Marken, Menschen und das Leben

Mein erster Artikel hier auf medium.com, und das bewusst in deutscher Sprache für das deutschsprachige Publikum. Texte in englisch gibt es hier ja bereits zahlreiche.

Wir sind eine Marken-, Design- und Lifestyle-Agentur aus Karlsruhe. In dieser Publikation schreiben wir auf der einen Seite über unser eigenes Tun, aber vor allem auch über das Thema Marken, Menschen und die damit verbundenen natürlichen Mechanismen.

Foto: Nicholas Green > https://unsplash.com/@nickshotz_

Zukunft – eine Enttäuschung

Irgendwie habe ich mir die Zukunft, die Globalität als kleiner Junge total anders vorgestellt. Meine Großmutter hatte in ihrem Schrank damals ein Buch mit dem Titel “Die Welt im Jahr 2000”. Als ich dieses in der Hand hatte, schrieben wir so ungefähr das Jahr 1977/78. Damals war ich total fasziniert von all’ den futuristischen Fotos, die uns die Welt im Jahr 2000 näher bringen sollten. Doch als ich dann älter wurde und das Jahr 2000 erreicht war, musste ich an dieses Buch denken und war eher enttäuscht als fasziniert.

Das Bild des Buches hatte mit der Realität schon etwas zu tun, doch diese Realität hatte nichts faszinierendes mehr. Sie kribbelte nicht, meine Neugier war dahin, alles schien irgendwie normal. Was fehlte?

Denke ich heute dahin zurück, dann fehlte mir in fortgeschrittenem Alter zur Jahrtausend-Wende eindeutig meine kindliche Fantasie, die ich mit 7 oder 8 Jahren hatte. In diesen Kinderjahren hätte ich mir in meiner Fantasie einfach eine eigene neue Geschichte über das Jahr 2000 ausgemalt – meine Geschichte. Und genauso sollten auch Unternehmen und Marken immer wieder ihre eigene Geschichte formen ohne dabei ihre Fantasie zu verlieren.

Welche Geschichte träumt Ihr gerade?

Verspielt bleiben

Obwohl ich mir eigentlich immer vornehme, mein Kindsein nie so richtig aufzugeben, ertappe ich mich regelmäßig dabei, wie eng meine Fantasie über die Jahre doch geworden ist. Und im Gegensatz zu anderen ist diese alleine durch meinen Beruf als Designer schon weiter als die jener Menschen, die mir Tag für Tag auf der Straße, sich selbst schleppend, über den Weg laufen. Was muss das für ein Gefühl sein? Trott? Grauer Alltag? Keine Pläne und Träume mehr? Aus diesem Grund widme ich mich bewusst neuen Hobbies und Interessen, oder erfinde auch heute noch mit verrückten Freunden genauso verrückte Streiche und Geschichten. Und doch beobachte ich Tag für Tag die Menschen auf der Straße, schaue in ihre Gesichter, und reflektiere dann immer wieder mich selbst. Und so ertappe ich mich natürlich manchmal auch dabei, genauso streng und angestrengt durch die Welt zu laufen wie meine Mitmenschen auch. Und für eines bin ich dabei extrem dankbar – ich merke das zum Glück noch selbst und komme aus diesem Trott relativ schnell wieder heraus.

Alltagstrott

Raus aus dem Alltagstrott, aber unangestrengt

Es gibt nichts schlimmeres als etwas zu tun, dass zur Gewohnheit wird. Alltagstrott ist die Lähmung unserer Gesellschaft. Das bedeutet nicht, dass alle Menschen unserer Gesellschaft faul sind und vor sich hin eiern. Nein, es ist eigentlich viel schlimmer. Zu viele Menschen sind in ihrem eigenen Leben gefangen. Ihr Alltag fesselt sie und beschäftigt sie. Um es mit den steigenden Burnout-Statistiken zu verbinden – ihr Alltag stresst sie. Sie sind absolut überfordert. Arbeiten geschieht zunehmend mehr unter beständiger Anspannung, die wir körperlich schon gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Arbeit ist nicht mehr frei, Kreativität hat keine Zeit und Freiheit mehr und wird dadurch fantasielos. Dabei ist das ganz egal, mit welchem Beruf man das verbindet. In jedem Beruf kann man seine ganz persönliche Fantasie einbringen, sich persönlich einbringen. Leichter gesagt als diese Worte in die Realität zu übertragen.

Zeit für sich selbst. Zeit für seine eigene Marke.

Das Hauptproblem dabei ist, dass man neben seiner Arbeit auch noch ein Leben hat, eine Familie und seinen ganz persönlichen Lifestyle. Und mit diesem persönlichen Lifestyle meine ich in der Tat nicht den familiären, sondern den ganz eigenen für sich selbst. Das mag im Rahmen der Familie vielleicht egoistisch klingen, doch das ist es nicht. Jeder Mensch braucht jeden Tag seine ganz persönliche Zeit ganz für sich alleine. Zeit für seine Seele, für seine ganz persönlichen Gedanken, für seinen Körper, für seine Gesundheit. Ich nenne das für mich ganz gerne “Zeit für die mentale und körperliche Reinigung”.

Zeit für sich selbst. Tun Sie alles, was Ihnen persönlich gerade in den Sinn kommt. Frei heraus.

Marke-Mensch. Mensch-Marke

In den vielen Jahrzehnten meiner Tätigkeit als Gestalter hatte ich mit vielen Menschen und Unternehmen zu tun. Und ich darf immer wieder neue Menschen und Unternehmen kennenlernen. Was ich dabei beobachten konnte und kann, sind folgende Punkte:

  1. Unsere Kunden haben auch ein Leben.
  2. Gespräche sind wichtiger als Mails.
  3. Viele Menschen, viele Stimmungen, viele Verschiebungen.
  4. Unternehmen formen ihre Marke zu wenig für sich selbst.
  5. Eine Agentur ist nur brillant, wenn der Kunde es sein möchte.

1. Unsere Kunden haben auch ein Leben

Gute Agenturen und Gestalter gibt es wie Sand am Meer, Kunden auch. Das große Glück für eine langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit ist dabei, sich als Mensch gegenseitig zu finden oder über den Weg zu laufen. Unsere Kunden sind Menschen, wie Du und ich. Menschen mit Gefühlen, Emotionen und mit ihren ganz persönlichen Lebenserfahrungen und Erlebnissen. Genau das ist es, dass für uns eine ehrliche und offene Zusammenarbeit ausmacht – untereinander Menschen sein zu können ohne sich verstellen zu müssen. Diese Menschen haben natürlich ein anderes Leben wie wir selbst, doch im großen und Ganzen ist es am Ende gar nicht so anders. Jeder möchte eigentlich morgens aufstehen und mit Spaß seinen Lebensalltag genießen. Mit Erfolgen und zufriedenstellenden Erlebnissen.

2. Gespräche sind wichtiger als Mails

Mails sind die unpersönlichste, gleichzeitig aber auch die schnelle und einfache Art der Kommunikation. Das Problem dabei ist. Es wird zu viel gemailt und zu wenig gesprochen. Vor allem wird zu wenig über persönliches gesprochen. Persönliche Gespräche fernab der Projekte gehören für mich dazu, wenn man gemeinsam etwas schaffen und aufbauen möchte, dass am Ende Halt hat.

3. Viele Menschen, viele Stimmungen, viele Verschiebungen

Hinter jeder Marke stehen Menschen, die für diese Marke arbeiten. Sie gehen Tag für Tag in das Unternehmen, um genau diese Marke Tag für Tag ein Stück voran zu bringen. Das Thema ist, dass jeder Mensch mit anderen Stimmungen in diesem Unternehmen unterwegs ist, genauso auch der Unternehmer selbst. Jede einzelnen Stimmung oder Lebenslage beeinflusst deshalb auch die Entwicklung eines Unternehmens oder einer Marke. Das ist eigentlich ganz einfach nachvollziehbar. Das Problem dabei ist, dass sich die anderen Mitmenschen auf unsere Stimmungen anpassen und umgekehrt. Man gewöhnt sich sozusagen aneinander. Und genau hier liegt das eigentliche Geheimnis versteckt, warum Unternehmen mit der Zeit den Blick und die Meinung von außen brauchen. Von Agenturen, Unternehmensberatern etc. Die Menschen in dem Unternehmen haben sich aneinander gewöhnt. Jeder kennt die Macken des anderen und jeder akzeptiert das irgendwie. Gleichzeitig aber bemerkt man fast nicht, dass sich dadurch auch eine gewisse Art von Betriebsblindheit einschleicht. Der Innenblick geht verloren, weshalb sich die meisten Unternehmen erst einmal auf das äußere Erscheinungsbild fokussieren, anstatt zuerst das verschobene und aus dem Fokus geratene innere Bild wieder zurecht zu rücken.

4. Unternehmen formen ihre Marke zu wenig für sich selbst

Jeder Unternehmer möchte seine Marke so platzieren, dass sie von ihrer Zielgruppe akzeptiert und angenommen wird, und passt seine Kommunikation entsprechend an die Zielgruppe an.

Mir fällt dabei immer wieder auf, dass sich die meisten viel zu viel Gedanken darüber machen, wie sie ihrer Zielgruppe gefallen könnten. Das kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern auch jede Menge Energie und Kraft. Und zwar jene Kraft, sich insgeheim, wenn auch im kleinen Rahmen, immer wieder verstellen und anpassen zu müssen. Würde man mehr aus dem Bauch heraus oder aus Intuition Entscheidungen treffen, wären diese Entscheidungen nicht nur authentischer, sondern sie fühlen sich gegenüber der möglichen Zielgruppe auch authentisch an. Diese Zielgruppe findet sich dann auf jener Basis, dass Entscheidungen aus dem innersten getroffen werden und sich genau jene Menschen angesprochen fühlen, die diese authentische Entscheidung teilen. Wären das letztlich nicht die treueren Kunden? Jene, die kommen und kaufen, weil sie nicht das Produkt oder die Marke kaufen, sondern die Menschen, die das Produkt oder die Marke authentisch vertreten? Wenn mir die Inhalte oder die Darstellung unserer Agentur nicht gefällt, kann ich auch nicht zu 100% echt dahinter stehen. Und wenn es nicht echt wirkt, wirkt es unecht auf die inneren Sensoren unserer Kunden.

Jeder Schmetterling ist 100% einzigartig. Wie jede Marke auch.

5. Ein Kunde möchte, dass wir brillant sind. Was ist das?

Ping-pong. Jeder Gestalter hatte sicher schon einmal folgende Situation. Ein neuer Kunde betritt unser Leben und hat ganz konkrete Vorstellungen. Er berichtet über sein Vorhaben und wie er sich das Ganze vorstellt. Ein Designer mit einer gewissen Anzahl Jahre an Erfahrung weiss eigentlich insgeheim, dass die Vorstellungen des Kunden überhaupt nicht funktionieren werden. Unser Kunde möchte natürlich brillant sein und meint das abolut ernst.

Doch wo grenzt man nun den guten und schlechten Geschmack ab. Der große Unterschied zwischen Design und Programmierung ist genau der. Beim Design hat jeder irgendwie einen bestimmten Geschmack. Beim Programmieren braucht es keinen Geschmack. Natürlich gibt es auch unter Entwicklern schönen und schlechten Code. Doch dem Kunden, der seine Marke präsentieren möchte, interessiert das nicht, weil er zum Thema Programmierung keine Meinung hat und sich auch nicht auskennt.

Was also bedeutet es ist nun „brillant“ zu sein? Diese Frage ist eine absolut individuelle und sie hat viel mit einem bestimmten Gefühl zu tun. Das Gefühl kennt jeder von uns. Es ist das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu tun – ein Moment. Und es ist das Gefühl, dass man es mit absoluter Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ausübt. Aus diesem Gefühl heraus kann etwas entstehen, dass wir als genau das Richtige für unsere Aufgabe empfinden. Ein Volltreffer sozusagen. Unser Bauch, unser Herz teilt uns dieses Empfinden mit. Die Freude steigt, die Ungeduld es fertig zu haben auch. Und das Schöne dabei ist, dass man in diesem Moment einfach „brillant“ ist ohne diesen Zustand genauer beschreiben oder beurteilen zu können. Es ist einfach so. Was der Kunde aber dahinter nicht mitbekommt ist der Zeitpunkt, was diese zündende Idee und das passende Gefühl gekommen ist. Meist leider nicht während der eigentlichen Arbeitszeit, sondern ausserhalb dieser.

Für Marken, die halten.

Am Ende dieses Artikels möchte ich noch auf den Claim unseres Logos eingehen. Wir haben diesen Claim nach etlichen Runden und Drehungen über viele Wochen wie aus dem heiteren Himmel für uns gefunden. Natürlich ist aus dem heiteren Himmel sehr salopp geschrieben, denn diesem Fund gingen viele andere Funde voraus. Es ist ein Prozess, ein beständiges Dranbleiben und wieder locker lassen.

Unser Ziel ist es, für Unternehmen und Marken beständig zur Seite zu stehen. Es bringt herzlich wenig, ein Unternehmen oder eine Marke aufzubauen, wenn man sich keine Zeit dafür nimmt. Immer wieder und immer wieder. Es braucht Gespräche, innere Auseinandersetzungen und Reibungen damit der Prozess in Gang bleibt. Nur wer sich mit einer Sache intensiv und immer wieder damit auseinander setzt, kann sie auch lernen und verstehen. Das mit allen Dingen des Lebens so. Möchten wir Fahrrad fahren lernen, lernen wir es nicht, wenn wir weiter zu Fuß unterwegs sind. Möchten wir, dass unsere Kunden / Käufer unsere Marke „lernen“, bzw. kennenlernen, müssen wir sie erst einmal selbst kennenlernen und wissen, warum wir das alles überhaupt tun?

Unser Ziel ist es, innerhalb dieser Prozesse und Wege für eine gewisse Beständigkeit zu sorgen. Unseren Kunden das Gefühl zu geben, dass sie sich auf uns verlassen können. Ihnen das Gefühl zu geben, dass sie offen mit uns sprechen können. Über alles erdenkliche, dass die Zwischenmenschlichkeit formt und der Beziehung eine feste Basis gibt. Wenn Unternehmen sich diese Basis erschaffen haben, gilt es, sie zu erhalten. Mit diesem Beitrag den ein Unternehmen leistet, diese Basis zu erhalten, gibt es seinen Mitarbeitern wiederum einen bestimmten Halt. Hat das Unternehmen das Vertrauen der Mitarbeiter gewonnen, weil diese es zu schätzen wissen, was man in diesem Rahmen für sie tut, geben diese Mitarbeiter dieses Vertrauen zurück und tragen damit wiederum zu Halt des Unternehmens bei. Ein Kreislauf.

Ein Unternehmen, eine Marke durchläuft im Laufe seiner Existent verschiedene Lebenszyklen. Höhen und Tiefen. Und genau diese Höhen und Tiefen sind es, die uns auf Umwege führen, die manchmal genau zu dieser Zeit auch nötig sind. Wichtig ist, dass wir uns immer wieder darauf besinnen, woher wir kommen und den Weg wieder finden, um gerade aus zu laufen.

Herzliche Grüße
Toby O. Rink
Marke Mensch Natur GmbH, Karlsruhe

hallo@marke-mensch-natur.de

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.