Doist-CEO Amir Salihefendic

„Twist macht nicht stresssüchtig!“

Die Kommunikationsplattform Twist will dem übermächtigen Slack als Team-Messenger Konkurrenz machen. Wir baten Doist-CEO Amir Salihefendic ergänzend zu unserem ersten Test zum kurzen Plausch.

Amir Salihefendic ist Erfinder der Aufgabenverwaltung Todoist, die er ab 2007 zunächst als Nebenprojekt neben der in Asien nach wie vor sehr erfolgreichen Microblogging-Plattform Plurk betrieb. Inzwischen bedient Todoist laut Unternehmensangaben weltweit über 8 Millionen Nutzer — und gedieh zur Vollzeitbeschäftigung. Das Entwicklerunternehmen Doist beschäftigt mittlerweile über 50 Mitarbeiter. Amir Salihefendic wurde in Bosnien geboren und kam mit sechs Jahren als Flüchtling nach Dänemark.

Amir, Twist betritt einen jungen, aber bereits heiß umkämpften Markt. Was hebt das Programm von seinem Hauptkonkurrenten Slack ab?

Slack ist ein fantastisches Produkt, gar keine Frage. Das Problem ist aber nicht Slack als Programm selbst, sondern vielmehr das Kommunikationsmodell, das es repräsentiert. Slack hält Nutzer zu sofortigen Antworten an. Sie müssen also immer Angst haben, etwas zu verpassen und daher immer online sein. All dies produziert eine Kultur, die ständige Erreichbarkeit über gute Arbeit stellt. Da wundert es nicht, dass Slack-Nutzer laut einem Artikel im „Time“-Magazin durchschnittlich zehn Stunden am Tag in der App verbringen.

Ich glaube daher, dass asynchrone Kommunikation die Zukunft für eine ebenso produktive wie gesunde Teamarbeit darstellt. Twist stellt Ergebnisse über Erreichbarkeit. Ich sehe Twist daher als Teil einer weltweiten Rückbesinnung auf gehaltvolle Arbeit.

Das sind hohe Ziele …

Klar, aber schauen wir uns mal die wirkliche Produktivität in unserer heutigen Welt an, merken wir, dass da etwas komplett falsch läuft. Statt durch moderne Technik immer produktiver zu werden, ist das Gegenteil der Fall. Der Grund dafür liegt im Suchtverhalten, das unseren Umgang mit Technik bestimmt. Dadurch verlernen wir, uns zu konzentrieren und wirklich wertige Ergebnisse zu erzielen. Mit Twist wollen wir daher ein Werkzeug erschaffen, das eine bessere Kommunikation ermöglicht , ohne Stresssüchtige zu erzeugen.

Das klingt, als sei Twist vor allem das Ergebnis eigener Anforderungen, Bedürfnisse und Erfahrungen.

Doist ist eine „Remote-Company“, unsere Mitarbeiter arbeiten also von verschiedenen Teilen der Welt aus. Aus Todoist wurde 2011 eine Vollzeitbeschäftigung, und als unser Team langsam größer wurde, wuchsen auch die damit bedingten Herausforderungen an die Kommunikation über verschiedene Zeitzonen hinweg. Wir versuchten diese Probleme mit Slack in den Griff zu bekommen. Das Ergebnis: Slack entpuppte sich als eine gleichsam intransparente wie unproduktive Art und Weise, um fünfzig Leute in zwanzig Ländern miteinander zu verbinden. Da wir zu keinen befriedigenden Lösungen kamen, fassten wir den Vorsatz, ein gänzlich neues Werkzeug für die Teamkommunikation zu schaffen, das sich auf ruhige, organisierte und produktive Kommunikation konzentrieren sollte.

Wann startete die Entwicklung?

Vor zweieinhalb Jahren. In dieser Zeit haben uns fast 10.000 Betatester geholfen, Twist zu verbessern, sodass wir die App nun öffentlich machen können.

Werden Twist und Todoist noch weiter zusammenwachsen?

Das ist sogar eines der wichtigsten Ziele für die fortschreitende Entwicklung von Twist. Wir betrachten Twist und Todoist tatsächlich als ein Ganzes, als ultimatives gemeinsames Kollaborationswerkzeug für die Verwaltung von Aufgaben und Kommunikation.

Twist verwaltet seine Kommunikation in Threads. Slack macht dies seit Kurzem ebenfalls möglich.

Die Thread-Implementation in Slack ist zwar okay, ich bezweifle jedoch, dass sie den Ansatz des Programms wirklich verändert. Die Kommunikation in Threads ist nichts, was man irgendwie nachträglich anflicken sollte — diese Philosophie muss vielmehr von Anbeginn der Entwicklung den Kern des Gesamtprodukts ausmachen. Wir haben Twist um die themengebundene Kommunikation herum gebaut. Gute Threads ermöglichen die sorgfältige Entwicklung von Ideen und erzeugen ein wertvolleres Feedback darauf.

Twist beinhaltet bereits seinen ersten Chatbot. Was ist damit möglich?

Wir sind von der Entwicklung artifizieller Intelligenz sehr fasziniert. Im vergangenen November veröffentlichten wir etwa die Funktion „Smart Schedule“ für Todoist, die Vorschläge zur Neuplanung von Aufgaben macht. Unser erster Bot Ada soll zum echten Helfer für Twist-Nutzer gedeihen. Wir „unterrichten“ ihn dahin, dass er eine Schlüsselrolle im Kommunikationsfluss spielt.

Vielen Dank und alles Gute für Twist!


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