5 Thesen, was im Journalismus auf uns zukommt: Zum Beispiel 14-jährige Newsapp-Programmierer 🔮

Fünf Vordenker im Medienbereich stellten auf den Medientagen München ihre Thesen vor, wohin sich der Journalismus entwickelt: Von der News-App, die ein 14-Jähriger programmiert bis zur Rückbesinnung auf journalistische Wurzeln.

Von Katharina Mau
Alex Goodison hat Swiipe entwickelt — mit nur 14 Jahren! (Fotocredits: Richard Gutjahr)

1. Jugendliche zahlen nicht für Nachrichten

Alex Goodison ist 14 Jahre alt, kommt aus Irland, und hat schon seine fünfte App entwickelt. Swiipe ist ein Tinder für Nachrichten. Man bekommt einen Artikel angezeigt und kann ihn nach links wischen, wenn man ihn uninteressant findet, oder nach rechts, wenn man ihn sich merken möchte. Oder antippen und sofort lesen. Das Tolle daran: Man bekommt Artikel verschiedener Medien angezeigt und kann sich schnell eine Überblick darüber verschaffen, welche Themen gerade relevant sind.

Alex sagt, viele Jugendliche in seinem Alter würden sich nicht besonders für Nachrichten interessieren. Das kann an der Art und Weise liegen, wie Medien diese präsentieren. “Manche Verlage fallen zurück, weil sie nicht die richtigen Nachrichten über Snapchat ausspielen”, sagt Alex. Und: “Warum sollte ich für etwas zahlen, was ich auch kostenlos bekomme?”

2. Auch lange Texte funktionieren

Laura Himmelreich, Chefredakteurin von Vice Germany, ist sich sicher, dass auch Alex später für guten Journalismus Geld bezahlen wird. Man erreiche die Leser mit Qualitätsjournalismus. Das heißt auch: einzigartige Geschichten erzählen — nicht das, was die Konkurrenz macht. Eines der besten Videos auf ihrer Seite sei dieses Jahr eine Reportage über die Ausschreitungen in Charlotteville gewesen — Sehdauer 20 Minuten.

3. Journalisten müssen sich das Vertrauen der Leser verdienen

Für Mathew Ingram, Journalist aus Toronto, dreht sich alles um Vertrauen. “Das steckt hinter dem Fake News-Problem, und hinter dem Monetarisierungs-Problem”, sagt Ingram. “Vertrauen müssen sich Journalisten jede Minute, mit dem was sie tun, neu verdienen.” Ingram glaubt, dass die Menschen in Zukunft für Inhalte zahlen werden, aber nicht für Nachrichten. “Sie haben andere Wege, um an Nachrichten zu kommen, als über eine News-Webseite.”

4. Journalisten müssen wieder rausgehen und recherchieren

Identifikation ist das Schlagwort für den Journalisten Richard Gutjahr. Verlage sollten Produkte machen, für die die Menschen gerne zahlen wollen. Und Journalisten sollen wieder das tun, was sie früher viel mehr getan haben: Ihren Schreibtisch verlassen und draußen recherchieren. “Wir sind Schuld daran, dass die Menschen den Medien weniger vertrauen”, sagt Gutjahr. Die Leser könnten sich heute selbst Informationen über das Internet beschaffen. “Das Publikum ist schlauer geworden und wir haben unsere Einstellung nicht geändert, wir sollten die Menschen mehr respektieren.”

5. Journalisten müssen auf ihre Zielgruppe zugehen

Einen anderen Umgang mit den Lesern findet auch Franzsika Bluhm, Journalistin und Digitalberaterin, wichtig. “Journalisten können von Influencern lernen”, sagt sie. Und zwar, auf ihre Zielgruppe zuzugehen und mit ihr ins Gespräch zu kommen. “Influencer machen jede Woche ein Q&A, bei dem ihre Follower Fragen stellen können.” Man müsse auch darüber nachdenken, den Begriff “content” zu erweitern. Angebote von Verlagen könnten etwa auch Networking-Events sein.


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