Foto-Credit: Andrew Phillips

Instant Articles sind erst der Anfang

Facebook startet also Instant Articles: Ausgewählte Medienpartner dürfen Inhalte in vollem Umfang ab heute direkt auf Facebook anbieten. Neben der New York Times, BuzzFeed und etwa der BBC gehören auch Bild und Spiegel Online dazu.

Die Inhalte-Anbieter versprechen sich davon, eine größere Reichweite und eine neue Form der Monetarisierung. Facebook will mit starken Inhalten weiter relevant bleiben für die Nutzer. Fair enough.

Dass nun Kritiker auf den Plan treten und eine zu große Marktmacht von Facebook befürchten, ist legitim. Das Ende des Journalismus zu verkünden, ähnelt allerdings einer Realitätsverweigerung.

Journalisten müssen sich endlich drei Dinge eingestehen

Die Nutzer entscheiden darüber, welche Inhalte relevant und interessant sind — sicherlich müssen auch von Journalisten Themen gesetzt werden, aber die Zeit des klassischen Redakteurs-Daseins ist vorbei. Journalisten können (endlich) nicht mehr am Interesse der Menschen vorbei arbeiten.

Die Nutzer entscheiden darüber, wie und wo sie diese Inhalte abrufen — da können wir noch solange hergehen und uns darüber mokieren, dass die User nur noch bei Facebook abhängen. Wenn wir keine relevanten Gründe dafür liefern, dass sie täglich originär unsere Plattformen ansteuern, dann müssen wir schauen, wie wir unsere Inhalte ausgeliefert bekommen.

Die Nutzer haben keine Angst vor “Datenkraken”— wie sonst ist es zu erklären, dass der NSA-Skandal zu keinen Protesten führt, jeder ein allumfassendes Tracking-Device in seiner Hosentasche hat und alle liebend gern ihre intimsten Gedanken auf irgendwelchen Servern für alle Ewigkeiten speichern lassen?

Die Zukunft ist social

Die große Chance an Instant Articles ist es doch, über die Interessen und die Bedürfnisse des Publikums zu lernen. Und weil eben kein Verlag bislang die technische Infrastruktur gebaut hat, um ähnlich smarte Ergebnisse zu erzielen, wie es durch Facebook möglich ist, ist der Schritt bei Instant Articles mitzumachen, nur richtig. Buzzfeed für alle.

Für mein Dafürhalten wird diese Entwicklung auch nicht bei Instant Articles stehenbleiben. Wir erleben doch bereits jetzt, wie Twitter, Google, YouTube, Snapchat, Instagram und Facebook um Inhalte buhlen, denn ohne starke Inhalte sind auch die tollsten Plattformen sehr viel weniger interessant. Remember Myspace, Studivz?

Künftig wird es also für journalistische Unternehmungen wichtig sein, darüber nachzudenken, CvDs (oder wie auch immer sie heißen mögen) für die einzelnen Plattformen zu installieren, denn die Antwort kann nicht heißen: Ein und derselbe Inhalt für alle Kanäle.

Vielmehr wird es verantwortliche Redakteure speziell für Twitter, für YouTube, für Facebook, für Instagram und Co geben.

Klar, Social Media sollte prinzipiell jeder beherrschen. Aber die Plattformen richtig zu bespielen, dafür braucht es Profis. Und die wird es geben. Auch wenn dafür an anderer Stelle gespart werden muss. Die Zukunft ist Social — trust me.

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