Drängeln und Quetschen am Main

Das “MUF” ist viel gescholten — und dennoch stets gut besucht.

Same procedure as every year: Heiteres Drängeln und Quetschen links und rechts des Mains

Mit dem Frankfurter Museumsuferfest (gemeinhin schlicht als „MUF“ bekannt) verhält es sich ein wenig wie mit den Schoko-Nikoläusen und Marzipankartoffeln, welche ab dem Spätsommer die Regale im Supermarkt zieren. Jeder regt sich darüber auf („das wird ja jedes Jahr früher!!!“), aber kaufen tun die Leute das Zeug trotzdem. Logo – denn wo keine Nachfrage, da auch kein Angebot.

Und genauso schimpft ein jeder darüber, dass das Museumsuferfest ja sowieso heillos überfüllt sei und ohnehin gleich sowieso lediglich aus Sauferei, Fressbuden, Lärm und Gedränge bestünde.

Und dennoch strömten die Massen in Form von 2 Millionen Besuchern auch dieses Jahr nur so ans Mainufer. Ganz so schlimm und unzumutbar kann der Besuch des Fests dann nun wohl doch nicht sein. Wo kein Interesse, da keine Menschenmassen – ihr wisst schon….


Lebendiger Stadtraum am Main — anderswo wäre man neidisch…

Nun begab es sich, dass ich ausgerechnet am Tage der durch OB Feldmann feierlich vollzogenen Eröffnung des “MUF” eine dreistündige Mittags-Pause in einer der Perlen Ostdeutschlands, namentlich Halle an der Saale, verbringen durfte. Klar, dass ich diese gern dazu nutzen wollte, die Stadt ein wenig zu erkunden.

“An der Saale” — das klang für mich ein wenig wie “am Main”, und somit war für mich mein Ziel ganz klar: Über die Altstadt, welche mit ihrem Nebeneinander von dürftig renovierten DDR-Plautenbauten im Wechsel mit prächtigen, wunderschönen Altbauten einen bizarren Abnblick bietet, marschierte ich zum Saaleufer. In der Hoffnung, dort einen ebenso schönen Platz zum Entspannen zu finden, wie es am Mainufer überall problemlos nötig ist.

Kaum das Ufer der Saale erreicht, musste ich aber feststellen: Pustekuchen. Nix da mit Idylle am Fluss, stattdessen: Steile Betonklippen, keine Wiese weit und breit in Sicht. Mittelschwer entsetzt nahm ich kehrt und kehrte ein in einem Café, um mich meiner Zeitungslektüre zu widmen.

“Die Saale ist tot. Ich vermisse schmerzlich meinen Rhein!”

Dabei kam ich mit der netten Bediensteten ins Gespräch, welche sich als junge Studentin aus Köln herausstellte. “Ja”, seufzte sie. “Das Rheinufer fehlt mir hier genauso sehr wie vermutlich dir der Main. In Halle trifft man sich selten einfach draußen, und an der Saale gleich gar nicht. Wo denn schließlich auch?”.

Zurück in Frankfurt: Aufgehübscht und frisch gemacht, ab an den Main. Schön wieder hier zu sein, wenn auch mitten im zu erwartenden Gedränge des “MUF”.

Die Eindrücke aus Sachsen-Anhalt noch im Kopf, verstehe ich aber all das Genöle nicht.

Können wir nicht endlos froh darüber sein, ein solch lebenswertes Ufer beleben zu dürfen? Wissen all die Meckernden es nicht zu schätzen, für lau (!!) ganze drei Tage lang ein derartiges Kultur-Spektakel geboten zu bekommen? Sich an drei Tagen lang Musik, Ausstellungen, Kulinarischem aus aller Welt und gar einem Drachenboot-Rennen erfreuen zu dürfen?

Nein, stattdessen beschwert man sich über die Menschenmassen, Preise — oder einfach darüber, dass der vermeintliche Lärm der Bühnen bis hinauf ins Nordend zu hören sei. Vermutlich äußern in den einschlägigen Facebook-Gruppen genau diejenigen zugezogenen Nordendler (Hurra, Klischee!) sofort pikiert über das Fest, die ansonsten Freitags gegen den Friedberger Markt wettern.

Leute, bleibt cool. Es ist ja nun nicht jeden Tag Ausnahmezustand am Main. Und ist das stets gescholtene Gedränge nicht irgendwo selbst verschuldet?

Wieso schiebt man sich ziellos durch die Massen, um den vermeintlich perfekten Ort des Geschehens zu finden — statt sich vorab die Mühe zu machen, ins Programmheft zu schauen (gibt es sogar online!)? Sich einfach gemäß des eigenen Geschmacks für eine der zahlreichen Programmpunkte zu entscheiden und dort den Abend zu verbringen, das Leben zu feiern und den Sommer zu genießen?

Ich werd’s wohl nie verstehen. Und freue mich darüber, gleich drei tolle Abende beidseitig des Mains erlebt zu haben.

Gekommen sind letztendlich trotz der hochsommerlichen Temperaturen stolze 2 Millionen Besucher. Ist das nicht eine tolle Werbung für unsere Stadt?

Abgeschlossen wurde das Fest dann in guter, alter Tradition mit einem Musikfeuerwerk, das europaweit seinesgleichen suchen dürfte (und ich mag ja Feuerwerk). Ich wiederhole mich an dieser Stelle gern: Für lau.


Welche Stadt kann schon mit einem solchen Spektakel aufwarten — und das alljährlich?

Gänsehaut-Moment: Das alljährliche Abschlußfeuerwerk des “MUF”.

Ein klitzekleines bisschen Dankbarkeit wäre hier angebracht, denke ich. 
Und all diejenigen, die sich immer noch über das “MUF” ärgern mögen: Verbringt euer nächstes Wochenende doch einmal in Halle an der Saale.

Ich jedenfalls freue mich bereits jetzt auf das nächste “MUF” 2017.