Und irgendwie dann doch vermisst…

S-Bahnen rollen wieder durch die Stammstrecke

Die meisten Dinge im Leben lernt man ja erst zu schätzen, sobald man sie verloren hat. Nun haben die Frankfurter ihre S-Bahn zwar nur zwischenzeitlich verloren:

Zwecks Sanierung des 1978 eröffneten Stammstreckentunnels der S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Lokalbahnhof bzw. Mühlberg war für den Zeitraum der hessischen Sommerferien der innerstädtische S-Bahn-Betrieb sechs stolze Wochen lang eingestellt.

Schlau von der Bahn: Weil eh schon mal Ruhe war im Tunnel, nutze man die Zeit gleich dazu, Vorbereitungsarbeiten für den Anschluß eines elektronischen Stellwerkes zu tätigen, welches 2018 in Betrieb genommen werden soll.

Diese sind nun pünktlich (an der Deutschen Bahn könnte sich die VGF einmal ein Beispiel nehmen!) abgeschlossen; seit 25.August rumpeln die S-Bahnen wieder unter der Innenstadt hindurch.


S-Bahn-Bashing hat Tradition

Nun ist es ja so, dass sich der durchschnittliche Frankfurter mindestens genauso gern und regelmäßig über „seine“ S-Bahn aufregt wie über das überlaufene Museumsuferfest, wuchernde Mietpreise und den überaus teuren, dafür umso schlechteren Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt:

Meist hoffnungslos überfüllt sei sie, die Stationen verdreckt, innen ist’s wahlweise zu heiß (Sommer) oder zu kalt (Winter), unfähiges Personal – und ohnehin ständig zu spät: Geschimpft und verbal eingedroschen wird wahrlich viel.

Und ich gebe unumwunden zu:

Auch bin war regelmäßig schwer genervt von Zugausfällen, den harten Sitzen (sofern ich mal einen ergattern konnte) und dem endlosen, nervigen Dauer-Gequatsche des Fahrgastinformationsystems der neuen S-Bahn-Triebzüge der Baureihe ET430.

Sechs Wochen ohne S-Bahn: Das klang für mich zunächst durchaus aushaltbar und fast wie Urlaub.

Diese sind nun vorbei, und ich gelobe feierlich: Ich werde mich künftig tunlichst zurückhalten beim Meckern!

Nach anderthalb Monaten des Ausweichen-Müssens auf Straßen- und U-Bahn musste ich nämlich feststellen: Nein, es ist nicht alles schlecht bei dir, liebe S-Bahn. Und ja, ich bin gar unendlich froh darüber und erleichtert, dass du wieder fährst, pardon: verkehrst.


Was also ist passiert?

Angenehmer temperiert

Ich habe festgestellt, dass der Wohlfühl-Faktor in U-Bahnen gänzlich OHNE Klimaanlage dann doch maßgeblich geringfügiger ausfällt als in S-Bahnen mit immerhin schlecht eingestellter Klimaanlage.

Weitere Erkenntnisse:

Ausfälle

Auch Straßenbahnen fallen genauso gerne mal ersatzlos aus wie die S-Bahn. Letztere informiert die ungeduldig Wartenden aber immerhin, statt sie unwissend, ratlos und frierend am Bahnsteig zurückzulassen.

Der Kampf mit dem Fahrrad

Ich hätte fast vergessen, welch Qual es bedeutet, mit dem Drahtesel Straßenbahnen oder U-Bahnen älteren Typs zu besteigen. Die Einzige für das Abstellen von Fahrrädern vorgesehene Fläche ist meist von Kinderwägen oder Herumstehenden besetzt. Aber ohnehin, ein Durchkommen zu dieser Fläche ist ja sowieso aufgrund der zahlreichen Mitreisenden unmöglich. Stattdessen verhakt man sich permanent mit dem Lenker in den Haltestangen und blockiert unfreiwillig die Türen. Mit diesem Verhalten provoziert man dann für gewöhnlich bürgerkriegsähnliche Zustände während der Aus- und Zustiege.

Nun bin ich froh, wieder jede Menge Platz für mich und mein geliebtes Fahrrad zu haben. Auch muss ich andere Fahrradbesitzer nicht mehr als Konkurrenten fürchten, weil ausreichend Stellfläche vorhanden ist. Zu der dann auch ein Durchkommen meist möglich ist.

Die S-Bahn ist einfach praktisch

Der Sinn und Zweck einer Stadtschnellbahn, kurz: S-Bahn, ist es für gewöhnlich, Stadt und Umland umsteigefrei und hochfrequent zu verbinden. Innerstädtisch sind die Linien (in Frankfurt mit Ausnahme der S7), in einer Stammstrecken gebündelt. Dies ermöglicht eine noch höhere Taktung sowie eine Vielzahl an Fahrtmöglichkeiten in das Umland.

Ein ziemlich geniales Konzept, eigentlich! Leider betrachtet man dessen Vorzüge schnell als selbstverständlich – ja, bis die S-Bahn dann mal Pause macht und man anstelle von der S-Bahn nun uumso genervter über ständiges Umsteigen, Umwege und Fahrzeitverlängerungen ist.

Mein Fazit

Ich gelobe feierlich, dich künftig mehr zu schätzen, liebe S-Bahn. Es ist doch nicht alles schlecht an dir, zumindest ist’s woanders schlechter oder auch nicht besser. Und wenn ich das nächste Mal einmal wieder kurz vor einem Tobsuchtsanfall stehe, weil du mich ärgerst, dann werde ich mich einfach an die zurückliegenden sechs Wochen erinnern.

Und mich schnell wieder daran erinnern, wie schön es ist, dass es dich gibt.

DANKE, DASS DU WIEDER FÄHRST!