum Beispiel die „Million Dollar Homepage“, auf der eine Million Pixel für jeweils einen Dollar zum Verkauf standen. Die winzig kleinen Web-Werbeflächen waren innerhalb von 138 Tagen ausverkauft und der Ideenfinder Millionär. So wundert es auch nicht, dass — inspiriert von diesen Erfolgsgeschichten — täglich neue Kuriositäten angeboten werden:

Eine Bart-App macht zumindest virtuell den Bart ab, die Staubsauger- und Föhn-Apps beschränken sich auf ein lautes Rauschen, mit „Ceranfeld“ kann man eine Kochplatte (ganz ohne Hitze) auf den Bildschirm zaubern oder mit „Virtuelle Flamme“ einen Kerzenschein simulieren … natürlich viel sicherer als bei einer echten Flamme. Für ein romantisches Candle-Light-Dinner fehlt dann nur noch die 3-Gänge-Menü-App. Ernst zu nehmen ist das natürlich nicht, aber wer weiß, vielleicht wird es ja das nächste große Millionending. ;-)
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