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Stehen die großen Namen der Beratungsbranche nur für große Skandale?

Die Beratungsbranche steht wieder einmal im Fokus der Kritik.

KPMG legte den Streit um die 1,3 Milliarden schwere Klage wegen Verfehlungen im Auditverfahren von Carillion bei. Im Zuge der Aufarbeitung der Opioid-Krise in den USA, einigte sich McKinsey auf eine halbe Milliarde außergerichtlicher Entschädigung. Deloitte zahlte über 900.000 britische Pfund nach Verfehlungen in Hinblick auf die Prüfung von SIG. Bain Consulting ist in Großbritannien für mehrere Jahre gesperrt und kann an keiner öffentlichen Ausschreibung teilnehmen auf Grund von Bains Verhalten in Südafrikas Korruptionsskandal. Betrachtet man die Geschichte von Accenture bzw. Andersen Consulting und deren Aktivitäten bei der Vernichtung von ermittlungsrelevantem Material für die SEC im Enron-Skandal, so stellt sich einem schnell eine Frage: wie können solche Skandale verhindert werden und was kann Ihre Organisation hiervon lernen?

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Problem

Eines vorab: Pauschalisierungen helfen nicht. Viele Köpfe in diesem Beratungsorganisationen sind intelligent und leisten sehr gute Arbeit. Zudem tragen die größten Mandate auch stets das größte Risiko in sich. Es gilt somit sich differenziert mit der Sache auseinander zu setzen.

Einige Aspekte jedoch sind immer noch immanent, wenn man die großen Beratungsfirmen betrachtet.

1) Non-Diversität. Das Beratungsgeschäft ist weiß. So bitter dies klingt, so klar ist die Realität. Auch wenn sich immer mehr Mühe gegeben wird, ein anderes Bild abzugeben und besonders in nach außen sichtbaren Positionen diverser zu werden, so zeigt die Datenlage, dass die Mehrheit immer noch weiß und aus privilegiertem Akademikerfamilienhintergrund stammt. Non-diverse Teams treffen nachweislich schlechte bzw. schlechtere Entscheidungen.

2) Toxische Arbeitskultur. Die Arbeitszeiten sind immer noch jenseits jeglicher normal nachvollziehbarer Stundenmengen. Möchten Sie Ratschläge von Menschen erhalten, welche durch Schlafmangel ohnehin kaum zu einer klaren Entscheidung in der Lage sind und Ihnen daher meist Standardlösungen präsentieren, welche zuvor bei anderen Kunden verkauft wurden? Das Prinzip der langen Arbeitszeit und der Ansatz dies als positiv darzustellen ist ein bereits langanhaltendes Problem.

3) Einsatz von Personal ohne Erfahrung. Immer noch werden Personen von der Ausbildungsstätte, meist eine Hochschule oder Universität, direkt in die Beratungswelt geschickt. Wie dies möglich ist, verschließt sich vielen bis heute. Wer keine reale Arbeitserfahrung und die dazugehörige Praxis mitbringt, ist nicht in der Position anderen Menschen zu sagen, welche Handlungen vorzunehmen sind. Die hier in den Organisationen oft vorhandenen Widerstände sind klar nachvollziehbar und durch klare Fakten belegbar. Das Ersetzen von Wissenssubstanz und Erfahrung durch Selbstbewusstsein ist ebenso wenig zielführend wie es durchschaubar.

Hinzu kommen noch Aspekte wie sogenannte „politische Mandate“, eine Art Pseudo-Beratung, bei welchem bereits von dem Auftrag gebenden Seite klar umrissen wird, welches Beratungsergebnis man sich wünscht (Praxisbeispiele und mehr hier im dieswöchigen Podcast; Link siehe unten).

Lösungsansätze

Um die genannten Probleme zu lösen, bedarf es umfassender Schritte, welche in der Implementierung keinesfalls einfach sind. Besonders auf Kundenseite jedoch ist zu beachten, dass diese Aspekte erfüllt sind, da ansonsten ein hohes Risiko besteht, dass Sie kein optimales Beratungsergebnis erhalten.

Beachten Sie, dass mindestens folgende, sehr grundlegenden, Aspekte erfüllt sind:

1) Bildungsbiografien beachten. Nicht alle Personen starten mit dem gleichen Hintergrund, den gleichen Chancen, den gleichen Möglichkeiten. Eine Person, welche sich den Weg aus dem prekären Milieu zum Bachelor-Abschluss erarbeitet hat, erreichte mehr als jene, welche aus privilegiertem Hintergrund mit Anfang bzw. Mitte zwanzig einen Master-Abschluss Zudem sind Leistungen auf vielfältige Art und Weise möglich. Nicht ohne Grund wurden mittlerweile zum Beispiel Meisterqualifikationen dem Bachelor gleichgestellt. Klar ist: wohlklingende Labels sagen mehr über soziale Herkunft als über Fähigkeiten aus. Als Autor dieser Zeilen halte ich selbst Leistungsnachweise der Harvard University, der Yale University, vom MIT. Nichtsdestoweniger ist das Anerkennen von Bildungsbiografien zielführender.

2) Nachhaltige Arbeitskultur. Stellen Sie klar, dass Sie ziel- und ergebnisorientiert arbeiten. Wenn Sie glauben, dass die meist hohen Tagessätze von Beratungsfirmen zwingend mit extrem langen Arbeitsstunden verbunden sein müssen, so werden Sie selbst Teil des Problems. Definieren Sie Ziele klar, beachten Sie hart messbare (KPIs, Key Performance Indicators) und weiche Faktoren (CSFs, Critical Success Factors) hierbei.

3) Erfahrung ist zwingend erforderlich. Eine Beratung kann nicht rein auf der Theorie basieren. Auch wenn eine nicht unerhebliche Menge an Wissen branchenübergreifend einsetzbar ist, daher stammt der oft zu kurz kommende interdisziplinäre Austausch im professionellen Umfeld, so ist eine Realpraxiserfahrung im Arbeitsumfeld nicht durch theoretische Ausbildungen ersetzbar. Im Optimalfall lassen Sie sich von Personen beraten, welche zudem das Ausland nicht nur von Entsendungen kennen, sondern internationale Erfahrung durch Wohnortswechsel und Integration dort kennengelernt haben. Ein diverser Hintergrund durch die Person oder deren Lebenslauf ist für eine hohe Beratungsqualität zwingend erforderlich.

Wenn Sie diese Aspekte beachten, dann können Sie zumindest davon ausgehen, dass Sie nicht Teil einer großen Enttäuschung mit hoher Rechnung werden. Es gilt stets ein Grundsatz: Diversität und Praxiserfahrung bei gleichzeitig exzellentem Wissensstand sind der Schlüssel für eine herausragende, praxisnahe und sehr gut umsetzbare Beratungsleistung.

Mehr zum Thema exzellenter Beratung und Führung im dieswöchigen Podcast: Apple Podcasts / Spotify.

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Niels Brabandt
Leadership Magazine by Niels Brabandt / NB Networks

Niels Brabandt is in business since 1998. Helping managers to become better leaders by mastering the concept of Sustainable Leadership. Based in Spain & London.