Bauboom am Stadthafen 1

Ausgabe #1 | 15: September 2015

Hafentor, Josef Kuhr Immobilien, Kleihues + Kleihues, Baubeginn 2017

An keinem anderen Ort in Münster ändert sich das Stadtbild zurzeit so schnell wie am Stadthafen I. Wo in den 1960ern noch bis zu 1,3 Millionen Tonnen Güter jährlich umgeschlagen wurden, bauten Investoren ab den 1990ern den „Kreativkai“. In den nächsten Jahren wird sich die Nutzfläche durch Neubauten nahezu verdoppeln.

Positive Ergänzung zum Stadtbild

Dr. Christian Krajewski arbeitet am Institut für Geographie der WWU Münster vor allem zu Fragen der Stadt- und Regionalentwicklung. Mit dem Stadthafen beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren. Foto: Privat

Herr Krajewski, ist die Geschichte des Hafens Münster eine Erfolgsgeschichte?

Im gesamten Hafenbereich existieren heute ca. 3.000 Arbeitsplätze. Von den rund 250 am Hafenweg ansässigen Unternehmen und Einrichtungen lassen sich mehr als 50 Prozent der Kreativwirtschaft zuordnen. Zwischen 1997 und 2010 sind in die Neu- und Umbauten und die Gestaltung der Flächen bald 400 Millionen Euro investiert worden. Die Einbindung von münsterschen Akteuren hat dabei zu einer kontinuierlichen wie stabilen Erneuerung beigetragen. Das Stadtbild ist so um eine Imagefacette ergänzt worden, die in positivem Kontrast zum traditionellen Bild Münsters mit dem Alleinstellungsmerkmal Altstadt steht.

Welche Auswirkungen wird der Um- und Ausbau der Südseite haben?

Mit der Zentrale des Superbiomarktes und der Schaukäserei entstehen zurzeit neue Nutzungen in interessanten Bauten. Auch nach Abzug des Gefahrgutlagers von Lehnkering 2016 wird es auf der Südseite keine Wohnbebauung geben, da die gewerbliche Ausrichtung erhalten und der Kraftwerkstandort der Stadtwerke gesichert werden soll. Da auch keine weitere Gastronomie auf der Südseite geplant ist, erwächst keine neue Konkurrenz für den Kreativkai oder die Innenstadt.

Infografik, Recherche: Henrik Oerding, Plan: Architekturbüro Manfred Bukowski

Wie wird Ihrer Meinung nach der Hafen in zehn Jahren aussehen?

Vermutlich wird die Entwicklung am Hafen durch das Wachstum der Stadt an Dynamik gewinnen. In zehn Jahren werden wir auf dem ehemaligen Osmo-Areal hoffentlich ein attraktives, mischgenutztes Quartier haben, in dem auch Wohnraum für verschiedene Einkommensklassen geschaffen wurde. Die Südseite wird ihr Gesicht stärker in Richtung Büronutzung verändern. Die Schaffung von Möglichkeitsräumen für ein urban-kreatives Milieu ist für die Weiterentwicklung des Standortes von zentraler Bedeutung. Für die weitere Entwicklung bildet die durch Bürgerbeteiligung im „Hafenforum“ begleitete Fortschreibung des Masterplans „Stadthafen“ eine gute Grundlage, um den Weg einer zukunftsfähigen Quartiersentwicklung weiter zu beschreiten.

Interview: Henrik Oerding