Meet Dr. Thomas Hering at Lungenarztpraxis Tegel (German)

Meet Dr. Thomas Hering, a specialist for lungs and bronchial medicine (pulmonology) at Lungenarztpraxis Tegel. Hear his views on health care, the patient in the digital age, and the pharmaceutical industry.

medicinisto.com
Oct 20, 2017 · 5 min read
Listen to the podcast (german, 8 min)

Nana: Guten Tag! Wir sind heute bei Herrn Dr. Hering, hier in seiner Praxis. Mein Name ist Nana Bit-Avragim von Medicinisto. Herzlichen Dank (Herr Dr. Hering) für diese Möglichkeit hier heute bei Ihnen zu sein und mit Ihnen sprechen zu können.

Stellen Sie sich bitte vor: Wer sind Sie, was machen Sie, welche Fachinteressen haben Sie, in welchem Fachbereich arbeiten Sie?

Dr. Thomas Hering: Mein Name ist Thomas Hering, ich bin Lungenfacharzt und ich arbeite in der Praxis seit nahezu 30 Jahren. Der große Schwerpunkt (meiner Arbeit) ist die Betreuung von Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen also Asthma und COPD. Hier habe ich einen Schwerpunkt im Hinblick auf die besonders schweren Verlaufsformen.

Mein ganz besonderes Interesse gilt der Tabakentwöhnung — vor allem für COPD-Patienten. Die Tabakentwöhnung ist für diese Patienten, die eigentlich wichtigste Maßnahme überhaupt. Gleichzeitig ist die Tabakentwöhnung aber in Deutschland mit sehr vielen Barrieren versehen, und die erste Barriere beim Patienten ist natürlich seine Suchtstruktur. Danach ist es aber so, dass die Behandlung der Tabakabhängigkeit dem Patienten schwer gemacht wird, und mein großes Interesse ist es, diese Barrieren zu überwinden, sodass diese wichtigste Behandlungsform dem Patienten tatsächlich zur Verfügung steht.

Nana: Wie sehen Sie die Entwicklung des Gesundheitssystems in Berlin und in Deutschland? In welche Richtung gehen wir weiter? Wo sind wir momentan?

Dr. Thomas Hering: Also im Internationalen Vergleich würde ich sagen, haben wir ein hervorragendes Gesundheitssystem mit einer enorm niederschwelligen Verfügbarkeit aller Versorgungsebenen. An manchen Stellen denke ich, dass die Verfügbarkeit schon fast zu groß ist, dass eine Luxus-Inanspruchnahme stattfindet. Das führt wiederum zu einer extremen Termindichte für den vorsorgenden Arzt und damit zu einer Zeitnot. In anderen Ländern in denen die Verfügbarkeit nicht ganz so groß ist, ist die Zeit pro einzelnem Termin für den Arzt größer und damit die Intensität mit der er dann im einzelnen behandeln kann besser.

Das sind aber Dinge, die wir als Ärzte selbst schlecht kalibrieren können, sondern wir sind da in einem Ordnungsrahmen der ebenso funktioniert wie er eben funktioniert.

Nana: Das Thema Digitalisierung in der Medizin ist aktuell überall zu finden. Also, alle sprechen von der Digitalisierung. Es bewegt viele Menschen: Patienten sowie gesunden Menschen aber auch Politiker die im Bundestag sitzen und darüber sprechen. Wie sehen Sie die Entwicklung in diesem Bereich? Sehen Sie sich oder die nächste Generation als digitale Ärzte oder sind wir noch nicht so weit?

Dr. Thomas Hering: Ich glaube, dass die digitalen Entwicklungen unsere Arbeit sehr unterstützen können, sie niemals aber ersetzen können. Die Digitalisierung wird die Arbeit, die Ärzte mit Patienten leisten, ohne Frage erleichtern. Wir werden eine bessere Informationsgewinnung über die Patienten haben. Wir haben eine erleichterte Dokumentation und einen besseren Überblick über die Patienten, sodass wir bessere Entscheidungen treffen können. Am Ende bin ich aber zutiefst davon überzeugt, dass die persönliche Beziehung, die wir realisieren wenn wir tatsächlich gemeinsam beieinander sitzen, nicht ersetzbar ist ja?

Ich glaube, dass Modelle wie E-Mail, (online) Termine, oder Video-Sprechstunden etc. in das Arzt-Patienten-Verhältnis eindringen werden, aber es letzten Endes niemals wirklich prägen werden. Mein Wunsch ist es, die persönliche Beziehung zum Patienten zu behalten, und ihm möglichst dieses Angebot auch machen zu können. Gerade in einer Gesellschaft in der die Patienten ja immer älter werden. Es ist ja ein großer Gewinn, dass wir eine zunehmende Lebenserwartung haben, und das bedeutet aber dass gerade wir Ärzte, die wir Chronisch-Patienten behandeln, es mit immer älteren Patienten zu tun haben, die ihrerseits immer stärker kognitiv eingeschränkt sind. Diesen Patienten muss ich mit all meinem Sensorium persönlich zur Verfügung stehen, um wirklich zu verstehen was ich für sie tun kann. Und das kann ich, so ist meine Wahrnehmung, nur wenn ich mit dem Patienten auch wirklich direkt persönlich zusammen bin.

Nana: Das sehe ich genauso. Denken Sie, dass der Zugang zu Möglichkeiten viele Lebensparameter zu messen, die Situation von Patienten erleichtert? In dem sie mit einer Menge Daten zu Ihnen kommen und sagen: Ja, ich habe das gemessen, und das gesehen.

Wird das Verhältnis und der Dialog zwischen Arzt und Patient viel effektiver und leichter in der Zukunft?

Dr. Thomas Hering: Ja, ich denke das ist so. Tatsächlich ist es zum Teil auch eine gewisse Überlastung, weil oft sehr diffuse und ungeordnete Informationen in die Sprechstunde mitgebracht werden. Aber auf der anderen Seite ist für den Patienten das Vorstrukturieren, das Lernen über das eigene Problem schon eine große Hilfe. Und auch in der Altersversorgung kann er selbst wenn er körperlich behindert ist, wenn er nicht mehr gut bewegungsfähig ist, sich autonomer im Gesundheitssystem bewegen.

Und diese Autonomie bis ins hoher Alter, ist etwas, was wir nicht hoch genug schätzen können.

Nana: Mit Ihrer 30 jährigen Erfahrung haben Sie sicherlich viel mit der Pharmaindustrie gearbeitet? Wie sehen Sie die Verhältnisse momentan? Arbeiten Sie gerne mit der Pharmaindustrie, und wenn ja oder nein, wie kann sich die Zusammenarbeit die in der Zukunft entwickeln?

Dr. Thomas Hering: Die Pharmaindustrie ist für das Arbeitsfeld indem ich arbeite, also innere Medizin im weitesten Sinne, die Hälfte des Erfolges. Das muss man ganz klar sagen. Es wäre vollkommen unsinnig, hier eine Distanz zu halten die ich überhaupt nicht gerechtfertigt sehe. Die Pharmaindustrie produziert Arzneimittel die für uns einen ganz wesentlichen Teil unseres Behandlungserfolges darstellen, und deswegen brauchen wir da eine hohe Nähe.

Auf der anderen Seite gibt es Elemente unserer Behandlung, in die die Pharmaindustrie nicht involviert ist. An denen das ökonomische Interesse nicht so groß ist, also für die Jungen und Potential Kunde zum Beispiel die Risikominderung über die Tabakentwöhnung.

Daran gibt es kein ökonomisches Interesse, entsprechen hat diese Modalität einfach keine Lobby. Oder nehmen sie das Bewegungstraining, eine äußerst effektive Modalität der Behandlung, für die wir im Grunde auch keine Lobby haben und für diese Unterstützung bräuchten. An dieser Stelle spielt die Pharmaindustrie einfach keine Rolle. Wir würden uns wünschen, an der Stelle eine größere Unterstützung zu haben, um diese Behandlungsmöglichkeiten den Patienten viel leichter zur Verfügung zustellen.

Nana: Vielen vielen Dank. Das war sehr interessant bei Ihnen zu sein.

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