Anleitung zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne

Bei so vielen Projektideen stellt sich irgendwann die Frage nach dem lieben Geld. Wie lässt sich das eigene Projekt finanzieren? Diese Frage wird sich, wahrscheinlich Ende Jahr, bei meinem Projekt ebenfalls stellen. Crowdfunding ist hierfür besonders im Kultur- und Kreativbereich ein beliebter Weg. Im Jahr 2015 wurden 27.3 Millionen Franken in der Schweiz mit Crowdfunding an erfolgreiche Projekte vermittelt und das Volumen wächst dabei jährlich. Aber nicht jedes Projekt ist mit Crowdfunding erfolgreich und bekommt das gewünschte Geld zusammen. 
In diesem Artikel zeige ich Dir meinen Weg, wie ich eine erfolgsversprechende Crowdfunding-Kampagne lancieren werde.

«In der Schweiz wurden im Jahr 2015 CHF 27.3 Millionen für 1'342 Kampagnen vermittelt.»

Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ (HSLU) nimmt diesen Markt hierzulande jährlich näher unter die Lupe. Dafür werten sie sämtliche aktive Plattformen in der Schweiz aus und stellen ihre Resultate in einem Bericht zusammen. Aus diesen Daten und Berichten leitet sich meine Anleitung zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne ab.

Was ist überhaupt Crowdfunding?
Crowdfunding nennt man eine Form der Finanzierung von Projekten über das Internet. Das Konzept dafür ist, dass meist eine grössere Anzahl von Menschen Geld für soziale, kulturelle und kommerzielle Projekte auftreibt. Die Position des Vermittlers zwischen Geldgebern und Geldnehmern übernimmt eine internetbasierte Crowdfunding-Plattform.

«all-or-nothing» oder «keep-it-all»

Es gibt zwei typische Auszahlungsmodelle bei Crowdfunding-Kampagnen: «all-or-nothing» oder «keep-it-all». Beim Ersten erfolgt die Auszahlung der Gelder nur, wenn die vorweg definierte Zielsumme erreicht wird, sonst fliesst alles gesprochene Geld wieder zurück an die Unterstützer. Beim Zweiten erhalten die Projektinitianten alle Gelder, die bis zum Ende der Kampagne gesammelt wurden.

Kategorien
Das Crowdfunding kann man anhand der Gegenleistung in vier Kategorien unterteilen. Diese kann entweder monetär oder nicht-monetär sein. In einem monetären System bekommen die Geldgeber eine Entschädigung für ihre Investition in Form von Zinsen (Crowdlending) oder einer Unternehmensbeteiligung (Crowdinvesting). Bei der nicht-monetären Entschädigung erhalten die Geldgeber entweder eine Dienst- oder Sachleistung oder gar keine direkte Gegenleistung. Beim Crowdsupporting, wie es bei den Plattformen wemakeit oder 100days der Fall ist, kommen je nach Projekt beispielsweise eine Einladung zur Plattentaufe oder eine persönliche Postkarte als Gegenleistung in Frage. Abbildung 1 zeigt die verschiedenen Formen des Crowdfunding anschaulich. Meine Anleitung konzentriert sich auf die Form des Crowdsupporting.

Abbildung 1: Source: IFZ, Crowdfunding Monitoring 2016.

In sieben Schritten zum Erfolg

  1. Stadt, Land, Geldfluss
    Wohnst Du in einer Stadt, ist die Chance für ein erfolgreiches Projekt bereits höher als gegenüber einer ländlichen Verankerung. Je näher Du möglichen Geldgebern bist, desto eher investieren sie in Dein Projekt. Die durchschnittliche Distanz von erfolgreichen Kampagnen in urbanen Gebieten liegt bei nur 12 Kilometer. (IFZ, 2016)
  2. Freunde, Familie und Deine Hood
    Es ist immens wichtig von Deinem ganzen sozialen Umfeld Unterstützung zu erhalten. Darüber hinaus ist es hilfreich die grosse Werbetrommel in Deinem näheren geografischen Umgebung zu schwingen. Der lokale Aspekt zieht bei den meisten Geldgebern.
  3. Sommerloch
    Der Monat für Deinen Kampagnen-Launch ist zentral, so überlege Dir gut, wann Du Deine Kampagne startest. Die 5 erfolgversprechendsten Monate sind Januar bis April und der Juni. Die Sommermonate sind demzufolge eher zu meiden.
  4. Kampagnendauer
    Die Dauer der eigenen Kampagne kann man meist selber festlegen. Eine 30-tägige Dauer weist die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit gegenüber längerer Laufzeiten auf. Jedoch werden generell längere Laufzeiten für eine höhere Zielsumme gewählt, was auch durchaus Sinn macht. Die durchschnittliche Zielsumme bei 30-tägigen Kampagnen liegt bei CHF 4'000, während 45-, 60- und 90-tägige Kampagnen im Mittel CHF 5'555, 7'648 respektive 11'000 anstreben (IFZ, 2016).
  5. Sprachgewandt
    Es lohnt sich die eigene Kampagne mehrsprachig aufzubereiten und zu präsentieren. Kampagnen die auf Deutsch, Französisch und Englisch vorgestellt werden, haben durchschnittlich eine höhere Erfolgschance: so erreichst Du einerseits eine höhere Reichweite mit Deinem Projekt und anderseits zeigst Du einen Effort, der geschätzt wird.
  6. Erster Kampagnentag
    Der erste Tag Deiner Kampagne ist zentral, versuche da und generell im ersten Drittel möglichst viele Gelder reinzubekommen. Im mittleren Drittel fliessen erfahrungsgemäss weniger Gelder, lass Dich dadurch nicht verunsichern. Ein Schlussspurt mit Promotion lohnt sich auf jeden Fall, da dann erfolgreiche Kampagnen nochmals stark zulegen können.
  7. Projekt-Inszenierung
    Wie überzeugst Du am besten Deine möglichen Geldgeber? Eine (nicht repräsentativen) Umfrage des IFZ gibt hierfür spannende Einblicke über die Wichtigkeit von den einzelnen Elementen einer Crowdsupporting-Kampagne. In der Abbildung 2 übersichtlich dargestellt.
    Dabei kam heraus, dass grossen Wert auf die Projektbeschreibung gelegt wird. Dahinter folgen die Beschreibung des Geldnehmers sowie eine allfällige persönliche Bekanntschaft mit dem Geldnehmer. Erst auf dem vierten, beziehungsweise auf dem fünften Platz folgen die Elemente Foto und Video. Interessant ist dies deshalb, weil oftmals angenommen wird, dass potentielle Geldgeber beim Studieren der Crowdfunding-Kampagne hauptsächlich ein Video anschauen möchten und den Text nur als Ergänzung sehen. Offensichtlich wird in der Realität aber sehr wohl Wert auf einen informativen Projektbeschrieb gelegt — so hau in die Tasten und viel Glück!
Abbildung 2: Wichtigkeit unterschiedlicher Elemente einer Crowdfunding-Kampagne
(rechts befindet sich der Durchschnitt der Werte; Trifft voll und ganz zu = 5 / Trifft zu = 4 / Weder
noch = 3 / Trifft nicht zu = 2 / Trifft überhaupt nicht zu = 1), Source: IFZ, Crowdfunding Monitoring 2016.

Quelle: 
Marktstudien des IFZ: https://hslu.ch/crowdfunding