Internet-Stars
… zwischen Karriere, Fans und Abzocke

Internet-Stars sind zwar kein ganz neues Phänomen mehr, aber dennoch ist es interessant zu beobachten, dass sie offenbar keine kurzweilige „Modeerscheinung“ sind, sondern sich daraus ein nicht zu unterschätzendes Geschäftsmodell entwickelt hat. Aus dem eigenen Wohnzimmer heraus — manchmal ist es sogar noch das Kinderzimmer — lässt sich in der heutigen Zeit mit etwas Geschick, Ausdauer und einem Gespür für Trends schon mal eine Karriere als Blogger oder YouTuber starten.
So hat es zum Beispiel auch der 24-jährige Sami Slimani gemacht: Seit 2009 dreht er YouTube-Videos, in denen er Tipps zu Themen rund um Lifestyle, Mode und Beauty gibt. Er möchte möglichst authentisch wirken wie der nette Junge von nebenan oder eben ein „Star zum Anfassen“. Seine Zielgruppe sind dabei in erster Linie Teenies, die ihm mittlerweile in Scharen folgen. Bei YouTube hat er bereits über eine Million Abonnenten und die auch Fangemeinde auf den anderen Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram wächst stetig. Dadurch wird das Online-Geschäft zum Fulltime-Job, von dem es sich sogar leben lässt. So werden laufend neue Videos produziert, Fotos, Tweets und Kommentare gepostet. Die digitale Welt ist sehr kurzweilig und die Fans dauernd hungrig nach mehr. Vor kurzem ist sogar der Musiksender VIVA auf den beliebten Blogger aufmerksam geworden und hat ihn als Moderator unter seine Fittiche genommen. Und nun erscheint Samis erstes Buch, das er zusammen mit seinen beiden älteren Schwestern geschrieben hat — „Das Slimani Prinzip“ verzeichnet bereits vor der Veröffentlichung 25.000 Bestellungen. Die Karriereleiter wird Sprosse für Sprosse und mit klarem Ziel vor Augen erklommen. Außerdem haben die umtriebigen Geschwister die Marke „Maison Slimani“ gegründet — Shoperöffnungen national und international sind in Planung. Die Aussichten, dass auch dieses Unterfangen erfolgreich sein wird, stehen ganz gut. Digitales Zeitalter sei dank, das Internet macht’s möglich!
Auch Bianca Heinicke tummelt sich ziemlich erfolgreich auf YouTube herum, ihre Gefolgschaft zählt stolze 1,6 Millionen Fans. Diese werden regelmäßig über ihren Channel „Bibis Beauty Palace“ mit mehr oder minder interessanten Make Up-Videos und Co. versorgt. Doch dem Publikum scheint es zu gefallen, mittlerweile steht ein professionelles Management hinter der YouTuberin. Durch „verdeckte“ Werbung in den Clips lässt sich eine Menge Geld generieren. Vor kurzem hat Bibi ihren hauptsächlich jungen Followern (Teenagern) eine Uhr für stolze 250 Euro empfohlen. Was viele dabei vermutlich nicht wissen ist, dass sie pro verkauftem Exemplar anteilig 25 Euro verdient.
Diese Tatsache und dass das Management von einer Firma betrieben wird, deren Miteigentümer der Sänger und Schauspieler Tom Beck ist, hat auch Jan Böhmermann auf den Plan gerufen. In seiner Sendung „Neo Magazin Royal“ brachte er das Thema so auf den Punkt: „Indem Bianca Heinicke 13-Jährige dazu bringt, eine 250 Euro teure Uhr zu kaufen, woran Tom Beck kräftig mitverdient, zahlen die Kids letztlich seine Miete“. Das Geschäftsmodell der YouTube-Stars ist für den Moderator somit “eine Mischung aus der Coolness von QVC kombiniert mit der Seriösität und Transparenz von 9Live.”
Hier kann man sich den entsprechenden Ausschnitt der Sendung noch einmal ansehen:
https://www.youtube.com/watch?v=WinDf_5G9Ps
Und wie das im Netz eben so ist, des einen Freud ist des anderen Leid! Das Video mit Jan Böhmermanns Vorwurf macht im Moment blitzschnell die Runde auf YouTube, Twitter und Co. … Darüber sind einige sicher nicht sehr erfreut. Aber die Internetwelt ist so kurzlebig, dass auch das schnell wieder Schnee von gestern sein wird und die YouTube-Stars weiter in gewohnter Manier fröhlich Clips für ihre Fangemeinden produzieren können …