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Ausgabe #1 | 15. September 2015

Gin-Cocktail Kirschgrün, entdeckt im Lux Eine Kreation aus „Bulldog Gin“ mit zurückhaltender Wacholder-Note und mit zwölf Gewürzen aus acht Ländern verfeinert. Zitrone, Lavendel und Koriander herrschen hier vor. Er ist vierfach destilliert und mit 40 Vol.-Prozent ein typischer London Dry Gin. Für Kirschgrün zieht darin die Grüntee-Mischung „Green Chill“ aus Verbene-Blättern, weißem Chinatee, Lemongras, Krausminze und griechischen Bergkräutern. On the rocks angerichtet gesellen sich zu dieser Mischung Kirschlikör, Zitronenjuice und Angostura Cherry Bitters. Foto: Lux

Gin hat sich in unsere Köpfe und Kehlen getröpfelt. Obwohl: Eher kann von einem breiten Gin-Fluss die Rede sein. Möglich, dass das an seiner Geschichte liegt, die als Genever vor mehreren Jahrhunderten als Medizin für Magen und Nieren begann — „rein für die Gesundheit!“. Vielleicht mögen wir auch, dass Queen Mum stets ihre Liebe zu diesem Getränk bekannte. Sicher ist: Gin ist nicht gleich Gin. Und so sehr wir reinen Wacholder wertschätzen: Es lohnt sich, genauer hin- und „ginzuschmecken“.

Cold Brew Gin Tonic, probiert im Rotkehlchen
Der Gin wird mit Tonic Water und Cold-Brew-Kaffee im vorgekühlten Glas mit reichlich Eiswürfeln vermengt. Wie Cold-Brew-Kaffee zubereitet wird? Gemahlenen Kaffee auf einen Liter kaltes Wasser geben und etwa 24 Stunden ziehen lassen. Filtrieren und kühl lagern. Hört sich kompliziert an? Schmeckt aber einfach. Einfach genial. Fotos: Marie Rausch.

160 Ginsorten, 18 Tonics, davon eines hausgemacht aus Gewürzen. „Getränke-Köchin“ Marie Rausch aus dem „Rotkehlchen“ an der Wasserstraße gilt mit ihrer Bar (der mit dem drittgrößten Gin-Angebot in ganz Deutschland!) als die münstersche Expertin für Gin schlechthin. Sie sieht im Revival der klassischen Barkultur den Auslöser für den Gin-Hype der letzten Jahre.

„Werft bitte nicht in jeden Gin ’ne Gurke!„ (Marie Rausch)

Denn Gin gehört seit eh und je zu den wichtigsten Elementen. Natürlich nicht irgendein Gin! Sondern mehrere Sorten. Und allein stehen sie auch nicht da. Denn vor allem im Longdrink „Gin und Tonic“ liegt die Kraft der Kombination, die schon manche lange Nacht genussvoll bis zum Morgengrauen gestreckt hat.

Apropos lange Nacht: Gemeinsam mit Erna Tosberg, in Münster und weit über die Grenzen hinaus als großartige Barista der Roestbar bekannt, entwickelte Marie den „Cold Brew Gin Tonic“, einen erfrischenden Longdrink mit Koffein-Spezialeffekt, perfekt für feine Zungen und nicht enden sollende Stunden an der Bar.

Was ist denn nun dran im Gin — oder drin?

Grundsätzlich ist Gin ein Branntwein, klar und hochprozentig, dem Wacholder zugefügt wird. Die Variationen entstehen durch zugegebene „Botanicals“ wie Kräuter und Gewürze, Beeren, Rinden und Samen, Früchte, Schalen und Wurzeln. Bis zu einem Dutzend Ingredienzen runden den Geschmack ab. Und je nach Gin-Aroma kommt dann das ebenfalls fein akzentuierte Tonic hinzu. Ein subtiles Spiel, das erfahrene Barleute ständig um Variationen erweitern.

Dass das Gin-Revival noch lange anhalten wird, ist so sicher wie die Gurke im Hendrick’s. „Aber es gibt auch viele andere aufregende Getränke“, beteuert Rotkehlchens Marie und schwärmt von alten Barbüchern, neuen Mixturen und von anderen Zutaten-Klassikern wie etwa Rum. Ein Schelm, wer bei den vielen Genüssen an ihren Nachnamen denkt. Zum Wohl!

„Getränke-Köchin“ Marie Rausch aus dem „Rotkehlchen“ ist absolute Gin-Expertin. „Nach uns die Ginflut“ scherzt sie oft mit ihrem Barkollegen Claus. Sie bietet Gin-Begleitungen für die Menüs in ihrem Restaurant und auch reine Gin-Tastings an — dafür kommt sie gern auch zu Ihnen und Ihren Gästen nach Hause. Foto: Marie Rausch

Die Fünf wichtigsten Sorten:

London Dry Gin

London steht nicht für die Herkunft, sondern für die Machart: Alle Kräuter und Zusätze müssen gleichzeitig in den Alkohol gegeben, nach der Destillation darf nichts hinzugefügt werden. Schmeckt kräftig nach Wacholder!

Dry Gin

Schmeckt ebenfalls vorrangig nach Wacholder, mit feiner Würze. Die Botanicals werden hier nach und nach zugefügt. Wie beim London Dry ist die Zugabe von Zucker verboten!

Old Tom Gin

Eine der Ursprungsvarianten mit schöner Geschichte: Während des Gin-Hypes im 18. Jahrhundert unterstützte Wilhelm III. die Destillation. Außen an den Wänden der Londoner Tavernen wurden Holzplatten in Form einer schwarzen Katze (einer Old Tom Cat) angebracht. Passanten warfen einen Penny in das Maul der Katze und bekamen vom Barkeeper über einen Schlauch zwischen den Katzenpfoten einen Schluck Old Tom Gin kredenzt.

Sloe Gin

Eigentlich ein Gin-Likör, der aus den Beeren der Schlehe hergestellt wird. Er ist trüb, rötlich und eher mild mit einem Alkoholgehalt von nur 15 bis 30 Vol.-Prozent Alkohol.

Plymouth Gin

Anders als beim London Dry Gin ist hier tatsächlich die geografische Herkunft der Namensgeber. So erklärt sich auch die Legende vom inoffiziellen Hausgetränk der britischen Marine-Flotte. Mit Koriandersamen, Zitronen- und Orangenschalen, Angelikawurzel, Kardamomschoten und Schwertlilienwurzel ist er eher lieblicher als die meisten seiner Gin-Brüder.

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LUX

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TIDE BAR

An der Germania Brauerei 5,
48159 Münster
Telefon 0251 4188730
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Text: Britta Heithoff