Wie mir ein 500-Kilometer-Fahrradtrip durch Schottland geholfen hat, mein Online Business zu starten


Es ist der 1. Juli, der erste Tag ohne meinen Job. Seit diesem Tag bin ich in Vollzeit selbständig und sollte — nach der klassischen Vorstellung — idealerweise 24/7 an meinem Business arbeiten. Stattdessen sitze ich in einem Flugzeug nach Edinburgh, um 10 Tage lang mit dem Fahrrad durch die schottischen Highlands und Hebriden zu touren. Ich spüre Angst vor der Ungewissheit der Selbständigkeit und frage mich, ob es nicht naiv und völlig fehl am Platze ist, sofort los zu reisen.

Aber: Was blauäugig und nach fehlendem Fokus auf das Wesentliche klingt, hat mir letztendlich den idealen Start ins Online Entrepreneurship gegeben. Auf welche Weise diese Erfahrung so wertvoll für mich war, möchte ich hier mit dir teilen.

Die Angestellten-Welt hinter mir lassen

In meinen letzten Tagen im Büro häuften sich die Fragen meiner Kollegen, womit ich denn in Zukunft mein Geld verdienen würde. Die meisten bekundeten Interesse, fügten aber hinzu, dass sie das ja viel zu unsicher und anstrengend fänden.

Die Sicherheit aufgeben? Der klassischen Karriere als Software-Entwicklerin entsagen? Wozu das alles?

Die festgefahrenen Denkmuster und Vorgehensweisen der konventionellen Arbeitswelt hinter sich zu lassen ist vielleicht eine der wichtigsten und unterschätztesten Entwicklungen auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmer. Sich gleich zu Beginn für eine Weile aus der gewohnten Umgebung herauszulösen, begünstigt und beschleunigt diesen Prozess.

Edinburgh

Inspiration

Reisen macht (mich) mutig und kreativ. Unbekannte Landschaften, Städte und Menschen kennenzulernen und mit einer (wenn auch nur leicht) anderen Kultur konfrontiert zu sein, hilft mir immer wieder, die Dinge aus einer neuen, vorurteilsfreien Perspektive zu betrachten.

Ohne die stets mitschwingende Erwartungshaltung eines vertrauten sozialen Umfelds wird das eigene Denken befreit und dadurch viel mutiger, wagnisvoller. Ich traue mich in solchen Situation viel eher, Ideen auszuarbeiten, die ich in “normalen” Verhältnissen als zu verrückt verwerfen würde.

Eine Erinnerung an das Warum

Der Beginn wohl jeder Selbständigkeit steckt voller Zweifel — an der eigenen Business-Idee, den eigenen Fähigkeiten und der Frage nach der Motivation. Auch ich habe mich seit meiner Kündigung drei Monate zuvor fast permanent gefragt, ob die Selbständigkeit wirklich der richtige Weg ist und ob ich nicht auch anders (lies: einfacher) “glücklich” werden könnte.

All diese Zweifel waren an diesem ersten Tag nach dem Job besonders präsent. Wäre ich einfach zu Hause geblieben, ohne zur Arbeit zu gehen, wäre ich vermutlich in eine Schockstarre aus Angst und Zweifel gefallen.

Stattdessen genoss ich das Gefühl, mich an einem fremden Ort sofort wie zu Hause zu fühlen. Dieses ausgefallene Abenteuer zu erleben hat mich auf besonders intensive Weise daran erinnert, warum ich mich für ein Online Business und das digitale Nomadentum entschieden habe. Und genau das war unglaublich wichtig und kam genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ausblick vom höchsten Punkt zwischen Staffin und Uig auf Skye

Herausforderungen meistern und die eigene Komfortzone verlassen

Zu all dem kommt natürlich die enorme physische Herausforderung, die die schottische Landschaft mit sich bringt. Schon nach dem ersten Tag und — vergleichsweise wenigen — 53 Kilometern durch die angeblich “leicht hügelige” (für meine norddeutschen Verhältnisse: extrem bergige) Landschaft bekam ich das zu spüren.

Doch jedem Anstieg folgte die grandiose Abfahrt auf der anderen Seite des Berges — etwas, das in vielen Bereichen des Lebens gilt. Nach 60 Kilometern gegen orkanartigen Wind auf der Isle of Lewis & Harris hatte ich keine Ahnung wie ich es noch 10 weitere Kilometer bis nach Stornoway schaffen sollte. Mangels Alternativen habe ich es trotzdem geschafft und das Gefühl, über sich hinaus zu wachsen ist einfach unbezahlbar — auch im Unternehmertum.

Erfahrungen wie diese machen süchtig — und eine gesunde Portion Selbstvertrauen mit einer kleinen Prise Übermut macht die ersten Schritte in der Selbständigkeit erst erträglich.

Kilt Rock auf Skye

Fokussiertes & effizientes Arbeiten

Trotz 6 Stunden und mehr pro Tag im Sattel setzte ich mir zum Ziel, mindestens 2 Stunden pro Tag an meinem Business zu arbeiten. Das ist gerade in der Anfangsphase nicht viel. Umso bedeutender war also die Auswahl der “richtigen” Aufgaben. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass die bewusste Verknappung der eigenen Arbeitszeit eines der mächtigsten Produktivitäts-Tools ist. Wenn pro Tag nur Zeit für ein bis zwei Aufgaben ist, gilt es, die mit dem größten Impact zu wählen und konsequent zu erledigen.

Fazit

Für mich war die intensive und neuartige Erfahrung meiner Schottland-Reise ideal um mein Mindset zu resetten, Energie und Inspiration zu sammeln und mich darauf zu besinnen, warum ich mich eigentlich auf die Achterbahn des Entrepreneurships und digitalen Nomadentums begeben habe.

Trotz der vielen Stunden im Fahrradsattel habe ich erfolgreich mein Business gestartet und die ersten Kunden gewinnen können. Wenn du erfahren möchtest, wie es mit meinem Business weitergeht und vielleicht selbst WordPress verwendest, schau auf meiner Website hootproof.de vorbei. Über meine Erfahrungen als frisch gebackene digitale Nomadin und ortsunabhängige Selbständige schreibe ich übrigens auf meinem Blog ameliasjourney.de.

PS: Die Idee zu dieser Fahrradreise hatte ich dank dieses Artikels. Meine genaue Route (auf die Bildunterschrift klicken um zur Karte zu gelangen):

Meine Route durch Schottland