So nutzen Sie Ihr Postbankkonto ab dem 01.11.2016 weiterhin kostenfrei

Foto: dennis bos

Der Artikel erklärt, wie Postbankkunden ab dem 1. November 2016 die Kontoführungsgebühren komplett sparen und alle Vorteile des “Giro extra plus” nutzen.

Ab dem 01.11.2016 gilt ein neues Kontenmodell für Postbankkunden. Die Postbank informiert derzeit per Brief und Info-Broschüre über die neuen Modelle und die Möglichkeiten, den Kontentyp zu wechseln.

Den Kontenvergleich der neuen Modelle stellt die Postbank hier vor: https://www.postbank.de/privatkunden/docs/Kontenvergleich.pdf

Die Konditionen: https://www.postbank.de/privatkunden/giro-plus.html#konditionen

Die meisten Bestandskunden werden aktuell wohl das “Postbank Giro Plus” haben, welches künftig 3,90 EUR im Monat kostet (zuvor 5,90 EUR). Die Kontoführungsgebühren können bei diesem Kontentyp sowie beim “Giro direkt” künftig, im Vergleich zu vorher, nicht mehr durch einen Geldeingang ab 1250 EUR im Monat eingespart werden.
Diese Option bietet künftig nur noch das “Postbank Giro extra plus”, welches regulär 9,90 EUR im Monat kostet, bei dem ab 3000 EUR Geldeingang aber keine Kontoführungsgebühren mehr anfallen. Mit dieser Eingangsgrenze beschränkt sich die Gruppe der Kunden, die diese Kontoumsätze regulär erzielen, jedoch auf gerade mal 8%.
(Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/486025/umfrage/umfrage-in-deutschland-zum-netto-einkommen-der-postbank-kunden/)

Die meisten der Postbankkunden werden einen Geldeingang von unter 3000 EUR haben, und somit in jedem Fall mindestens 1,90 EUR für weniger Leistungen als vorher, oder 3,90 für gleiche Leistungen wie vorher zahlen.

Es gibt allerdings einen einfachen Weg, wie jeder Kunde die das “Giro extra plus”, regulär 9,90 EUR im Monat, kostenfrei nutzen kann. Diese Methode wird von der Postbank und ihren Mitarbeitern selbstverständlich nicht kommuniziert, aber ist absolut legitim, wie mir ein Postbank-Mitarbeiter in einer der Filialen bestätigte.

Wie kann jeder das “Postbank Giro extra plus” kostenfrei und mit all seinen Vorteilen nutzen und die Kontoführungsgebühren umgehen?

Viele Kunden denken, dass es sich beim monatlichen Geldeingang, welches für die kostenfreie Kontonutzung relevant ist, um das Einkommen im Sinne von Gehalt handeln muss. Dem ist jedoch nicht so.

Als Einkommen ist jeglicher Geldeingang definiert, lediglich ausgenommen sind: “Geldeingänge, die auf Bareinzahlungen des Kontoinhabers
oder eines Dritten beruhen, sowie Gutschriften, denen die Ausführung einer Überweisung zulasten eines Postbank Tagesgeldkontos zugrunde liegt, werden nicht berücksichtigt.”
(Quelle:
https://www.postbank.de/privatkunden/docs/Postbank-Giro-plus-Produktinformationsblatt-20160819.pdf)

Wie kann man daraus einen nutzen ziehen? Ändern Sie Ihr “Giro plus” in ein “Giro plus extra”-Konto über das Formular. Nun müssen Sie lediglich nur noch einen Kontoumsatz von 3000 EUR im Monat generieren. Dies muss keine einmaliger Geldeingang sein, sondern kann beliebig auf den Monat verteilt erfolgen.

Suchen Sie sich ein Familienmitglied, den Partner oder einen vertrauensvollen Freund, der ebenfalls ein Bankkonto hat, bei denen Online-Transaktionen nichts kosten. Hat der andere ebenfalls ein Postbankkonto, so nehmen Sie dieses. Richten Sie sich gegenseitig und etwas zeitversetzt Daueraufträge ein, indem Sie sich gegenseitig 3000 EUR hin- und herschieben.
(Zur Not können Sie natürlich auch einfach ein zweites “giro plus extra” Konto auf Ihren Namen neu eröffnen, wird dann ja nichts kosten, und die Einrichtung ebenfalls nicht.)
Haben Sie keine 3000 EUR Vermögen auf dem Konto zur Verfügung, so splitten Sie das Ganze in jeweils 6 Daueraufträge zu je 600 EUR (jeweils auf beiden Konten). Die Anzahl der Dauerauftrage/Transaktionen ist irrelevant, da für Sie hier in der Regel bei Online-Überweisungen keine Transaktionsgebühren anfallen (zwischen Postbankkonten sicher nicht; bei unterschiedlichen Banken müssten Sie dies am besten vorab prüfen, dürfte aber in den meisten Fällen nicht der Fall sein).

Somit erreichen Sie den Kontoumsatz von 3000 EUR und nutzen das “Giro extra plus” kostenfrei mit all seinen Vorteile, d.h. auch die besseren Dispo-Konditionen, Kreditkarte, usw.

Die Taktik der Postbank dahinter

Auf Facebook ist eine rege Diskussion entfacht und viele Altkunden sind empört. Die Postbank versucht, die Kunden zu beschwichtigen, doch die Antworten des Supports scheinen mittlerweile nur noch per Copy/Paste aus der Support-Knowledge-Base zu kommen.

Trügerische Argumente — von wegen Kundenvorteil und Marktanpassung

Die Postbank versucht zu argumentieren, dass durch das neue Kontomodell die Gruppe von Kunden (die Postbank hat insgesamt ca. 14 Mio. Privatkunden), dessen monatliche Kontoumsätze weniger als 1000 EUR betragen, diesen angeblich 1 Mio. Kunden hiermit nun ein erheblicher Vorteil entstünde, da sie nun bei gleichen Leistungen 2 EUR einsparen würden (Giro Plus kostet nun 3,90 statt 5,90). Was dabei aber niemand erwähnt: die Anzahl der Kunden, deren Kontoumsätze zwischen 1250 und 2999 EUR liegen, ist viel größer — und diese Kunden haben zuvor auf Grund Ihres Geldeinganges keine Kontoführungsgebühren gezahlt, zahlen nun aber zwangsläufig 3,90 mehr, oder eben wahlweise 1,90 bei weniger Service.

Die Kundensegmentierung bzgl. Einkommen lässt sich der Umfrage auf Statista entnehmen: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/486025/umfrage/umfrage-in-deutschland-zum-netto-einkommen-der-postbank-kunden/

Da die Postbank die Zahl 1 Mio. als diejenigen nennt, dessen Einkommen geringer als 1000 EUR ist, und nur 8% ein Einkommen über 3000 EUR, lässt sich bei insgesamt 14 Mio. Privatkunden und der Statista-Umfrage darauf schliessen, dass eine große Mehrheit einen deutlichen Nachteil durch das neue Kontenmodell hat und 3,90 EUR bzw. 1,90 EUR im Monat mehr zahlt. Hochgerechnet auf die Anzahl der Kunden sicherlich eine nette Summe für die Postbank, um den Gewinn noch einmal mehr zu optimieren.

Der absichtlich umständlichere Kontowechsel auf “giro extra plus”

Der Wechsel vom “giro plus” auf das “giro direkt” ist einfach online zu erledigen. Diejenigen, die wechseln, zahlen hier wenigstens noch 1,90 EUR Kontoführungsgebühren.

Der Wechsel zum “giro plus extra” bedarf jedoch das Ausfüllen eines Formulars und ist meines Erachtens bewusst komplizierter angelegt, um diejenigen, bei denen es eh nicht auf ein paar Euro ankommt, einfach aufgrund des Aufwands, vom Wechsel abzuhalten. Somit sichert sich die Postbank hier auch nochmal 3,90 EUR von denen, dessen Einkommen (nur) beim “Giro plus extra” eine kostenfreie Nutzung gebietet, die jedoch keine Lust habe, sich um den Wechsel zu kümmern.

Edit 19.09.2016: In diesem Zusammenhang ist auch folgender Artikel interessant: http://www.focus.de/finanzen/banken/neue-regelung-gilt-ab-heute-versicherung-telefon-strom-das-muss-die-bank-jetzt-beim-kontowechsel-fuer-sie-tun_id_5954659.html