Tea Time

Ausgabe #1 | 15. September 2015

Genusszeit: „Kommst du noch auf einen Kaffee mit hinauf?“ Bei all der Vielfalt vom Espresso bis zum Cold Brew, nach den Diskussionen über frisch geröstete Bohnen und das Für und Wider von Pad über Siebträger und Kapsel bis hin zum guten alten, neuen Handfilter könnte man meinen, dass nur Kaffee in aller Munde ist. Doch weit gefehlt. Tee ist ein großes und spannendes Thema, an dem wir für dieses Heft voller Genuss genippt haben. Foto: Kösters

Münster hat in Sachen Teekultur viel zu bieten. Gut sortierter Fachhandel sorgt für exzellente Produkte und das passende Equipment, ausgesuchte Gastronomie serviert köstliche Spezialitäten in angemessenem Ambiente und erfahrene Teemeister bieten Tastings und Einführungen in die wichtigsten Themen und Zeremonien an. Wir meinen: Jetzt ist die Zeit für guten Tee!

GOLDGELB, KLAR UND DAMPFEND … so wird der Tee Ihnen munden. Tabu im guten Schwarztee ist Zitrone, sie zerstört das Aroma. Grundsätzlich gilt: Je feiner der Tee, desto weniger gehört hinein. Vielleicht verkosten Sie Ihre Tasse auch mal ganz pur mit geschlossenen Augen und schmecken genauer hin?
KANN EIN INSTANT- GRÜNTEE QUALITATIV HOCHWERTIG SEIN?
Ja, er kann. Der Premium Instant Gyokuro Sencha aus Uji, Japan, verdient seinen Kosenamen „Grünes Gold“. Er stammt von der Hauptinsel Honsh, wird als gemahlenes Pulver in 60 Grad heißes Wasser eingerührt, schmeckt nussig, leicht fruchtig und hat Kraft.

Grundsätzlich bezeichnen wir all das als Tee, was als Aufgussgetränk nach Übergießen von Pflanzenteilen wie Blättern, Knospen, Blüten, Früchten, Stängeln, Rinden oder Wurzeln entsteht.

Eine übergeordnete Bedeutung spielt hier die „Camellia sinensis“, der immergrüne Strauch der Teepflanze, der unter natürlichen Bedingungen bis zu 15 Meter hoch werden kann, in den Kulturen aber buschartig auf etwa einen Meter Höhe beschnitten wird. Die Qualität von Tee ist abhängig von der Lage des Anbaugebietes, der Auswahl der Blätter, dem Zeitpunkt der Ernte, der Sorgfalt der Verarbeitung und natürlich von der Kunst desjenigen, der ihn zubereitet.

Egal ob schwarzer, grüner, weißer, roter oder gar gelber Tee, es kommt beim Genuss immer auf die Güte des Produkts und die exakte Zubereitung an. Spezielle Teekannen und -tassen erhöhen den Genuss. Je nach Kultur gehört zum Tee auch die passende Speise. Während bei der japanischen Teekultur etwa grüne Schokolade gereicht wird, genießen britische Tea-Freaks Sandwiches und Scones zu ihrer Tasse.

Für all diejenigen, die jetzt Lust auf eine gute Tasse Tee bekommen haben, haben wir im Folgenden drei münstersche Spezialisten „herausgefiltert“, die interessante Gesprächspartner, versierte Kenner und leidenschaftliche Teegenießer sind.

Sabine Vaaßen arbeitet als Ernährungsberaterin und orientiert sich mit ihrem Unternehmen „bauchgefühlt“ an den fünf Elementen der traditionellen chinesischen Medizin. Sie liebt in diesem Zusammenhang auch den Einsatz und Genuss von Tees und kennt sich aus mit den Wirkungsweisen, etwa den thermischen Unterschieden von Kühlen und Erwärmen, mit Gerbstoffen, Säuren und individueller Bekömmlichkeit. Neben ihren umfassenden Beratungen via www.bauchgefuehlt.de ist sie jeden Donnerstag für Gespräche und Fragen zu Tee in der Ernährung bei „Gschwendner“ an der Salzstraße 59 anzutreffen. Foto: S. Vaaßen
Ralf Kleimann ist als Konditorensohn „mit Stövchentee aufgewachsen”. Familienbedingt und von klein auf ist er ein „Genusstyp” und fragt sich stets: Was schmeckt wie? Und warum? So geriet er mit Ende zwanzig in Worpswede in eine Fortbildung des Teeproduzenten Ronnefeldt, kam auf den Geschmack und arbeitete zweieinhalb Jahre lang als Tea-Taster in der Teehandelsstadt Bremen. In Münster bietet er in seinem Café hervorragende Tees perfekt zubereitet und zusätzlich regelmäßig Tea-Tastings an. Dort vermittelt er ein Basiswissen über Tee — samt Spezialwissen über die Finessen der Verkostung. Foto: Peter Leßmann
Alexandra Gombault ist „Teamaster Gold mit Auszeichnung“ und bekennende Tee-Enthusiastin. Auf einer achttägigen Teefortbildung in Sri Lanka besuchte sie Teeplantagen, erlebte die gesamte Herstellung und hat sogar selbst im Monsunregen gestanden und Tee gepflückt. Im Chesa Rössli im Mövenpick Hotel bietet sie auch in diesem Herbst und Winter wieder jeden Sonntag von 14:30 bis 17 Uhr eine genussvolle Teezeit mit traditionellen Leckereien des britischen Afternoon-Teas wie Scones mit Clotted Cream, Sandwiches sowie Feingebäck an — und natürlich mit edelsten Tees, soviel der Gast mag. Nur mit Reservierung unter Telefon 0251 8902628. Foto: Mövenpick Hotel Münster

Ein Besuch bei einer Meisterin der japanischen Teekunst am Spiekerhof in Münster

„Es gibt drei Sünden im Leben: Gier, Geiz — und schlechtes Teewasser“, zitiert Anita Leusder einen Teil der japanischen Teephilosophie. Die in Japan ausgebildete Teemeisterin führt seit sechs Jahren ihr Geschäft Yamamichi in Münster, seit drei Jahren davon am Spiekerhof. Sie legt Wert auf Perfektion, von Wasserqualität und -temperatur bis zum geeigneten Geschirr soll jedes Detail stimmen. Die Teeblätter werden ihr alle zwei Wochen frisch aus Japan geliefert und in speziellen Kühlschränken aufbewahrt. Natürlich kommen sie von ausgewählten Plantagen, die alles in Bio-Qualität ohne Geschmackseinbußen nach Münster liefern.

Das Teezimmer bei Yamamichi bietet Platz für fünf Personen. Er wird für Teezeremonien allen Umfangs genutzt — auch für lange Abendessen mit Fisch aus Japan, der in der Hausküche frisch zubereitet wird. Foto: Britta Heithoff

Da jede Kleinigkeit den Geschmack verändern kann, muss die Teezubereitung gelernt werden. Anita Leusder bietet dazu Kurse an, bereits in einer halben Stunde Unterricht kann man viel lernen. Wer lieber eine japanische Teezeremonie im stilvollen Ambiente genießen möchte, kann Yamamichis japanisches Teezimmer reservieren, auf Wunsch serviert die Geschäftsführerin auch passende Speisen. Etwas Schokolade gibt es aber immer: „Zum Tee braucht man etwas Süßes!“, so Leusder. Ihre Kunden schätzen das einzigartige Geschäft, sie kommen aus Russland, Frankreich oder aus anderen deutschen Großstädten. Dennoch bleibt sie bescheiden, sie will keinen großen Rummel. Lieber ausgewählte Produkte für ausgewählte Kunden — ganz japanisch.

Abwarten und Teetrinken?

Wir meinen: abwarten nein, Tee trinken ja! Gönnen Sie sich in allernächster Zeit das Vergnügen, guten Tee perfekt zubereitet und auf Ihre individuellen Vorlieben abgestimmt zu genießen. Denn: Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen. (T’ien Yi-Heng aus „Das Kochen von Quellwasser“).

Teekauf in Münster

Tee und Tassen, Kannen und Kluntjes kaufen Genießer zum Beispiel hier:

TEA TIME
Ludgeristraße 68, 48149 Münster | Telefon 0251 9745644
www.teatime-muenster.de

MOCCA HAUS
Rothenburg 53–54, 48143 Münster | Telefon 0251 46094
www.moccahaus.de

TEE GSCHWENDNER
Salzstraße 59, 48143 Münster | Telefon 0251 58772
www.teegschwendner.de

KÖSTERS WOHNKULTUR
Prinzipalmarkt 45/46, 48143 Münster | Telefon 0251 414230
www.koesters-wohnkultur.de

YAMAMICHI
Spiekerhof 27, 48143 Münster | Telefon 0251 5340122
www.yamamichi-ms.de

WOCHENMARKT MÜNSTER
Tee Pollak, Tee Pudlizewski, Der Teeladen | Mi. und Sa. Domplatz, 48143 Münster

TEEHAUS TROPIC
Spiekerhof 32, 48143 Münster | Telefon 0251 9829620

Text: Britta Heithoff