Vier im Quartier

Ausgabe #1 | 15. September 2015

Foto: Bernhard Fischer.

Durch den Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur und durch die Investitionen in die Museen der Universität bildet sich an der Pferdegasse ein Museumsquartier. Die öffentlichen Flächen rund um das neue LWL-Museum haben die Menschen in wenigen Monaten bevölkert. Das zeigt, welches Potenzial die Aufwertung des Areals für die Stadt haben wird.

Die Zeiten, in denen noch Pferde durch die Pferdegasse galoppierten, sind vorüber. Man sieht vornehmlich Studenten auf ihren Fahrrädern, das anliegende Fürstenberghaus ist geisteswissenschaftliches Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität. Spätestens seit der Neueröffnung des LWL-Museums für Kunst und Kultur im Herbst vergangenen Jahres eroberte die Öffentlichkeit die Plätze und Wege um das Museum. Dieser Effekt könnte sich auf das ganze Quartier ausweiten, wenn die drei Uni-Museen und die Plätze und Wege auf dem Campus in neuem Glanz erstrahlen. Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums, begrüßt die neuen Passanten: „Gut ein Jahr nach der Neueröffnung unseres Museums freue ich mich immer wieder über die vielen Flaneure, Treppen- und Restaurantgäste, die unsere Vorplätze an der Rothenburg und den öffentlichen Durchgang durch den offenen Innenhof und das Foyer voll eingenommen haben. So als hätte der Platz nie anders ausgesehen!“

Die Wurzeln diesen Quartiers liegen bereits im 19. Jahrhundert, als der preußische Staat verstärkt den Ausbau von Museen förderte. In der Folge entstand in Münster sowohl 1824 der Vorgänger des heutigen Geomuseums, das „museum mineralogicum et zoologicum“, als auch 1836 im Stadtkeller am Prinzipalmarkt das Museum des Westfälischen Kunstvereins. Ersteres zog 1880 in die Landsberg’sche Kurie, wo es auch noch heute beheimatet ist, Letzteres 1908 als „Landesmuseum für die Provinz Westfalen“ in den heutigen Altbau des LWL-Museums am Domplatz. In der Zwischenzeit war 1883/4 auch das Institut für klassische Archäologie der Universität samt Museum gegründet worden. Damit hatte Münster plötzlich drei Museen auf engstem Raum. Doch die Vorstellung eines gemeinsamen Quartiers ist jung. Universität und Landschaftsverband arbeiten erst seit einigen Jahren an einem gemeinsamen Konzept, das die Häuser miteinander verbindet.

Entsteht hier ein neues Kulturviertel?

„Wenn ab kommendem Jahr das neue Geomuseum Passanten anlockt, wird auch die Pferdegasse selbst noch stärker als Verbindungsachse vom Aegidiimarkt zum Domplatz genutzt“, so Arnhold. Die Geschichte hinter dem Geomuseum ist durchaus außergewöhnlich. Im Jahr 2008 ließ die Uni Münster Design- und Architektur-Studenten der Fachhochschule einen Neuentwurf erstellen. Wo an anderen Orten solche Vorschläge freundlich beklatscht und dann für immer in eine Schublade gepackt werden, ging Rektorin Professor Dr. Ursula Nelles einen anderen Weg: Das Konzept der Studenten wurde umgesetzt, diese gründeten das Planungsbüro DBCO und sind nun für den Umbau federführend. Ihr Plan sieht dabei das Museumsquartier als Ganzes mit den Freiflächen als Verbindungspunkten.

So wird nicht nur der Innenhof der Landsberg’schen Kurie renoviert, auch bekommen Museumsbesucher und Münsteraner künftig Orte zu sehen, die den meisten bisher völlig unbekannt waren. An der Rückseite des Bibelmuseums wird ein gepflasterter Platz entstehen, an dem nicht nur der Weg zum neuen Haupteingang des Museums liegt, sondern der auch den Weg zum „Study Garden“ freigibt. Er entstand für die Skulpturprojekte 1987 und wurde seitdem kaum genutzt. In Zukunft wird er im Herzen des Museumsquartiers liegen und entsprechend einfach zu erreichen sein.

Die Zeichnung der Architekten zeigt die Bedeutung der öffentlichen Plätze (farbig) zwischen den drei Museen der Universität. Zeichnung: DBCO Münster

Blickfang des Geomuseums wird das Fenster mit Sicht auf das Ahlener Mammutskelett. Damit dieser Blick nicht durch den bisher eher unansehnlichen Fürstenbergplatz getrübt wird, will die Universität auch den Platz neu gestalten. Damit wird dann auch das Archäologische Museum im selben Haus stärker an die anderen Museen angebunden. Hier wird sich die Ausstellungsfläche nahezu verdoppeln. Zu den Exponaten gehört dann auch eine jüngst restaurierte altägyptische Mumie.

Öffentlicher Zugang spielt auch für das LWL-Museum für Kunst und Kultur eine zentrale Rolle. Nach Diskussionen konnte sich der Entwurf durchsetzen, der einen offenen Innenhof vorsieht. So ist heute das Foyer von der Seite des Aegidiimarktes und vom Domplatz frei zugänglich, zur Pferdegasse führt ein Eingang durch den Museumsshop. Sobald 2016 Bibel- und Geomuseum wieder öffnen, ist in Münsters Mitte damit ein ganz neues Viertel entstanden, das immense Wichtigkeit für die Stadt und ihr Bild haben wird. Museumsdirektor Arnhold bringt es auf den Punkt: „Ich würde mich freuen, wenn interessierte Kulturgäste, neugierige Flaneure und die Münsteraner die momentan dort herrschende Dominanz von Bussen und Autos ablösen.“

Text: Henrik Oerding